Nairo Quintana (Team Movistar)

Nairo Quintana (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Nairo Quintana (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 10/10 – Er ist der Stärkste, wenn es ganz steil wird.
Zeitfahren: 6/10 – Er wird vor dem Zeitfahren in der letzten Woche etwas Vorsprung auf Chris Froome brauchen.
Form: 6/10 – Bei der Tour kam er in der letzten Woche richtig in Fahrt und hängte Froome nach Alpe d’Huez ab. Nach der Tour hat er kein Rennen bestritten und sich auf die Vuelta vorbereitet. Er wird vor allem in der zweiten Woche voll angreifen.
Team: 9/10 – Für die Berge hat er mit Amador und Valverde sehr starke Helfer.
Taktisches Vermögen: 7/10 – Individuelle Fehler sieht man bei ihm selten, manchmal wartet er zu lang.

Bonus: Poker Face – am Limit, oder bereit für die Attacke, bei Quintana weiß man das nie, als hätte er bei Pavel Tonkov gelernt.

Schwäche: Auf der Windkante könnte es für den Kolumbianer schwierig werden, trotz starker Mannschaft.

 

 

Chris Froome (Sky)

Chris Froome (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Chris Froome (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Chris Froome (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 10/10 – In Topform ist er auf Augenhöhe mit Quintana.
Zeitfahren: 10/10 – Er wird beim Zeitfahren in der letzte Woche viel Zeit gutmachen können.
Form: ?/10 – Wie stark ist Froome nach seinem Toursieg? Die Tage nach dem zweiten Gesamtsieg haben viel Kraft gekostet – er wird vielleicht ein bisschen brauchen, ehe er im Rennmodus ist.
Team: 10/10 – Sky stellte in den letzten Jahren immer das stärkste Team, was sie in diesem Jahr an Kletter- und Rundfahrern dabei haben, ist Wahnsinn.
Taktisches Vermögen: 8/10 – Das Sky-Team wird wohl stark genug sein, dass Rennen zu kontrollieren, doch in Spanien könnte es schwerer werden, als bei der Tour, denn bei der Vuelta wird taktisch mehr riskiert.

Schwäche: In den Abfahrten dosiert Froome scheinbar das Risiko – ist es nass und anspruchsvoll, kann man ihn in Schwierigkeiten bringen.

 

Vincenzo Nibali (Astana)

Vincenzo Nibali (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Vincenzo Nibali (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 9/10 – Ist Nibali in Topform, kann er am Berg den Abstand zu Froome und Quinatna in Grenzen halten.
Zeitfahren: 8/10 – Nibali gewann schon in der U23 eine WM-Medaille im Zeitfahren und ist immer noch stark im Kampf gegen die Uhr. Wie stark er in der letzten Woche noch ist, bleibt aber abzuwarten.
Form: 9/10 – Nibali wollte seinen Titel bei der Tour verteidigen, hat seine Saison darauf ausgerichtet. Es lief dann nicht wie gewünscht und er will bei der Vuelta zeigen, was er drauf hat.
Team: 9/10 – Die Astana-Gang ist immer stark, das konnte man auch beim Giro sehen. Doch mit Mikel Landa, Nibali und Fabio Aru sind gleich drei potenzielle Rundfahrtsieger am Start. Das kann auch ein Nachteil sein.
Taktisches Vermögen: 9/10 – Vincenzo Nibali fährt immer clever und hat ein Gespür für den richtigen Moment zur Attacke.

Bonus: Vincenzo Nibali ist ein herausragender Abfahrer. Er beherrscht sein Rad perfekt und scheut kein Risiko. Dazu hat er bereits alle drei großen Rundfahrten gewonnen und kann auch mal etwas riskieren.

Schwäche: Der Hai von Messina greift gern an, abwarten liegt ihm nicht so sehr. Im letzten Jahr hat ihm das den Toursieg gebracht, doch manchmal ist abwarten die bessere Taktik – eine echte Schwäche ist das jedoch nicht!

 

Joaquim Rodriguez (Katusha)

Mr. Explosivität – Joaquim Rodriguez (Fot:Roth&Roth roth-foto.de)
Mr. Explosivität – Joaquim Rodriguez (Foto:Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 8/10 – Rodriguez ist sehr stark am Berg, selbst zu den absoluten Top-Leuten fehlt nicht viel.
Zeitfahren: 6/10 – Joaquim Rodriguez ist kein sehr guter Zeitfahrer, er wird beim Zeitfahren in der letzten Woche wohl mehr als 2 Minuten auf Froome einbüßen.
Form: 9/10 – Rodriguez wurde bei der Clasica Ciclista San Sebastian Fünfter, konnte seine Form seit der Tour vielleicht noch steigern.
Team: 7/10 – Das Katusha-Team hat eine starke, aber keine überragende Mannschaft am Start. Der Doping-Fall von Caruso dürfte Unruhe ins Team gebracht haben.
Taktisches Vermögen: 7/10 – Rodriguez selbst kann man nur selten taktische Fehler nachweisen, doch sein Team sah nicht immer souverän aus, beispielsweise bei der Vuelta 2012, als Contador Rodriguez doch noch das Leadertrikot abjagen konnte.

Bonus:  Sein Punch. Vor allem die Etappen mit kurzen, aber steilen Zielankünften liegen Purito wie keinem anderen im Peloton. Rodriguez hat die herausragende Fähigkeit, selbst in steilen Anstiegen auf dem letzten Kilometer den Turbo zu zünden und der Konkurrenz noch einmal eine halbe Minute abzunehmen.

Schwäche: Seine große Schwäche ist das Zeitfahren.

 

Tejay van Garderen (BMC)

Tejay van Garderen (Foto Roth&Roth roth-foto.de)
Tejay van Garderen (Foto Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 8/10 – Der Amerikaner scheint in diesem Jahr noch stärker als in den letzten Jahren. Bei der Dauphine war der Abstand zu Froome am Berg nur gering, bei der Tour war er bis zu seinem Ausscheiden stark.
Zeitfahren: 8/10 – Van Garderen ist ein starker Zeitfahrer, er wird wenig Zeit auf Froome verlieren, aber vielleicht etwas gegen die besten Kletterer zurückholen können.
Form: 9/10 – Das bittere Ausscheiden bei der Tour hat den Amerikaner für die Vuelta motiviert. Er will zurückschlagen und zeigen, was er drauf hat. Eine Top Vuelta als Therapie für eine verkorkste Tour – das gab es schon häufiger.
Team: 9/10 – Das BMC-Team hat starke und sehr erfahrende Fahrer am Start. Offiziell wolle man sich zunächst auf Etappenerfolge konzentrieren, doch Van Garderen hat sich in Aspen und Nizza gut vorbereitet und wird versuchen das Rennen auf dem Podium zu beenden.
Taktisches Vermögen: 8/10 – In Sachen Taktik ist der Amerikaner bislang weder positiv noch negativ aufgefallen. Er bereitet sich akribischer vor und ist auch im Rennen konzentriert und wenig impulsiv.

Bonus:  Van Garderen ist ein sehr zäher Rennfahrer, und er hat eine sehr tempoharte Mannschaft um sich. Wenn es in den Hochebenen zu Windkanten kommt, kann er davon profitieren.

Schwäche: Eine große Schwäche hat der Amerikaner nicht, auch der Druck des Leaders scheint ihn nicht zu belasten. Durch seine Statur und Körpergroße hat er es bei den ganz steilen Bergen gegen die Leichtgewichte wie Quintana oder Froome schwer.

 

Domenico Pozzovivo (AG2R)

Domenico Pozzovivo (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Domenico Pozzovivo (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 9/10 – Wird es richtig steil, ist der kleine Italiener in seinem Element.
Zeitfahren: 5/10 – Das ist seine große Schwäche, er wird viel Zeit verlieren!
Form: 8/10 – Eigentlich wollte Pozzovivo beim Giro ganz vorn landen, doch sein Sturz ließ den Traum zerplatzen. Jetzt hat er sich auf die Vuelta vorbereitet und will aufs Podium.
Team: 6/10 – Die französische Mannschaft verfügt über sehr erfahrene Leute, die Pozzovivo vor allem in der Ebene und bei Wind unterstützen können.
Taktisches Vermögen: 9/10 – Pozzovivo ist kein Mann der lange fackelt. Sieht er eine Chance, greift er an. Jedoch nicht kopflos, sondern mit gutem Instinkt für den richtigen Moment.

Bonus: Domenico Pozzovivo ist kein Unbekannter im Peloton, doch er bekommt sicher mehr Freiheiten als die großen Namen wie Froome oder Quintana. Ist er einmal entwischt, holt man ihn nur schwer zurück.

Schwäche: Der Kampf gegen die Uhr ist gar nichts für das Leichtgewicht.

 

Fabio Aru (Astana)

Fabio Aru (Foto:Roth&Roth roth-foto.de)
Fabio Aru (Foto:Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 9/10 – Ist Aru in Topform, fehlt nicht viel zu Froome und Quintana.
Zeitfahren: 7/10 – Das ist nicht seine Lieblingsdisziplin, doch er konnte sich weiter verbessern und versuchen den Rückstand unter 2 Minuten zu halten.
Form: 9/10 – Aru hat nach dem Giro die Form komplett neu aufgebaut. Über die Polenrundfahrt, bei der er sich stark präsentierte, bereitete sich der 25-Jährige auf die Vuelta vor.
Team: 9/10 – Das Astana-Team ist extrem stark. Nibali, Landa, Aru, dazu Cataldo, Sanchez und Tiralongo – sie könnten ähnlich dominant auftreten wie beim Giro. Doch die Kapitänsrolle im Team könnte sich mehrfach ändern, das ist nicht leicht für das Team!
Taktisches Vermögen: 8/10 – Aru hat ein gutes taktisches Gespür und scheut nicht die Attacke.

Bonus: Er konnte sich gezielt auf die Vuelta vorbereiten und wird schnell in den Rennrhythmus kommen. Das könnte den Tour-Fahrern schwerer fallen.

Schwäche: Der Kampf gegen die Uhr.

 

Rafal Majka (Tinkoff-Saxo)

Rafal Majka (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Rafal Majka (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 8/10 – In absoluter Topform kann er mit Nibali, van Garderen und Pozzovivo am Berg mithalten.
Zeitfahren: 8/10 – Der Pole ist ein ordentlicher Zeitfahrer. Er wird sicher Zeit auf Froome verlieren, doch gegen Quintana oder Aru kann er bestehen.
Form: 8/10 – Auch Majka hat die Tour in den Beinen, ist dort aber nicht jede Etappe Anschlag gefahren. Doch er hat 2015 schon 63 Renntage absolviert – mal sehen wie viel Kraft noch im Tank ist.
Team: 8/10 – Das Tinkoff-Saxo-Team ist mit sehr starken Fahrer bei der Vuelta. Doch es ist eher eine Mannschaft für Etappensiege, als ein Team für nur einen Leader.
Taktisches Vermögen: 8/10 – Rafal Majka ist bislang durch eine offensive Fahrweise aufgefallen. Große taktische Schnitzer hat er sich bisher nicht geleistet.

Bonus: Er kommt ohne Druck nach Spanien und kann von Tag zu Tag schauen. Sollte er schnell Zeit verlieren, sucht er sich eine Etappe raus und versucht sie abzuschießen.

Schwäche: Keine besondere.