Nach dem Zeitfahren ist die Spannung weiter gestiegen. Tom Dumoulin ist der Gejagte, die Konkurrenz sitzt ihm im Nacken. Sein Vorsprung im Gesamtklassement ist einfach zu klein, um Fabio Aru auch nur einen Meter wegfahren zu lassen. Doch nur auf Aru gucken reicht auch nicht, oder doch?

 

Die Etappe

Die 18. Etappe ist 204 Kilometer lang und führt von Roa nach Riaza. Es ist keine Hammeretappe, doch gerade die zweite Hälfte ist sehr wellig. Da die Fahrer im Zeitfahren bis ans Limit und darüber hinaus gegangen sind, kann es ein sehr harter Tag werden. Die größte Schwierigkeit wartet 23 Kilometer vor dem Ziel. Der Anstieg zum Puerto de la Quesera ist 10 Kilometer lang und durchschnittlich 5,2 % steil. Im unteren Teil ist die Steigung noch moderat, doch oben geht es 7 % bergan.

Tom Dumoulin werden vor diesem Berg sicher nicht die Knie schlottern, doch die Konkurrenz wird ihn testen. Er wird sich wohl kaum allein auf die Unterstützung seines Teams verlassen können, sondern muss vielleicht auch pokern. Das kann durchaus klappen, denn sollte zu Beispiel Alejandro Valverde angreifen, will Fabio Aru vielleicht nicht nur zuschauen, sondern selbst arbeiten, oder besser arbeiten lassen. Ob Dumoulin oder Valverde, Aru will nicht Zweiter werden, sondern gewinnen. Das gleiche gilt für Joaquim Rodriguez. Diese Spiele muss Tom Dumoulin kühl und clever mitspielen, denn alle Fahrer kann er allein nicht kontrollieren.

 

Profil des Puerto de la Quesera
Profil des Puerto de la Quesera

Vom Gipfel des Anstieges geht es etwas mehr als 10 Kilometer bergab, die letzten Kilometer zum Ziel sind dann leicht abschüssig. Technisch anspruchsvoll ist die Anfahrt zum Ziel nicht.

Karte & Profil der letzten 5 Kilometer
Karte & Profil der letzten 5 Kilometer

 

Die Ausgangslage:

1. Tom Dumoulin (Giant-Alpecin) 68:40:36
2. Fabio Aru (Astana) + 0:03
3. Joaquim Rodriguez (Katusha) + 1:15
4. Rafal Majka (Tinkoff-Saxo) + 2:22
5. Nairo Quintana (Movistar) + 2:53
6. Alejandro Valverde (Movistar) + 3:15
7. Esteban Chaves (Orica-GreenEdge) + 3:30
8. Daniel Moreno Fernandez (Katusha) + 3:46

 

Die Taktik

Tom Dumoulin wird sich in den nächsten Tagen vor allem auf Joaquim Rodriguez und Fabio Aru konzentrieren. Sollte einer der beiden angreifen, wird er versuchen mitzugehen. Greift einer der anderen Fahrer an, wird er die Konkurrenz anschauen und versuchen ihnen ein Teil der Verantwortung zu übertragen. Bei dieser 18. Etappe gibt es nur diesen einen Berg und der Gipfel ist nicht weit vom Ziel entfernt. Mit Angriffen weit vor dem Ziel ist nicht zu rechnen. Große Spielchen wird es wohl nicht geben.  Tom Dumoulin muss versuchen bei Purito und Aru zu bleiben, und sonst sein Tempo fahren. In der Abfahrt könnte er sogar noch Zeit aufholen, sollte es nötig sein.

Für die nächsten Tage wird es wohl schwerer, die Konkurrenz in Schach zu halten. Da kann Dumoulin nicht alle Attacken selbst kontern, vor allem wenn schon weit vor dem Ziel attackiert wird. Er muss pokern und darauf hoffen, dass Katusha, Movistar und Astana sich gegenseitig hinterherfahren und er nur “mitrollen” muss.

Doch am Ende wird auch die Kraft entscheiden, die nach zwei harten Vuelta-Wochen noch in den Beinen sind. Das Polster von Dumoulin ist klein und schon am Puerto de la Quesera wird es Angriffe geben, das ist sicher.

Die Movistar-Zange

Gespannt sind wir darauf, welche Rolle Alejandro Valverde spielen wird. Valverde hat zu alter Stärke gefunden und ist ein guter Abfahrer. Da er mehr als 3 Min Rückstand hat, wird man ihm vielleicht nicht sofort nachsetzen, sondern lieber den Mann in Rot anschauen und ihm die Arbeit überlassen. So sieht das dann aber vielleicht auch Dumoulin, und Valverde könnte wegfahren und Zeit gutmachen. Holt er auf der 18. Etappe 1:30 min auf, wird er für die nächsten Etappen eine echte Bedrohung. Und Movistar hat mit Nairo Quintana noch einen weiteren Trumpf im Ärmel.

Theoretisch könnte Katusha das gleiche Spiel mit Dani Moreno versuchen, doch der Spanier scheint nicht in der Verfassung zu sein, alle aufmischen zu können.

Soll Astana mal machen

Astana ist die stärkste Mannschaft und die anderen werden ihnen gern die Arbeit überlassen. Sie werden sich vor allem auf die 20. Etappe konzentrieren und dort das Rennen richtig schwer machen. Sie haben die nötige Power und werden alles versuchen Dumoulin zu isolieren und ans Limit zu führen. Die 18. Etappe ist wohl zu leicht für einen Angriff ab Kilometer Null. Da wird man sich wohl auf das Finale konzentrieren. Aru muss Dumoulin abhängen, je eher desto besser. Es bleibt bei dieser Vuelta wohl spannend bis zum Schluss, mehr hatten sich die Organisatoren nicht gewünscht.

 

Wir erwarten: Eine frühe Gruppe die gute Chancen hat und viele Attacken auf das Rote Trikot am letzten Anstieg.

Die Favoriten: David Arroyo, Giovanni Visconti, Sergio Henao, Moreno Moser, Pierre Rolland