Das Profil der 21. Etappe des Giro d'Italia 2017

Dieser 100. Giro d’Italia könnte spannender kaum sein. Die großen Favoriten haben sich während der letzten Giro-Woche einen erbitterten Kampf geliefert. Alle Kraftreserven wurden aufgebraucht, niemand hat sich geschont. Es wurde angegriffen, wo immer sich eine Möglichkeit bot. Bergauf und bergab. Es wurde taktiert und kooperiert. Dennoch sind die Abstände im Gesamtklassement gering. Nur 90 Sekunden trennen den Sechstplatzierten vom Rosa Trikot. 

Das Abschlusszeitfahren wird zum großen Spektakel, genau wie es diese Rundfahrt zum Jubiläum verdient hat. Eine Prognose über den Ausgang zu wagen fällt schwer. Nach drei harten Wochen spielen die Kraftreserven einen größerer Rolle, als die reine Zeitfahrleistung. Tom Dumoulin ist der große Favorit, denn er ist der beste Zeitfahrer im Peloton. Doch er liegt 53 Sekunden hinter Quintana im Gesamtklassement zurück. Vor Tagen hatte man ausgerechnet, dass der Kolumbianer wohl eine Minute Vorsprung auf Dumoulin bräuchte, um den Sieg einzufahren. Zu dieser Minute fehlen ganze sieben Sekunden. Es wird ein Herzschlagfinale, in dem man nicht nur auf Dumoulin und Quintana achten sollte.

 

Die Strecke

Die Karte der 21. Etappe des 100. Giro

Der Parcours ist flach und auch technisch wenig anspruchsvoll. Genau genommen geht die Strecke sogar leicht bergab. Es ist ein Zeitfahren, dass den Spezialisten liegen dürfte. Große Gänge, aerodynamische Position, wenig enge Kurven – so, wie es sich Tom Dumoulin wohl auch wünschen würde. Doch erst am Zielstrich ist dieses Rennen beendet. Auf den letzten Metern ist noch einmal Vorsicht geboten, denn es gibt ein paar Kurven zu absolvieren. 

Die letzten Kilometer der 21. Etappe des 100. Giro

 

Die Favoriten

Die Ausgangslage:
1. Nairo Quintana
2. Vincenzo Niblai +0:39
3. Thibaut Pinot +0:43
4. Tom Dumoulin +0:53
5. Ilnur Zakarin +1:15
6. Domenico Pozzovivo +1:30

Für das abschließende Zeitfahren eine Prognose abzugeben fällt schwer. Alle Fahrer sind erschöpft. So kann man kaum von anderen Zeitfahrergebnissen auf den Ausgang dieses Giro schließen. Tom Dumoulin ist und bleibt der Favorit. Er hat Selbstvertrauen, eine gute Aerodynamik und gehört ohnehin zur Weltspitze im Kampf gegen die Uhr. Sollte alles „normal“ laufen, dürfte er die 53 Sekunden auf Quintana gutmachen. Vielleicht könnte ihm Thibaut Pinot am ehesten gefährlich werden. Denn der Franzose scheint die größten Kraftreserven zu haben und hat sich im vergangenen Jahr im Zeitfahren stark verbessert. Pinot hat zudem durch den Etappensieg am Samstag Selbstvertrauen getankt und kann eigentlich nur gewinnen. Sein Polster von 10 Sekunden auf Dumoulin ist jedoch sehr klein. Dennoch sollte es zu einer Podium-Platzierung reichen.

Schlechte Karten auf einen Platz auf dem Treppchen hat der Titelverteidiger Vincenzo Nibali. Er müsste 40 Sekunden auf Quintana gutmachen, oder Dumoulin und Pinot in Schach halten. Das ist mehr als eine schwere Aufgabe. Die große Unbekannte ist Ilnur Zakarin. Der Russe machte von allen Fahrern in den letzten Tagen den stärksten Eindruck. Zakarin ist ein schlechter Abfahrer und auch kein guter Taktiker. Doch am letzten Tag des Giro sind andere Qualitäten gefragt. Zakarin kann kämpfen bis zum Umfallen und ist ein passabler Zeitfahrer. Auch wenn frühere Zeitfahr-Glanzleistungen von Zakarin, wie bei der Tour de Romandie 2015, durch seine Dopingvergangenheit schnell kritisch betrachtet werden, hat er seine Qualitäten im Kampf gegen die Uhr mehrfach und kontinuierlich unter Beweis gestellt. Auch die 1:15 min auf Quintana sind nicht unerreichbar.

Nur nach hinten schaut indes Domenico Pozzovivo. Der kleine Italiener fährt einen herausragenden Giro und hätte sich eine Rundfahrt ohne Einzelzeitfahren gewünscht. Satte 3:07 Minuten hat er im ersten Zeitfahren auf Dumoulin eingebüßt. Gelingt ihm eine solide Leistung zum Anschluss, wird er seinen sechsten Platz behaupten.

Es bliebt zu hoffen, dass alle Fahrer ohne Defekt und Sturz durchkommen, denn dieser Giro hätte ein sportlich faires Ende mehr als verdient.

 

*** Tom Dumoulin
** Bon Jungels, Thibaut Pinot 
* Vincenzo Nibali, Tejay van Garderen, Ilnur Zakarin, LL Sanchez, Vasil Kiryienka, Jos van Emden

 

Die Startzeiten findet ihr hier

Start: 13:10 Uhr
Ziel: ~17:10 Uhr

 

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