Wind, Regen, Pflaster

Es ist der erste Klassiker der Saison und wird mit Spannung erwartet. Hier testen die Spezialisten ihre Form und bekommen eine erste Standortbestimmung. Da die meisten der ganz großen Namen ihren Saisonhöhepunkt bei der Ronde van Vlaanderen und Paris-Roubaix haben, bietet das Rennen bislang weniger bekannten Fahrern die Möglichkeit, ins Rampenlicht vorzustoßen. Wie etwa Sep Vanmarcke, der vor seinem Sieg beim Omloop 2012, als er Tom Boonen im Sprint besiegte, nur den absoluten Experten bekannt war. 

Profil Omloop Het Nieuwsblad 2017

Die Strecke

Exakt 198 Kilometer ist das Rennen lang, führt über 13 Hellinge und 10 Pflasterstücken. Das ist definitiv kein Parcours zum lockeren Einrollen. Dazu ist das Wetter Ende Februar typisch belgisch: windig, kalt, vielleicht auch nass, wie es sich für den Frühjahrsklassiker-Auftakt eben gehört.

Start und Ziel sind in Gent. Die ersten 50 km führt der Parcours gen Südosten, in Richtung flämische Ardennen. Nach 51 Rennkilometern geht es über die erste Pflasterpassage – Haaghoek. Dieser Pave-Klassiker wird insgesamt drei Mal gefahren. Die erste Helling-Schleife führt über Leberg, Berendries, Tenbosse und Eikenmolen zur Muur von Geraardsbergen. 

Anschließend geht es über Brakel, den Valkenberg und erneut Haaghoek zur zweiten, südlichen Helling-Schleife. Nach Kaperij und Kruisberg geht es über den Taaienberg (knapp 60 km vor Ziel), an dem im vergangenen Jahr die entscheidende Attacke gefahren wurde.

Nach Eikenberg, Wolvenberg und drei Pflasterstücken innerhalb von gut 10 Kilometern dürfte hier bereits ordentlich ausgesiebt worden sein. Es folgt die zweite Passage des Leberg und schließlich der Molenberg, gut 35 Kilometer vor dem Ziel. Danach geht es zurück Richtung Gent, jedoch warten noch einmal drei Pflasterstücken auf die Fahrer. Die Zielgerade ist leicht ansteigend.

Die Strecke des Omloop Het Nieuwsblad 2017

 

Die Hellinge:
1. Leberg (143,9 km bis Ziel)
2. Berendries (139,8 km bis Ziel)
3. Tenbosse (134,9 km bis Ziel)
4. Eikenmolen (129,4 km bis Ziel)
5. Muur – Kapelmuur (117,6 km bis Ziel)
6. Valkenberg (99,9 km bis Ziel)
7. Kaperij (81,3 km bis Ziel)
8. Kruisberg (69,4 km bis Ziel)
9. Taaienberg (59,7 km bis Ziel)
10. Eikenberg (54,4 km bis Ziel)
11. Wolvenberg (51,3 km bis Ziel)
12. Leberg (40,9 km bis Ziel)
13. Molenberg (35,4 km bis Ziel)

Die Pflasterstücke:
1. Haaghoek (146,9 km bis Ziel)
2. Haaghoek (91,1 km bis Ziel)
3. Donderij (64,7 km bis Ziel)
4. Ruiterstraat (51,2 km bis Ziel)
5. Karel Martelstraat (49,9 km bis Ziel)
6. Holleweg (48,5 km bis Ziel)
7. Haaghoek (43,9 km bis Ziel)
8. Paddestraat (30,5 km bis Ziel)
9. Lippenhovestraat (27,8 km bis Ziel)
10. Lange Munte (20,8 km bis Ziel)

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Die Favoriten

Der Omloop ist der erste Klassiker der Saison und es fällt selbst den Fahrern schwer, den Leistungsstand im Vergleich zur Konkurrenz beurteilen zu können. Bei solch einem schweren Klassiker sind normalerweise die üblichen Verdächtigen vorn zu erwarten. Doch geht man die Liste durch, darf man hinter eine ganze Reihe der Stars ein Fragezeichen machen.

Weltmeister Peter Sagan kommt direkt aus einem Höhentrainingslager und weiß selbst nicht genau, wofür die Form nach einem Monat ohne Rennen reicht. Vorjahressieger Greg van Avermaet (BMC) hatte sich im November den Knöchel gebrochen und dadurch die Vorbereitung auf die Klassiker verspätet begonnen. Zwar scheint der Belgier bereits wieder gut drauf zu sein, doch ob es schon für den Sieg reicht, bleibt abzuwarten. 

Luke Rowe (Sky) sorgte im vergangenen Jahr für die Vorentscheidung und bildet mit Ian Stannard die Doppelspitze. Beide kommen jedoch nach einer längeren Rennpause zum Omloop. Ganz anders sieht das bei Tiesj Benoot (Lotto-Soudal) aus. Der 22-Jährige scheint in bestechender Verfassung zu sein. Bei der Algarve-Rundfahrt wurde er bei der steilen Ankunft in Malhão Dritter. Benoot ist eines der größten belgischen Klassikertalente und könnte beim Omloop erneut ganz weit vorn landen. Da Benoot jedoch nicht sonderlich endschnell ist, müsste er versuchen allein anzukommen. Das ist bei diesem Finale nicht ganz einfach, vor allem wenn die Konkurrenz ihn nicht aus den Augen lässt.

Das Quick-Step-Team hat mit Terpstra, Boonen, Stybar, Trentin und Gilbert gleich mehrere Top-Fahrer am Start. Tom Boonen hat das Rennen nie gewonnen und würde gern ein Häkchen an den Omloop machen, doch sein großes Ziel heißt Roubaix, deshalb wird er es beim Omloop nicht erzwingen. Vielleicht will auch Philippe Gilbert gleich mal ein Zeichen setzen. Er ist neu im Team und hat das Rennen bereits gewonnen. Auch er hat wie viele andere Fahrer bislang nur wenige Rennen bestritten, doch mit seiner Erfahrung weiß er genau, wie man sich vorbereitet.

Auch beim Team Cannondale-Drapac hat man mehrere Eisen im Feuer. Klassikerkapitän und Heimkehrer Sep Vanmarcke sagt zwar, dass er “noch nicht auf einem Top-Level” ist, doch das betrifft wohl nahezu die gesamte Konkurrenz. Dazu hat man Taylor Phinney, Dylan van Baarle und Sebastian Langeveld als Joker dabei.

Einer der Top-Favoriten ist wohl Jasper Stuyven (Trek-Segafredo). Der Belgier hat eine gute Form und ist ein Riesentalent. Dazu hat man mit Edward Theuns noch einen endschnellen zweiten Kapitän dabei. So könnte Stuyven in einer Gruppe (vielleicht nach dem Taaienberg) mitgehen und Theuns wäre die Karte für den Sprint. 

Auch Astana (Matti Breschel, Michael Valgren) und Orica-Scott (Jens Keukeleire, Magnus Cort Nielsen, haben eine starke Mannschaft am Start. 

Gespannt sind wir auf Katusha-Alpecin, das mit Alexander Kristoff und Klassikertalent Jenthe Biermans am Start steht. Auch Helfer Nils Politt ist dabei und Tony Martin startet ebenfalls in seinen Klassikersaison.

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Auch wenn den endschnellen Männern Kuurne-Brüssel-Kuurne am Folgetag mehr liegt, sollte man Fahrer wie Arnaud Demare (FDJ) und Dylan Groenewegen (LottoNL-Jumbo) nicht aus den Augen lassen. Wir freuen uns auch auf die jungen Fahrer Alex Kirsch & Lukas Spengler (beide WB Veranclassic Aqua Protect) und Mike Teunissen (Sunweb). Auch bei den beiden Klassikertalenten Florian Sénéchal und Christophe Laporte vom Team Cofidis werden wir genau hinschauen.

 

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**** Tiesj Benoot, Greg van Avermaet
*** Sep Vanmarcke, Jasper Stuyven, Luke Rowe, Philippe Gilbert, Sebastian Langeveld, Lars Boom
** Tom Boonen, Peter Sagan, Ian Stannard, Magnus Cort Nielsen
* Arnaud Démare, Alexander Kristoff

Die Startliste findet ihr hier

Start: 11:35 Uhr
Ziel: ca. 16:40 Uhr

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