Das Profil der 10. Etappe des Giro d'Italia 2017

Nach dem Spektakel am Blockhaus und dem Ruhetag kämpft nun jeder der Favoriten allein. Das Einzelzeitfahren ist enorm wichtig, denn es entscheidet über die weitere Taktik für den Kampf auf den Gesamtsieg. Mit 39,8 Kilometern ist es ein langes Zeitfahren, bei dem es durchaus große Abstände geben kann. Die starken Bergfahrer fürchten diese Disziplin. Nairo Quintana rechnet wohl damit, das Rosa Trikot wieder abgeben zu müssen, will den Rückstand aber so klein wie möglich halten. Die starken Zeitfahrer, allen voran Tom Dumoulin, wollen einen Vorsprung in die Berge mitnehmen. Für das Zuschauen ist es kein besonders spannender Wettbewerb, für den Kampf um den Girosieg jedoch ein sehr wichtiger Tag.

 

Die Strecke

Der Kurs ist etwas für die Zeitfahrspezialisten. Die Strecke ist technisch nicht besonders anspruchsvoll, es ist auch kein schwerer Berg zu bewältigen. Doch es gibt einige Passagen, in denen man auf leicht ansteigendem Terrain einen großen Gang mit viel Kraft bewegen muss, um schnell voran zu kommen. 

Nach wenigen Kurven haben die Fahrer den Startort Foligno verlassen und es geht über eine lange Gerade nach Bevagna, dort wird die erste Zwischenzeit genommen – nach 9,8 Kilometern. Kurz darauf geht es bergan. Nicht supersteil, aber immer mit 3–4%. Hier ist ein guter Rhythmus enorm wichtig. Zur zweiten Zwischenzeit, nach 28,2 Kilometern in Bastardo, geht es mit einigen engen Kurven bergab. 

Die Strecke der 10. Etappe des 100. Giro d’Italia

 

Auf den letzten 10 Kilometern zum Ziel sind die Kraftreserven entscheidend. Es geht zunächst bergan, dann folgt eine kurze Abfahrt und die letzten fünfeinhalb Kilometer steigen leicht (~2%) an. Wer zu früh seine Kräfte verpulvert hat, kann hier noch einmal ordentlich Zeit einbüßen. 

Profil der letzten Kilometer der 10. Etappe des 100. Giro

 

Auch wenn es kurz vor dem Ziel noch einmal zwei enge Kurven gibt, dürfte die Strecke keinen Fahrer in Angst und Schrecken versetzen.    

Die Anfahrt zum Ziel der 10. Etappe des 100. Giro

 

Die Favoriten

Schaut man das Starterfeld des Giro an, wird sofort deutlich, dass kaum Zeitfahrspezialisten dabei sind. Nimmt man die Ergebnisliste der vergangenen WM, sind nach dem Ausscheiden von Rohan Dennis von den Top15 nur Vasil Kiryienka, Bob Jungels, Jos van Emden und Tom Dumoulin dabei. Das sind wohl auch die Top-Favoriten. Bei Kiryienka stellt sich die Frage nach der Teamtaktik. Der Weißrusse ist als reiner Helfer für Mikel Landa und Geraint Thomas ins Rennen gegangen, dürfte aber nun sicher freie Fahrt bekommen. Denn beide Kapitäne sind nach dem Sturz vom Sonntag im Gesamtklassement weit zurück. Der Parcours dürfte dem Kraftpaket Kiryienka sicher liegen. 

Im Kampf um Rosa hat das Zeitfahren eine enorme Bedeutung. Bei Tom Dumoulin muss man abwarten, ob er noch die Stärke aus dem Vorjahr hat, als er sowohl beim Giro, als auch bei der Tour ein Einzelzeitfahren gewonnen hat. Denn Dumoulin hat viel an seinen Kletterqualitäten gearbeitet, was sich ganz offenbar deutlich bemerkbar macht. Doch vielleicht hat er dadurch auch etwas an Power eingebüßt. Dennoch könnte er am Dienstag Rosa übernehmen.

Bob Jungels macht ebenfalls einen starken Eindruck. Ihm ist durchaus ebenfalls eine super Zeit zuzutrauen und so kann er näher an die Top3 heranrücken. Gespannt darf man auch auf den Auftritt von Vincenzo Nibali sein. Der Titelverteidiger zählte in den Nachwuchsklassen zur absoluten Weltspitze im Zeitfahren. Er hat sich zwar später vor allem in Sachen Kletterqualitäten weiterentwickelt, ist aber im Kampf gegen die Uhr immer noch stark. Auch Thibaut Pinot hat sich in den vergangenen Jahren im Zeitfahren enorm entwickelt und ist in bestechender Form. Für Nairo Quintana geht es dagegen darum, den Zeitverlust in Grenzen zu halten. Gespannt darf man auch auf Bauke Mollema sein. 

 

***** Tom Dumoulin, Vasil Kiryienka
**** Bob Jungels, Thibaut Pinot, Jos van Emden
*** Vincenzo Nibali,  Geraint Thomas, Luis Leon Sanchez, Tejay van Garderen
** Marcin Bialoblocki, Jan Barta, Ilnur Zakarin, Victor Campanaerts, Andrey Amador
* Adam Yates, Lukas Pöstlberger, Tobias Ludvigsson, Steven Kruijswijk

 

Start des ersten Fahrers: 12:45 Uhr
Zieleinlauf des letzten Fahrers: ~17:15 Uhr

Die Startzeiten findet ihr hier

 

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