Während bei der ersten Bergankunft der Wind eine große Rolle spielte und die Favoriten sich bis auf einen kleinen Test von Vincenzo Nibali lediglich belauerten, wird am Sonntag mehr Action erwartet. Der Schlussanstieg ist lang und schwer, er bietet gute Möglichkeiten anzugreifen. Zudem folgt am Montag ein Ruhetag, sodass man voll auf Angriff fahren kann. Die Profis haben nun bereits acht Renntage in den Beinen und die Klassementfahrer wollen die Konkurrenz mehr als nur testen. 

Die Konstellation im Gesamtklassement verspricht ein spannendes Rennen. Denn die Top-Favoriten liegen nur wenige Sekunden auseinander. Zudem wird es beim Giro noch zwei Zeitfahren geben, sodass die Kletterer einen Vorsprung brauchen. Dennoch weiß keiner der Favoriten, wo er im Vergleich zur Konkurrenz steht.

 

Die Strecke

Lange Anfahrt, derbes Finale – so ließe sich diese Etappe zusammenfassen. Die ersten 120 Kilometer sind flach, bzw. leicht wellig. Vom Start in Montenero di Bisaccia geht es zur Küste und dann immer am Meer entlang gen Nordwesten. In Francavilla al Mare, bei Rennkilometer 97, geht es links ab nach Chieti und dann zum Fuße des Schlussanstiegs. Der Schlussanstieg ist mit 13,6 Kilometer angegeben, doch bereits zuvor geht es bergan. Denn schon von Scafa nach Roccamorice müssen 400 Höhenmeter überwunden werden.

Das Profil der 9. Etappe des Giro d’Italia 2017

 

Der Schlussanstieg

Der Anstieg zum Blockhaus, dessen Name er einer alten Militäreinrichtung verdankt, die im 19. Jahrhundert auf dem Gipfel errichtet wurde, ist steil und schwer. 8,4 % geht es die 13.6 Kilometer im Schnitt bergan, an der steilsten Stelle sind es 14%. Einige Fahrer sprachen vom schwersten Anstieg dieses Giro. Auch wenn in den Dolomiten noch deutlich schwerere Etappen folgen, dieser Anstieg ist durchaus heftig. Denn nachdem es die ersten vier Kilometer mit 6–7 % noch relativ moderat bergan geht, hat der Rest des Anstiegs 9,4 % Steigung, abgesehen von einer kurzen Flachpassage kurz vor dem Ziel. 

 

Profil des Schlussanstiegs der 9. Etappe des Giro2017

Es gibt drei Möglichkeiten zum Blockhaus zu gelangen, die Auffahrt von Roccamorice dürfte die schwerste sein. Sie ist unregelmäßig, steil und das Gelände ist offen.

Anstieg zum Blockhaus: Karte und Steigungsprozente der Schlusssteigung der 9. Etappe des Giro 2017

 

Knapp drei Kilometer vor dem Gipfel befindet sich die steilste Stelle. Hier ist sicher eine gute Gelegenheit für einen Angriff – wenn sich nicht bereits zuvor ein Fahrer lösen konnte. Etwa 500 Meter vor dem Ziel geht es kurz leicht bergab, ehe es an der 250-Meter-Marke rechts weg und dann bergan zum Ziel geht.  

Profil der letzten Kilometer der 9. Etappe des Giro 2017

 

Die Favoriten

Es ist gut möglich, dass wir auf dieser Etappe zwei Rennen in einem erleben. Sollte es eine Ausreißergruppe mit im Gesamtklassement weit zurückliegenden Fahrern geben, könnte diese durchkommen. Denn bei dieser schweren Bergankunft geht es den Favoriten hauptsächlich um den Kampf um Rosa. Es gibt schon einige gute Kletterer, die in der Gesamtwertung weit zurückliegen. So zum Beispiel Igor Anton, Joe Dombrowski oder Daniel Teklehaimanot. Auch die WildCard-Teams wollen natürlich wieder in der Spitzengruppe vertreten sein. Foliforov und Firsanov vom Team Gazprom-Rusvelo haben ebenfalls schon viel Rückstand in der Gesamtwertung und wären für Rosa keine Gefahr. Bei Wilier-Trestina könnte der junge Spanier Julen Amezqueta sein Glück versuchen.

Die Klassementfahrer schauen nur auf sich und müssen am Schlussanstieg die Karten aufdecken. Gerade für Fahrer wie Nairo Quintana wäre es wichtig, Zeit auf die guten Zeitfahrer, wie Tom Dumoulin, Geraint Thomas und Thibaut Pinot, herauszufahren. Keiner der großen Favoriten weiß, wie das Kräfteverhältnis am Berg ist. Quintana wird vielleicht erst in der dritten Woche seinen Formhöhepunkt haben und Vincenzo Nibali wird erfahrungsgemäß auch gegen Ende der Rundfahrt eher stärker. So sorgen heute vielleicht Fahrer wie Zakarin, Mollema und Kruijswijk für die Akzente. Am Ende werden die Beine entscheiden. Nach dieser Etappe wird die Favoritenrolle definitiv klarer verteilt sein.

 

***** Nairo Quintana, Thibaut Pinot
**** Steven Kruijswijk, Mikel Landa, Adam Yates, Vincenzo Nibali
*** Tom Dumoulin, Domenico Pozzovivo, Bauke Mollema, Geraint Thomas
** Andrey Amador,  Ilnur Zakarin, Rui Costa, Pierre Rolland, Tejay van Garderen
* Aleksandr Foliforov, Jan Polanc, Davide Formolo, Joe Dombrowski, Pierre Rolland 

 

Start: 13:10 Uhr
Ziel: ~17:15 Uhr

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