Das Profil der 16. Etappe des Giro d'Italia 2017

Mit der 16. Etappe beginnt der Giro erst so richtig. Es stehen harte Tage vor den Fahrern und die starken Kletterer werden alles daran setzen, Tom Dumoulin abzuhängen. Bislang gab es zwar schon einige Bergankünfte und mittelschwere Etappen, aber mit dem, was das Peloton am Dienstag bewältigen muss, hatte das wenig gemeinsam. Diese 16. Etappe ist 222 Kilometer lang und führt über drei schwere Anstiege. Zudem geht es über das Dach dieses Giro, wo es an der Cima Coppi am Gipfel des Stelvio in 2758 Metern Höhe sehr viele Bergpunkte zu erobern gibt. Da am Mortirolo zu Ehren von Michele Scarponi für den Sieger des Bergpreises ebenfalls doppelte Punkte vergeben werden, ist diese Etappe auch für den Kampf ums Bergtrikot sehr wichtig. Das macht die Ausreißergruppe des Tages natürlich für viele Fahrer sehr interessant.

Nach der bislang souveränen und sehr beeindruckenden Fahrt von Tom Dumoulin werden die Kletterkünstler ihn jetzt im Hochgebirge testen – Attacken garantiert, Ausgang ungewiss.   

 

Die Strecke

Karte der 16. Etappe des 100. Giro

Nach dem Start in Rovetta geht es nach einer 10 Kilometer langen Abfahrt rund 60 Kilometer flach zum Fuße des Mortirolo. Auch wenn er von der leichteren Südseite gefahren wird, ist es ein schwerer Anstieg. 12,6 Kilometer lang und im Schnitt 7,6% geht es bergan, vor allem die letzten Kilometer sind steil. Auch die Abfahrt ist gefährlich. Sie ist technisch anspruchsvoll und steil

Das Profil des Mortirolo

Nach der Abfahrt vom Mortirolo geht es zum Zielort nach Bormio. Von dort aus folgt eine 100 Kilometer lange Schleife, in der zwei Mal der legendäre Stelvio erklommen wird. Zunächst geht es über 21,7 Kilometer & mit durchschnittlich 7,2% bis zum Gipfel in 2758 Metern Höhe. Es folgt die lange, technisch anspruchsvolle Abfahrt nach Prato allo Stelvio, von dort geht es anschließend über die Grenze in die Schweiz. 

 

Profil des Stelvio von Bormio aus

Dann beginnt die Kletterei erneut. Über den Umbrail Pass im Westen wird der gleiche Berg erneut erklommen. Der Gipfel des Umbrail ist etwas mehr als drei Kilometer unterhalb des Gipfels des Stelvio erreicht. Hier darf man wohl mit besonders vielen Zuschauern rechnen, denn sie können die Fahrer zwei Mal am Anstieg sehen. Anschließend geht es bergab nach Bormio ins Ziel. Der Umbrail Pass ist mit 13,5 % und 8,4% Steigung noch einmal ein echter Brocken.

Profil des Umbrail

 

Die Abfahrt vom Umbrail kennen die Fahrer von der Auffahrt und die Anfahrt zum Ziel dürfte kein großes Problem darstellen, da vermutlich sowieso nur kleine Gruppen mit Vollgas ankommen werden.

Die Anfahrt zum Ziel der 16. Etappe des 100. Giro

 

Die Favoriten

Da man auf dieser Etappe in Sachen Bergpunkte fette Beute machen kann, sind die Plätze in der Ausreißergruppe sehr begehrt. Doch die ersten Kilometer der Etappen kommen den reinen Bergfahrern eher nicht entgegen. Vielleicht will ein Team das Rennen in der ersten Stunde kontrollieren wollen, um ihren Fahrer in die Gruppe zu bringen, doch das ist sehr schwer. Das Cannondale-Drapac-Team könnte es mit Pierre Rolland durchaus auf die Bergprämien abgesehen haben. Aber da kommen noch einige weitere Fahrer in Frage. Jan Polanc, Omar Fraile, Igor Anton, … es sind einige starke Kletterer im Gesamtklassement weit zurück und könnten hier ihre Chance sehen.

Im Kampf um Rosa darf man einen harten Kampf erwarten. Das stark besetzte Movistar-Team will Tom Dumoulin unter Druck setzten und heute auf jeden Fall zum Großangriff blasen. Vielleicht gelingt es einen, oder sogar mehrere Fahrer in Fluchtgruppe zu platzieren. Dann würde es sehr bedrohlich für Dumoulin und das Sunweb-Team. Sollte etwa Anacona vorn drin sein und als Satellitenstation dienen können, würde man vielleicht schon am Mortirolo am Gasgriff drehen und versuchen Dumoulin zu isolieren. Dann hätte dieser bei einer Attacke am Stelvio keine Hilfe und stünde vor großen Problemen. Doch dieses Szenario hat man beim deutschen Team mit niederländischem Kern natürlich auch auf dem Zettel. Vielleicht versucht man wieder Laurens Ten Dam mit in die Gruppe zu senden. Doch das Terrain zu Beginn ist eher nichts für ihn. So könnte Simon Geschke in die Rolle des Satelliten schlüpfen.  
Doch neben Movistar gibt es eben noch weitere Teams und Kapitäne, die auch ihren Plan umsetzten wollen. Und ein Fahrer wie Mikel Landa, der im Gesamtklassement keine Rolle mehr spielt, hat es vor allem auf den Etappensieg abgesehen und wäre vielleicht zu eine Allianz bereit, wäre der Tagessieg sicher.
Ein spannendes Rennen ist garantiert. Spätestens am Umbrail wird es einen offenen Schlagabtausch geben.  

 

*****
**** Nairo Quintana, Thibaut Pinot
***  Adam Yates, Vincenzo Nibali, Bauke Mollema, Mikel Landa
** Tom Dumoulin, Domenico Pozzovivo, Steven Kruijswijk
* Andrey Amador,  Ilnur Zakarin, Rui Costa, Pierre Rolland, Dario Cataldo, Igor Anton

Start: 10:40 Uhr

Ziel: ~17:12 Uhr

 

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