Esteban Chaves (Orica-BikeExchange) – kletterstark & explosiv aufs Vuelta-Podium?

26 Jahre alt,  5. der Vuelta 2015, 2. Giro 2016

Esteban Chaves (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

 

Berg: 9/10 – Mit seinen 55 Kilo ist er wie gemacht für die Berge.
Zeitfahren: 7/10 – Gerade die flachen Zeitfahren sind nicht nach seinem Geschmack.
Form: ?/10 – Nach dem Giro hat er nur das olympische Strassenrennen bestritten.
Team: 6/10 – Erfahren, aber gerade für die Berge nicht so stark wie die Top-Teams.
Taktisches Vermögen: 8/10 – Bislang hat man keine Fehler von ihm gesehen. Er greift an, wenn sich die Chance bietet, aber nicht kopflos.

Bonus: Extrem endschnell und sehr angriffslustig.

Schwäche: Dem Leichtgewicht fehlt manchmal die Tempohärte – Vorsicht bei windanfälligen Etappen.

 

Steven Kruijswijk (LottoNL-Jumbo) – Rot statt Rosa?
29 Jahre alt, 4. Giro 2016

Steven Kruijswijk (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 9/10 – Wenn er in der Form vom Giro ist, kann er mit den Allerbesten mithalten.
Zeitfahren: 8/10 – Steven Kruijswijk ist ein sehr passabler Zeitfahrer.
Form: ?/10 – Nach seinem starken Auftritt beim Giro d’Italia hat der Niederländer nur die Clasica San Sebastian und das olympische Straßenrennen bestritten. Er wolle möglichst frisch in die Vuelta gehen, sagte Kruijswijk vor dem Start. Vielleicht braucht er noch einige Tage, um in den Rennrhythmus zu kommen.
Team: 8/10 – Mit Gesink, Bennett, Bataglin & Co. schickt die niederländische Equipe eine starke Truppe zur Vuelta. Sollte Kruijswijk Rot erobern können, hat er starke Helfer an seiner Seite.
Taktisches Vermögen: 8/10 – Mit schlechter Taktik ist der Niederländer bislang nicht aufgefallen. Er ist nicht der unerschrockene Draufgänger, aber auch kein Zögerer. Der Sturz beim Giro kostete ihn den Sieg, doch das mehr eine Unaufmerksamkeit, als ein taktischer Fehler.

Bonus: Auf seinen Schultern lastet nicht der große Erwartungsdruck. Es stehen eher Contador, Froome und Quintana im Rampenlicht – das kann von Vorteil sein, denn sowohl im Rennen, als auch in Sachen Medienaufmerksamkeit kann man der Konkurrenz den Vortritt lassen.

Schwäche: Die Konkurrenz weiß um seine Fähigkeiten. Verstecken geht seit diesem Giro definitiv nicht mehr. Das ist keine Schwäche, aber ein verlorener Vorteil. Die kurzen, klassikerartigen Schlussanstiege liegen ihm eher nicht so sehr.

 

 

Nairo Quintana (Team Movistar) – Tour-Revanche?
26 Jahre alt, 4. Vuelta 2015,  3. Tour 2016

Nairo Quintana (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 10/10 – Er ist aktuell wohl der stärkste Bergfahrer im Peloton, wenn er im Vollbesitz seiner Kräfte ist.
Zeitfahren: 8/10 – Der Kolumbianer ist ein guter Zeitfahrer, doch auf dem flachen ITT-Kurs wird er auf die ganz starken Zeitfahrer Zeit einbüßen.
Form: ?/10 – Nairo Quintana hat nach dem dritten Rang bei Tour de France kein Rennen bestritten und sich auf die Vuelta vorbereitet.
Team: 10/10 – Das Movistar-Team für die Vuelta ist eine gute Mischung aus Rollern und Bergfahrern. Viel Erfahrung und Top-Fahrer für jedes Terrain.
Taktisches Vermögen: 7/10 – Manchmal scheint es so, als würde Nairo Quintana zu lange abwarten, ehe er angreift.

Bonus: Poker Face – am Limit, oder bereit für die Attacke, bei Quintana weiß man das nie, als hätte er bei  der „Sphinx“ Pavel Tonkov gelernt.

Schwäche: Auf der Windkante könnte es für den Kolumbianer schwierig werden, trotz starker Mannschaft.

 

Alberto Contador (Tinkoff) – Vuelta-Sieg statt Tour-Triumph?

Alberto Contador (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 9/10 – Contador ist am Berg kaum abzuhängen. Doch der Routinier hat etwas von der Spritzigkeit eingebüßt, die ihn früher zum stärksten Kletterer der Welt machte.
Zeitfahren: 8/10 – Contador muss das Zeitfahren nicht fürchten.
Form: 9/10 – Nach dem krankheitsbedingten Ausstieg bei der Tour hat sich Contador auf die Vuelta vorbereitet. Die Burgos-Rundfahrt hat er gewonnen und gezeigt, dass er gut drauf ist.
Team: 9/10 – Wie gewohnt hat das Tinkoff-Team starke Helfer für Contador am Start.
Taktisches Vermögen: 10/10 – Der Spanier hat schon mehrfach seine Cleverness unter Beweis gestellt. Er ist ein echter Taktikfuchs, der keine Gelegenheit zur Attacke auslässt.

Bonus: Alberto Contador kennt die Vuelta sehr gut und kann in manchen Situationen auch von der Unterstützung seiner Landsleute profitieren.

Schwäche: Wer eine findet, soll sich bitte melden.

 

 

Chris Froome (Sky) – Reicht die Form bis Madrid?

31 Jahre, Fußbruch im letzten Jahr, Tour Sieg 2016

Chris Froome (Foto: Roth&Roth)

Berg: 10/10 – Ist er in Top-Form, ist er neben Quintana der Stärkste, wenn es richtig steil wird.
Zeitfahren: 9/10 – Mit seinem Sky-Team hat Froome starke Zeitfahrer für das Mannschaftszeitfahren zum Auftakt. Auch das flache Zeitfahren kurz vor dem Finale der Rundfahrt dürfte ihm liegen. In den Bergen dranbleiben, im Zeitfahren Boden gutmachen – so könnte der Plan aussehen.
Form: ?/10 – Nach der Tour de France hat sich Chris Froome auf das Olympia-Zeitfahren vorbereitet. Viel Pause hatte er nicht und der Höhepunkt war klar die Tour – es bleibt die Frage, wie lange er die Form auf Top-Niveau halten kann.
Team: 9/10 – König, Lopez, Kennaugh, dazu Boswell Knees und Golas – Sky schickt ein sehr starkes Team für jedes Terrain zur Spanienrundfahrt.
Taktisches Vermögen: 7/10 – Individuelle Fehler sieht man bei ihm selten, doch anders als bei der Tour wird man das Rennen wohl nicht komplett kontrollieren können.

Bonus: Chris Froome hat die Tour gewonnen, er hat genau NULL Druck.

Schwäche: Nachdem sich der Brite voll auf den dritten Tour-Sieg konzentriert hat und anschließend auch noch die erhoffte Olympia-Medaille eingefahren hat, könnte es sein, dass neben der schwindenden Form auch mental etwas die Luft raus ist.

 

 

Die Herausforderer

 

Davide Formolo (Cannondale-Drapac) – Leuchtet der nächste italienische Rundfahrt-Stern?
23 Jahre alt, 31. Giro 2016

Davide Formolo hat im letzten Jahr eine Etappe beim Giro gewonnen (Foto: Roth&Roth; Roth-Foto.de)

Davide Formolo ist wie gemacht für die Berge. Er ist 1.81 Meter groß und wiegt kaum mehr als 60 Kilogramm. Der Italiener gilt nicht erst seit ein paar Wochen als großes Talent. Seit seinem Giro-Etappensieg 2015 ist er nicht nur Insidern bekannt. In diesem Jahr ist er sehr gut durch den Winter gekommen und sich beim Giro voll in den Dienst seines Kapitäns Rigoberto Uran gestellt. Bei der Vuelta hat er nun freie Fahrt. Es ist seine dritte Grand Tour, aber die erste Spanienrundfahrt. Doch der Parcours dürfte ihm liegen.

Berg: 8/10 – Wird es richtig steil, ist er in seinem Element.

Zeitfahren: 5/10 – Der Kampf gegen die Uhr liegt ihm nicht so sehr.
Form: 9/10 – Nach dem Giro hat er sich auf die Vuelta konzentriert. Bei der Poelen-Rundfahrt wurde er Vierter.
Team: 8/10 – Mit Talansky und Dombrowski sind extrem starke Kletterer dabei. Auch für das flache Terrain ist das Team gut aufgestellt.
Taktisches Vermögen: 8/10 – Formolo fährt clever und hat auch bereits Grand-Tour-Erfahrung.

Bonus: Auf ihn wird man nicht schauen, er kann befreit fahren und schauen was rauskommt. Dazu verfügt er über Spritzigkeit am Berg.

Schwäche: Das Zeitfahren liegt ihm nicht und drei Wochen auf Top-Niveau ums Klassement fahren ist neu für ihn.

 

 

Miguel Ángel López (Astana) – Die endgültige Durchbruch?
22 Jahre, 1. Grand Tour

Miguel Angel LOPEZ MORENO (Foto: Roth&/Roth roth-foto.de)

Berg: 8/10 – Wenn er das bestätigen kann, was er in diesem Jahr bereits gezeigt hat, gehört er in den Bergen zu den stärksten Fahrern.
Zeitfahren: 7/10 – Er ist ein ordentlicher Zeitfahrer.
Form: ?/10 – Nach der Tour de Suisse ist er nur das olympische Straßenrennen gefahren.
Team: 9/10 – Scarponi, Sachenz, Cataldo – Astana hat auch bei der Vuelta eine extrem starke Truppe am Start.
Taktisches Vermögen: 8/10 – Im U23-Bereich fuhr er clever und auch bei den Profis zeigte er, dass er über Rennintelligenz verfügt.

Bonus: Es ist sein erste Grand Tour – es gibt keinen Erwartungsdruck.

Schwäche: Er ist noch nie eine Grand Tour gefahren, man wird abwarten müssen, wie er die Anstrengungen über drei Wochen verkraftet.

 

 

Pierre Latour (Ag2R) – Das große Talent auf dem Sprung in die Weltspitze?
22 Jahre, 1. Grand Tour

Pierre Latour (Foto: Roth&Roth)

Berg: 8/10 – Der Franzose ist 1.80 Meter groß und wiegt knapp 64 Kilo – er ist wie gemacht für die Berge.
Zeitfahren: 6/10 – Er ist kein schlechter, aber auch kein besonders guter Zeitfahrer. Er wird auf die Konkurrenz beim langen Zeitfahren am drittletzten Tag einiges an Zeit einbüßen.
Form: 9/10 – Pierre Latour hat sich speziell auf die Vuelta vorbereitet und zeigte vor wenigen Tagen mit Platz drei bei der Tour de l’Ain, dass er mit sehr guter Form zur Spanienrundfahrt reist.
Team: 6/10 – Es ist ein ausgewogenes Team, in dem vor allem der sehr erfahrene Jean-Christophe Peraud eine wichtige Stütze sein kann.
Taktisches Vermögen: ?/10 – Pierre Latour ist bislang nicht durch taktische Schwächen aufgefallen.

Bonus: Es ist sein erste Grand Tour – es gibt keinen Erwartungsdruck.

Schwäche: Die technisch anspruchsvollen Abfahrten scheinen nicht sein Lieblingsterrain.