Peter Sagan

Nach dem Sieg bei der Ronde van Vlaanderen ist der Druck auf seinen Schultern verflogen. Dazu passt die Form, und das Selbstbewusstsein lässt beim Weltmeistertrikot fasst die Ringe sprengen. Peter Sagan geht mit perfekten Voraussetzungen in die „Hölle des Nordens“. Peto braucht kein Team, kann sich an Cancellara orientieren und ist endschnell. Dass es möglicherweise am Sonntag regnen soll, spielt dem Radakrobaten ebenso in die Karten. Doch Paris-Roubaix lässt sich nicht planen, man braucht kein Glück, sondern muss vom Pech verschont bleiben. Sagan muss im Carrefour de l’Arbre an Cancellaras Rad bleiben. Gelingt ihm das, und rollt er mit der ersten Gruppe ins Velodrome – dann ist er nur sehr schwer zu schlagen.

 

Fabian Cancellara

Fabian Cancellara bei E3-Harelbeke (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Fabian Cancellara bei E3-Harelbeke (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Über die Form von Fabian Cancellara braucht man nicht zu spekulieren – sie ist exzellent. Schon bei der Strade-Biance war Spartacus gut drauf. Bei Tirreno-Adriatico fuhr er irrsinnige Ablösungen und gewann das Zeitfahren. Bei Mailand-Sanremo hatte er Pech und bei Gent-Wevelgem fehlte nur die Endschnelligkeit. Fabian Cancellara ist in seinem letzten Radsport-Frühjahr in Topform; das stellte er auch bei der Flandern-Rundfahrt unter Beweis. Bei der Ronde verpasste es Cancellara, die Attacke von Peter Sagan direkt zu kontern und er musste sich mit Platz zwei begnügen. Das soll auf dem Weg ins Velodrome nicht passieren. Die bisherigen Rennen haben gezeigt, dass der Schweizer derzeit die stärksten Beine hat. In den Anstiegen ist Peter Sagan vielleicht sogar etwas stärker, doch bei Paris-Roubaix ist das nicht entscheidend. Seine unfassbare Power macht Cancellara zum Top-Favoriten. Wenn Spartacus auf dem Pflaster die Kette an die Belastungsgrenze führt, wird es für die Konkurrenz schwer, zu folgen. Ohne Frage wird sein Hinterrad sehr beliebt sein, denn das komplette Peloton weiß um Cancellaras Stärke. Und noch etwas spricht für den Berner – sein starkes Team. Mit Jasper Stuyven, Edward Theuns, Gregory Rast und Yaroslav Popovych dürfte er sicher in guter Position ins Finale gehen. Es spricht einiges dafür, dass Cancellara seinen vierten Stein mit nach Hause nehmen kann.

 

Sep Vanmarcke

E3 PREIS 2015 (Foto: Roth&Roth Roth-Foto.de)

Sep Vanmarcke ist wie gemacht für dieses Rennen. Der 1.90 Meter Hüne verfügt über reichlich Power in den Beinen und hat mit seinen 77 kg ausreichend „Anpressdruck“ für das Pflaster. In den letzten drei Jahren war Vanmacke immer in den Top-11. Das dürfte dieses Jahr wieder gelingen, denn der Belgier ist in herausragender Form. Bei der Ronde van Vlaanderen blieb er lange bei Peter Sagan und musste sich am Ende im Sprint gegen Fabian Cancellara geschlagen geben. Bei Gent-Wevelgem wurde er hinter Sagan Zweiter. Doch Paris-Roubaix liegt dem  27-Jährigen viel besser als die anderen Rennen.  Mit  Maarten Tjallingii,Maarten Wynants und Robert Wagner hat er sehr erfahre Helfer an seiner Seite und mit Mike Teunissen zusätzlich einen extrem talentierten Pflasterspezialisten. Bis zum Finale sollte er also ausreichend Hilfe bekommen, danach schlägt eh seine Stunde. Vanmarcke ist sicher nicht so sehr beobachtet wie Cancellara oder Sagan, doch seine Stäke ist bekannt. Der Belgier ist nicht sonderlich endschnell, deshalb sollte er versuchen, allein ins Velodrome zu fahren. Bei der Konkurrenz sicher keine leichte Aufgabe. Doch vielleicht schauen sich die Kontrahenten ja an und lassen lieber ihn ziehen, als den großen Favoriten den Weg zum Sieg zu ebenen?

 

Zdenek Stybar

Zdenek Stybar (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Zdenek Stybar (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Bislang läuft es nicht beim großen Klassiker-Team Etixx-Quickstep. Zwar ist die Mannschaft extrem erfolgreich, doch nicht bei den großen flämischen Klassikern. Nur Marcel Kittels Sieg beim Scheldeprijs und Niki Terpstras Erfolg bei Le Samyn hat das Team auf der Habenseite – viel zu wenig für die großen Ansprüche der dominanten Klassikermannschaft der letzten 15 Jahre. Das soll sich am Sonntag ändern. Der Kapitän für Paris-Roubaix dürfte Zdenek Stybar sein, auch wenn Niki Terpstra das Rennen bereits gewonnen hat, gut in Form ist und sicher mehr als nur eine „Option“ ist. Stybar ist gut in Form. Er war Zweiter bei der Strade-Biance, stark bei Tirreno-Adriatico und auch Achter bei der Flandern-Rundfahrt. Stybar ist auf dem Pflaster extrem stark. Als Ex-Crosser muss er selbst Regen nicht fürchten und Roubaix ist sein großes Ziel. Doch im Vergleich zu Cancellara oder Vanmarcke scheint ihm derzeit ein bisschen Kraft zu fehlen. Man darf gespannt sein, wie das Etixx-Team auftritt. Bislang sind sie bei den Klassikern gefahren, als hätten sie den Stärksten Fahrer in ihren Reihen. Haben kontrolliert und viel gearbeitet, standen am Ende aber mit leeren Händen da. Neben Stybar und Terpstra hat die Mannschaft von Patrick Lefevere auch noch Tom Boonen und Tony Martin am Start – eine extrem starke Mannschaft, die mit einem Sieg in Roubaix alle Kritiker zum Schweigen bringen könnte.

 

Lars Boom

Lars Boom (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Lars Boom (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Der 30-jährige Niederländer hat die „Hölle des Nordens“ bereits mehrfach unter den Top-10 beendet. Der Ex-Crosser ist auf dem Pflaster extrem stark und hat seine erfahrene Astana-Mannschaft komplett hinter sich. Sollte es regnen, würde es Boom zusätzlich in die Karten spielen. In dieser Saison scheint der Tour-Etappensieger von 2014, als er übrigens die Pflasteretappe gewann, gut in Form. Bei der Flandern-Rundfahrt kam er ebenso mit der ersten Verfolgergruppe an, wie bei E3-Harelbeke.

 

 

Auf der Beobachtungsliste

Luke Rowe (Sky) – Der 26-Jährige fährt ein beeindruckend starkes Frühjahr. Superstark beim Omloop, stark in De Panne und zuletzt Fünfter bei der Ronde. Erwischt Rowe einen perfekten Tag, ist alles möglich.

Jens Keukeleire (Orica-Greendege) – Der sympathische Belgier war im letzten Jahr in der Spitzengruppe um John Degenkolb und wurde Sechster. Er ist gut in Form und hat eine starke Mannschaft an seiner Seite. Podest nicht unmöglich.  

Nikias Arndt (Giant-Alpecin) – Der 24-Jährige ist gut in Form, hat sich einiges vorgenommen und will zeigen, was in ihm steckt. Ein Platz unter den Top-25 ist möglich.

Florian Senechal (Cofidis) – Der 22-Jährige ist gut in Form und hat das Rennen bei den Junioren bereits gewonnen. Wir sind gespannt, wie er sich im Konzert der Großen behauptet. Top-25 nicht unmöglich.

Dimitri Claeys (Wanty-Groupe Gobert) – Der Belgier war überraschend Stark bei der Ronde und ist irgendwie eine Wundertüte.