Seit Beginn seiner Profi-Karriere fährt Simon Geschke beim niederländisch geprägten Team von Iwan Spekenbrink und ist dort nicht nur wegen seines Tour-Etappensiegs eine feste Größe im Team. Nur Roy Curvers und Albert Timmer sind noch länger in der Mannschaft, die Spekenbrink 2008 als Team Skil-Shimano übernahm. Mit seinem emotionalen Tour-Etappensieg 2015 ist der “schnellste Vollbart des Radsports” in der ganzen Welt bekannt geworden und nach dem Abgang von John Degenkolb ist er nun der bekannteste Deutsche im Team. An seiner Rolle im Team ändert das nichts.

 

Eine Saison zum Vergessen

Nach der tollen Saison 2015 lief es bei Geschke im vergangen Jahr überhaupt nicht. “Ich schaue nicht gern zurück auf die Saison 2016”, sagt Geschke am Rande der Teamvorstellung im Hangar des Flughafen Münster/Osnabrück. Im Winter hatte er Knieprobleme die von einer Muskelverhärtung im Oberschenkel rührte. Er hatte viel gewollt und ging stattdessen mit Trainingsrückstand in die Saison. Dann wurde er vor der Baskenland-Rundfahrt im April krank, konnte 10 Tage nicht trainieren. “Dadurch hat mir die gesamte Saison die Konstanz gefehlt”, erklärt Geschke ruhig. Die Enttäuschung war groß, er hatte sich viel vorgenommen und war unzufrieden. Ausgerechnet im Vertragsjahr lief es nicht. Auch bei der Tour konnte er sich nicht in Szene setzen.

Simon Geschke beim olympischen Zeitfahren in Rio (Foto: Roth&Roth)

Lichtblick Rio

Nach verkorkstem Frühjahr und unauffälliger Tour gab ihm erst der Einsatz bei Olympia Auftrieb. “Es war eine schöne Erfahrung und ich war dort auch mit meiner Form zufrieden”, blickt Geschke zurück, der mit seiner starken Zeitfahrleistung nicht nur die Journalisten sondern auch sich selbst überraschte. Geschke wurde 13., war nur 16 Sekunden langsamer als Tony Martin und ließ eine ganze Reihe richtig guter Zeitfahrer hinter sich. 

Doch Geschke spricht lieber über die neue Saison. Man merkt ihm an, dass er heiß ist. “Ich weiß, dass ich es besser machen kann”, sagt er entschlossen. Er habe deutlich mehr trainieren können, als im vergangenen Winter, war zwei Wochen eher ins Training eingestiegen und freut sich auf die Rennen.

 

In den Ardennen ein Rolle spielen

Simon Geschke ist kein lauter Typ. Dennoch hat er klare Ziele, vor allem für das Frühjahr. “Ich will eine große Rolle spielen, ob als Helfer oder selbst”, sagt Geschke mit Blick auf die Ardennen-Klassiker. Doch im Team Sunweb ist für eigene Ambitionen nur wenig Platz. “Warren (Barguil) liegen Fleche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich sicher mehr als mir. Wenn er fit ist, werde ich dort in die Helferrolle schlüpfen und ihn unterstützen”, sagt Geschke. Beim Amstel Gold Race, ein Rennen dass auch Geschke liegt, ist Neuzugang Michel Matthews als Kapitän gesetzt. “Da werde ich natürlich weniger Freiheiten haben”, räumt Geschke ein, betont aber, dass ihm die Klassiker wichtig sind.

Aber auch als Joker kann er sowohl sich selbst in Szene setzen, als auch den Kapitän unterstützen. Matthews ist extrem endschnell und die Konkurrenz wird ihm das Leben schwer machen wollen. Da kann ein Mann wie Geschke in Fluchtgruppen mehr als eine Option sein.

 

 Gefragter Mann – Simon Geschke bei der Tour 2016 im ARD-Interview (Foto: Roth&Roth)

 

Giro und Tour

“Ich will am liebsten beide fahren”, erklärt Geschke mit Blick auf Giro d’Italia und Tour de France. Den Grand Depart in Düsseldorf will sicher jeder deutsche Radsportler gern mitnehmen, aber die Italienrundfahrt ist Geschke besonders wichtig. “Ich mag den Giro sehr”, sagt er. 2015 hatte er auch beide Rundfahrten bestritten. “Tom Dumoulin will beim Giro aufs Klassement fahren und es ist klar, dass wir dem alles unterordnen”, sagt Geschke. “Das Team will sich mehr in Richtung Gesamtklassement entwicklen und wir haben auch richtig starke Fahrer. Mit Warren, Tom, Wilco (Keldermann), Laurens (ten Dam), Georg Preidler und auch mir haben wir auch für die Berge starke Leute”. 

Geschke hofft natürlich bei den Rundfahrten erneut seine Freiheiten zu bekommen und dann aus einer Fluchtgruppe ein gutes Ergebnis einzufahren. Ein konkretes Rennen oder eine spezielle Etappe hat er sich aber noch nicht ausgesucht. 

Los geht die Saison in Australien, wo er schon mal eine gute Leistung zeigen will, auch wenn er dort nicht in Top-Form startet. Über Paris-Nizza führt dann der Weg zu den Klassikern.