Philippe Gilbert (BMC)

Philippe Gilbert bei der WM 2012 (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Philippe Gilbert bei der WM 2012 (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Philippe Gilbert liebt den Cauberg und der Cauberg liebt Philippe Gilbert. Der Belgier hat das Amstel Gold Race dort bereits drei Mal gewonnen: 2010, 2011 und im vergangenen Jahr. Und als die WM 2012 in Valkenburg ausgetragen wurde, hieß der Sieger – na klar – Gilbert. Der BMC-Profi hat den Kick, den es braucht, um den etwa 800 Meter langen und durchschnittlich acht Prozent steilen Anstieg auch nach fast 250 Kilometern hinauf zu stürmen. Im vergangenen Jahr distanzierte Gilbert die Konkurrenten am Cauberg weit genug, dass diese auf den anschließenden knapp 1,8 Kilometern bis zum Ziel nicht mehr herankamen. Dass er auch in diesem Jahr rechtzeitig zu den Ardennen-Klassikern in Form ist, hat er am Mittwoch beim Pfeil von Brabant gezeigt, wo er Dritter wurde und seinem Teamkollegen Ben Hermans den Sieg überließ – am Cauberg wird er kaum so großzügig sein.

Alejandro Valverde (Movistar)

Alejandro Valverde (Foto: Roth&Roth; Roth-Foto.de)
Alejandro Valverde (Foto: Roth&Roth; Roth-Foto.de)

Er sei in seinen besten Jahren, hat Alejandro Valverde im Februar erklärt. Es gebe kein Limit für ihn. 35 Jahre alt wird der Spanier in der kommenden Woche, aber er gewinnt wie eh (vor seiner Dopingsperre ab 2010) und je (nach seiner Dopingsperre seit 2012). Drei Etappen der Katalonien-Rundfahrt sowie ein Erfolg bei der Mallorca Challenge stehen für dieses Jahr schon zu Buche. Besonders wohl fühlt Valverde sich im Frühjahr aber stets in den Ardennen. Im vergangenen Jahr gewann er den Flèche Wallonne, 2008 Lüttich-Bastogne-Lüttich. Was ihm fehlt ist ein Sieg beim Amstel Gold Race, wo er schon zwei Mal auf dem Podium stand – 2008 als Dritter, 2013 als Zweiter. Im WM-Rennen 2012 holte er oberhalb des Caubergs Bronze. Grundsätzlich besitzt Valverde also den Punch für solche Rennen. Die Frage wird sein, ob die Kraft im Finale reicht. Bei der Strade Bianchi Anfang März ging ihm am Schluss ein wenig die Luft aus. Aber da hatte er vorher viel Arbeit geleistet, um eine Selektion herbeizuführen. Das wird diesmal nicht nötig sein.

Michal Kwiatkowski (Etixx-Quick Step)

QUER DURCH FLANDERN 2015
Michal Kwiatkowski (Foto: Roth&Roth; Foto: Roth-Foto.de)

Das Regenbogen-Trikot – so heißt es – sei manchmal ein Fluch. Im Jersey des Weltmeisters zu gewinnen, scheint schwerer zu sein. Vielleicht, weil man für die Konkurrenz so gut zu erkennen ist. Vielleicht, weil man die Last der Verantwortung spürt. Michal Kwiatkowski hat in diesem Jahr immerhin schon den Prolog bei Paris-Nizza gewonnen und am Sonntag hat er durchaus die Chance auf einen weiteren Erfolg. Der 24 Jahre alte Pole hat vielleicht nicht ganz den Punch, den Gilbert oder Valverde mitbringen für den Cauberg. Aber viel fehlt ihm nicht. Im vergangenen Jahr beendete er das Amstel Gold Race als Fünfter. Und wenn er diesmal den Anschluss hält, hat er beste Chancen ganz vorne zu lassen. Denn dann könnte er mit einer Attacke einen kleinen Vorsprung herausfahren, der vielleicht schon reicht. Mit seinen Zeitfahrqualitäten wäre Kwiatkowski dann in der Lage das Rennen nach Hause zu fahren.

Michael Matthews (Orica-GreenEdge)

Michael Matthwes (Roth&Roth; Roth-Foto.de)
Michael Matthwes (Roth&Roth; Roth-Foto.de)

Normalerweise hätte an dieser Stelle der Name Simon Gerrans gestanden. Doch nach einem Schlüsselbeinbruch im Dezember und einem gebrochenen Ellenbogen nach einem Sturz bei der Strade Bianchi, ist der Australier wohl noch nicht wieder in der Form, um ganz vorne dabei zu sein. Das macht den Weg frei für seinen Landsmann und Teamkollegen Michael Matthews. Der 24-Jährige ist in bestechender Form in diesem Frühjahr. Etappensiege bei Paris-Nizza und der Baskenland-Rundfahrt, Dritter bei Mailand-Sanremo und am Mittwoch Platz zwei beim Pfeil von Brabant, der Generalprobe für das Amstel Gold Race, lassen keinen Zweifel daran, wer das Orica-GreenEdge-Team am Sonntag als Kapitän anführen wird. Matthews hat ähnliche Qualitäten wie Peter Sagan. Für ihn wird es darauf ankommen, mit den Favoriten über den Cauberg zu kommen. Gelingt ihm das, muss er auf einen Sprint der Spitzengruppe hoffen. Dann könnte ihm der große Coup gelingen.

Jelle Vanendert (Lotto-Soudal)

ENECO-TOUR 2014 - 6. Etappe Heerlen - Aywaille
Jelle Vanendert (Foto: Roth&Roth; Foto: Roth-Foto)

Auf den ersten Blick ist das Amstel Gold Race nicht gemacht für Helle Vanendert, der eher längere Anstieg als den Cauberg bevorzugt und den man deshalb eher bei Lüttich-Bastogne-Lüttich vorne erwartet. Doch mit Platz zwei im vergangenen Jahr hat der Belgier erneut bewiesen, dass er durchaus in der Lage ist auch mit den Puncheuren mitzuhalten, wenn es ins Finale in Valkenburg geht. 2012 war er schon einmal Zweiter, als der Zielstrich noch am Ende des Caubergs war. Sein Formaufbau in diesem Frühjahr verlief reibungslos, auch wenn sich das nicht in Ergebnissen wiederspiegelt. Aber auch das ist nicht ungewöhnlich für Vanendert. Mit seinem Teamkollegen Tony Gallopin hat Lotto-Soudal noch einen zweiten starken Fahrer am Start. Das könnte ein Vorteil sein für Vanendert, der sicher nicht zu den markierten Fahrern gehören wird. Seine Chance kommt dann, wenn sich die Favoriten am Ende in taktische Spielchen verstricken sollten. Diese nutzte er im vergangenen Jahr, um als erster Verfolger von Gilbert ins Ziel zu kommen – warum soll das diesmal nicht für ganz vorne gelten?

Außenseiter: Tom Dumoulin (Giant-Alpecin)

SANTOS TOUR DOWN UNDER 2015 - 3. ETAPPEDas deutsche World-Tour-Team Giant-Alpecin kommt mit guter Laune aus den Kopfsteinklassikern in die Ardennen. Der Sieg von John Degenkolb bei Paris-Roubaix, der zuvor schon bei Mailand-Sanremo ganz oben auf dem Treppchen stand, hat für große Euphorie gesorgt. Diese soll jetzt mit hinüber schwappen, wenn das Terrain hügeliger wird. Dafür, dass die Equipe auch für dieses Terrain gut aufgestellt ist, steht Tom Dumoulin. Ähnlich wie Kwiatkowski verfügt der Niederländer über einen guten Antritt, der nicht ganz so explosiv ist wie der von Valverde oder Gilbert. Doch auch Dumoulin hat eine Chance, wenn es auf den letzten 1800 Metern wieder flacher wird. Er ist ein exzellenter Zeitfahrer, was er mit seinem Etappensieg bei der Baskenland-Rundfahrt erst kürzlich wieder unter Beweis gestellt hat. Sollte er mit der Favoritengruppe über den Cauberg kommen, hat er aber ähnlich wie Michael Matthews gute Chancen im Sprint.