Viele Fahrer im Peloton werden die Gegend vom “Rennen der fallenden Blätter” gut kennen. Es geht von Valdengno 199 Kilometer durch die Lombardei nach Bergamo. Der Parcours der 15. Etappe führt zunächst nicht direkt über die anspruchsvollen Strecken der Lombardei-Rundfahrt, sondern südlich von Varese und entlang des Comer Sees über flache Straßen.

Nur das Finale ist anspruchsvoll und führt die letzten 50 Kilometer, mit dem giftigen Anstieg in Bergamo und der Abfahrt zum Ziel, über die Strecke der Lombardei-Rundfahrt 2016. Nach der Bergankunft in Oropa, als Tom Dumoulin seine Favoritenrolle zementierte, haben am Sonntag Ausreißer gute Chancen auf den Etappensieg. Doch auch wenn beim kniffligen Finale keine Minutenabstände zwischen den Favoriten zustande kommen werden, sollte sich Dumoulin auf Angriffe gefasst machen, denn die letzten 50 Kilometer sind anspruchsvoll und die Konkurrenz könnte ihn testen.

 

Die Strecke

Karte der 15. Etappe des 100. Giro ‘dItalia

 

Die Strecke führt den ganzen Tag gen Westen. Die ersten 149 Kilometer sind flach und bieten der Ausreißergruppe gute Chancen einen großen Vorsprung herauszufahren. In Zogno beginnt das Finale der Etappe. Zunächst geht es über den 8,7 km langen Miragolo San Salvatore. Nach einer kurzen Abfahrt folgt direkt der Anstieg nach Selvino – beides keine furchteinflößenden Rampen, aber durchaus eine Gelegenheit die Konkurrenz zu testen. 

 

Profil der beiden Anstiege der 15. Etappe des 100. Giro

 

Nach dem Selvino folgt eine 12 Kilometer lange Abfahrt und ein rund 12 Kilometer langes Flachstück, ehe es zur 12% Rampe auf Kopfsteinpflaster kurz vor dem Ziel geht. 

Die letzten Kilometer der 15. Etappe des Giro 2017
Die Anfahrt zum Ziel der 15. Etappe des Giro 2017

 

Die Favoriten

Durch die lange flache Anfahrt zum Finale haben Ausreißer gute Chancen durchzukommen. Für die Gruppe kommen wie immer viele Fahrer in Frage, aber mit dem schweren Finale sind die kletterstarken Fahrer in der Favoritenrolle. Omar Fraile, Rui Costa, Nicola Boem, Luis Leon Sanchez, Maxime Monfort, Michael Woods, Carlos Verona oder auch Gregor Mühlberger sind heiße Kandidaten. Dazu hat Diego Rosa mit dem Finale in Bergamo noch eine Rechnung offen, weil er sich bei der Lombardei-Rundfahrt 2016 im Finale gegen die Anweisungen seines Teamchefs für die späte Attacke entschied und das Rennen so verlor. Nun ist er von Astana zu Sky gewechselt, ist top motiviert und möchte gern ein fettes Ausrufezeichen setzen. 

Gut möglich, dass auch Giovanni Visconti mit einer Doppelrolle in die Fluchtgruppe geschickt wird. Sollte Nibali im Finale attackieren, könnte er warten und den Hai unterstützen. Wenn nicht, kann er auf diesem Terrain auf eigene Rechnung fahren und ist mit seinen Fähigkeiten einer der Favoriten aus einer kleineren Gruppe.

Ähnlich könnte auch das Sunweb-Team taktieren. Simon Geschke oder Georg Preidler könnten in der Gruppe mitrollen, um im Finale eventuelle Helferdienste zu übernehmen. Bekommen sie dann freie Fahrt, ist bei diesem Finale durchaus was zu holen. Doch wenn solche Fahrer in der Spitzengruppe den ganzen Tag nur “hinten draufliegen”, wird das nicht gut für die Harmonie der Gruppe sein.

Was den Kampf der Favoriten betrifft, ist es schon möglich, dass Vincenzo Nibali oder Thibaut Pinot etwas probieren. Der erste Anstieg ist kurz vor dem Gipfel steil genug für eine Attacke und die Abfahrt kennt Nibali sicher gut. Riesenabstände wird es nicht geben, selbst wenn Lücken reißen, aber vor dem Ruhetag wäre es gut für die Moral der Herausforderer, wenn sie Tom Dumoulin wenigstens für einen kleinen Moment in Schwierigkeiten bringen könnten.

 

***** – 
**** Diego Rosa, Giovanni Visconti, Michel Woods
*** Davide Villella, LL Sanchez, Rui Costa
** Omar Fraile, Mikel Landa, Valerio Conti, Ben Hermans
* Enrico Battaglin, Laurens De Plus, Thibaut Pinot, Vincenzo Nibali

 

Start: 12:10 Uhr
Ziel: ~17:15 Uhr

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