Diese Tour de France war die Krönung eines Sprinters, der in den letzten acht Jahren zwar unglaublich viel gewann, aber immer noch im Schatten der Anderen stand. Zuerst war das der Brite Mark Cavendish, zuletzt sein Landsmann Marcel Kittel. Nein, keiner hat je in Frage gestellt, dass André Greipel ein Top-Sprinter ist. Die Erfolge des heutigen Lotto-Soudal-Kapitäns sprechen für sich. Doch auch 2012, als Greipel drei Etappen bei der Tour de France gewann, sprachen viele davon, dass dies anders wäre, hätte Cavendish damals nicht bei Team Sky unterschrieben. In der Mannschaft von Bradley Wiggins hatte der Maxman kaum Unterstützung.

Heute konnte der Deutsche sein Bestergebnis von 2012 verbessern. Auf den Champs-Élysées hatte Greipel die Chance, nicht nur die vierte Etappe bei dieser Tour zu gewinnen, sondern auch die Möglichkeit, sich seinen Kindheitstraum zu erfüllen. Jeder Sprinter träumt davon, einmal in Paris bei dieser fantastischen Atmosphäre ganz vorne zu sein. Und diesmal stellt keiner die Erfolge von Greipel in Frage. Auch wenn der beste Sprinter der letzten beiden Jahre, Marcel Kittel, in diesem Jahr bei der Tour nicht dabei war – Greipels Überlegenheit war in diesen Tagen einfach zu groß.

Lotto-Soudal wird schwer gefordert

Trotzdem war es für seine Mannschaft Lotto-Soudal eine schwierige Aufgabe. Als die ersten Attacken in der Pariser Innenstadt losgingen, was es vor allem das belgische Team, das gefordert war. Mit der Hilfe von Etixx-QuickStep, der Mannschaft von Mark Cavendish, konnte Greipels Team kaum rechnen. Denn bei den belgischen Konkurrenten waren nur noch fünf Helfer im Rennen, Lotto-Soudal verlor dagegen während des Rennens nur Greg Henderson – der allerdings als Greipel wichtigster Anfahrer gilt.

Lotto-Soudal erhielt zwar ein wenig Unterstützung von der französischen Europcar-Mannschaft, die für ihren Sprinter Bryan Coquard fuhren, das Team schaffte es aber nicht, mit einem richtigen Zug im Finale dabei zu sein. In der Tat waren es am Ende nur Greipels Bodyguard Marcel Sieberg und der Belgier Jens Debusschere, die auf den letzten vier Kilometern bei ihm waren. Deswegen hatte der Deutsche auch nicht die beste Position im Finale und musste seinen Zielsprint auf Position Acht starten.

Normalerweise ist das in Paris ein noch größerer Nachteil als sonst. Denn derjenige, der aus der letzten Kurve als Erster auf das Kopfsteinpflaster des Champs-Élysées fährt, hat auch die größte Chance, diese preisträchtige Etappe zu gewinnen. Alexander Kristoff hatte diese Chance, konnte die gute Vorarbeit seiner Teamkollegen aber erneut nicht vollenden. Seine Katusha-Mannschaft hatte alles richtig gemacht und den Sprint für den Norweger perfekt vorbereitet. Der überragende Mann des Frühjahres wurde jedoch nur Dritter.

Im richtigen Moment startet Greipel den Endspurt

Und Greipel? Eigentlich kann man zum Auftritt des Deutschen im Grunde genommen nichts sagen. Trotz der schlechten Position begann er im richtigen Moment den Endspurt und war am Ende klar überlegen. Der Franzose Coquar konnte noch einige Meter aufholen, hatte aber nicht die Geschwindigkeit, um an Greipel vorbeizukommen. Speziell dieser Sieg zeigt, wie stark der Deutsche bei dieser Tour de France war. Mit seinen 33 Jahren erreicht der Lotto-Soudal-Kapitän den Höhepunkt seiner Karriere und bekommt nun endlich die verdiente Anerkennung.

Weder Cavendish noch John Degenkolb spielten im Finale eine Rolle. Für den Briten bleibt lediglich ein Etappensieg während der erste Woche, der Giant-Alpecin-Kapitän muss dagegen die Tour wieder ohne den ersehnten Erfolg verlassen. Und der Slowake Peter Sagan, der am Sonntag Siebter wurde, fand seinen Trost im Gewinnen des vierten Grünen Trikots in Folge. Einen Etappensieg hätte Sagan auch verdient, doch die Tour de France ist kein Wunschkonzert. Außer für André Greipel, aber eben nur in diesem Jahr.