Das Schwierigste beim Schreiben der Flèche-Wallonne-Vorschau in den letzten Jahren war, nach Copy/Paste nicht zu vergessen, die Jahreszahl zu verändern. Okay, das ist natürlich ein wenig überspitzt, aber die Rennen liefen ja tatsächlich meist nach dem gleichen Muster ab: Erst ging eine Fluchtgruppe, die Favoritenteams kontrollierten, kurz vor der Mur de Huy wurde die Gruppe eingeholt und die Kletterspezialisten lieferten sich einen harten Fight im Schlussaufstieg. 200km Rennen, 4 Minuten Spannung. Gut, hin und wieder sprang auf den letzten 30 km noch ein Fahrer aus der zweiten Reihe weg und die letzte Rennstunde war meist unterhaltsam, aber wirkliche Chancen auf einen Sieg hatte keiner der Angreifer. Keine Ahnung, wann der letzte Ausreißversuch beim Flèche geklappt hat, ich kann mich nicht erinnern.

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Dabei wurde nur ein Anstieg hinzugefügt, die Côte de Cherave. Und dieser Anstieg hat es durchaus in sich! 1,3 Kilometer lang, maximal 13 % steil, durchschnittlich immerhin 8,1% bergauf.

Vom Gipfel des Anstiegs sind es nur 5,5 km bis zur Ziellinie. Das bedeutet nur 4,2 km bis zum Fuße der Mur de Huy.

Die letzten 8 km des Fleche Wallone 2015
Die letzten 8 km des Fleche Wallone 2015

Der Anstieg lädt geradezu zur Attacke ein. Geht dort eine Gruppe, vielleicht mit Daniel Martin, Giovanni Visconti, Julien Alaphilippe, Gianpaolo Caruso oder Bauke Mollema, stellt sich schnell die Frage, wer organisiert die Verfolgungsarbeit?

Klar, der zusätzliche Anstieg bedeutet auch, dass es nach der vorletzten Überfahrt der Mur de Huy nun drei Ansteige auf den letzten 27,5 km warten. Sollte also schon dort eine Gruppe gehen, müssen die Helfer der Favoriten ihren Kraftaufwand anders planen, als bislang.

Die entscheidende Änderung im Rennverlauf dürfte aber dadurch entstehen, dass die Kapitäne nach der Côte de Cherave kaum noch Helfer haben werden. Vor dem Anstieg wollen alle vorn fahren, die Helfer müssen den Kapitän bei Vollgas aus dem Wind halten. Gibt es dann Attacken, werden einigen Helfern die Beine explodieren. So dürfte es zwischen Côte de Cherave und Anstieg zur Mur de Huy ein offenes Rennen werden. Wer fährt wem hinterher? Es geht knapp 3 Kilometer flach, bis die Straße dann leicht ansteigend zum steilen Finale an der Mur führt. Geht eine Gruppe, schauen sicher alle Valverde an. Doch das weiß Spanier natürlich auch und so könnte das Team in der Tat Giovanni Visconti als Joker einsetzen. Denn hat Valverde einen vorn dabei, lässt er hinten weg. Oder denkt der Spanier selbst an eine Attacke, um nicht ins Hintertreffen zu geraten?

Könnte und wäre sind vor dem Rennen unsere Lieblingswörter. Endlich wieder Grund für Gedankenspiele und Spekulation. Das hatten wir in den letzten Jahren kaum, schon deshalb mögen wir die neue Strecke. Ob die Cote de Cherave wirklich die erhoffte Würze ins Rennen bringt? Wir schauen es uns an!

fleche-profil