Peter ist bereit

Trockener Antritt, Mega-Riecher für die Lücke und absolute Tour-Form – Peter Sagan ist bereit für das nächste Grüne Trikot. Zwei Etappen gewann der Weltmeister in der Schweiz und vor allem die Art und Weise sollte ihm Selbstbewusstsein für die Tour geben. Souverän ist das passende Wort für seine zwei Sprint-Erfolge. Klar, die erste Reihe der Top-Sprinter war in der Schweiz nicht am Start, aber mit Michael Matthews und John Degenkolb hatte er durchaus endschnelle Konkurrenz. Sagan wird bei dieser Tour erneut auf fast jedem Terrain punkten können und der Sieg des SECHSTEN Grünes Trikots scheint so gut wie sicher. 

 

Feinabstimmung: Matthews und Arndt für Sunweb zur Tour

In Bern lief es beim Team Sunweb wie gewünscht. Matthews “überlebte” den Anstieg zur Zielgeraden und dann zog Nikias Arndt perfekt den Sprint an. Wie eine Trägerrakete klinkte sich Arndt 150 Meter vor dem Ziel aus und Matthews rollte zum Etappensieg. Arme breit, Jubel. Auf den Etappen mit etwas schwererem Profil wünscht man sich das genau so für die Tour de France. Doch dass es nicht immer perfekt laufen kann, wurde bei der Tour de Suisse zwei Tage später in Cevio klar. Arndt ging zwar auf dem letzten Kilometer nach vorn, aber irgendwie war Matthews nicht am Rad und am Ende jubelte Sagan. Doch mit Arndt und Matthews hat man beim Team Sunweb zwei Fahrer dabei, die endschnell und bergfest sind. Gegen Kittel und Greipel werden sie auf flachem Terrain nichts ausrichten können, aber wird es wellig, sind sie ein gutes Duo. Dabei kann Arndt enorm wichtig sein, denn es gibt kaum einen Anfahrer im Feld, der ebenso endschnell und ähnlich bergfest ist. 

 

Die Tour de Suisse sucht nach der Identität

Zum 81. Mal wurde die Schweizer Rundfahrt ausgetragen. Jeder, der sich etwas mit Radsport beschäftigt, kennt das Rennen. Doch der Stellenwert der Rundfahrt ist scheinbar gesunken. Man will die viertwichtigste Rundfahrt sein, doch davon ist die Tour de Suisse weit entfernt. Während sich noch vor ein paar Jahren die eine Hälfte der Tour-Favoriten in der Schweiz vorbereitet hat, sind die Klassementfahrer heutzutage ausschließlich beim Criterium du Dauphine. Natürlich hat Dauphine-Veranstalter ASO einen Vorteil, indem man einfach eine Etappe (in diesem Jahr über den Mont du Chat) einbaut, die dann auch bei der Tour gefahren wird, sodass die Favoriten sie im Renntempo testen können, aber irgendwie scheint es mehr zu sein, als der Standortvorteil.

Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass das halbe Feld mit dem Giro in den Beinen anreist. Es ist eine Frage der Erholung, der Motivation und der weiteren Ziele in der Saison, wie viel von der Giro-Form noch da ist. Tom Dumoulin ist früh ausgestiegen, hatte aber nach dem Giro-Sieg reichlich Terminstress statt Erholung. Bei Domenico Pozzovivo waren nach dem Etappensieg in Lu Punt am nächsten Tag die Beine schwer.

So nachvollziehbar das aus sportlicher Sicht ist, so unattraktiv ist das für die Zuschauer. Denn wenn selbst die Kommentatoren um die schwindende Form der Kapitäne den Spannungsbogen bauen, steigert das nicht die Lust aufs Rennen. Dass nicht immer der Kampf um den Gesamtsieg in den steilen Bergen die große Geschichte des Rennens sein muss, hat die kurze und spannende Etappe in Schaffhausen gezeigt. Am Ende macht es wohl die Mischung, wie immer. Mal sehen, was die Organisatoren sich im nächsten Jahr einfallen lassen.

 

Rohan Dennis wäre der Favorit für Düsseldorf

Rohan Dennis hat bei der Tour de Suisse sowohl den Prolog, als auch das Einzelzeitfahren zum Abschluss gewonnen. Der Australier scheint im Kampf gegen die Uhr mindestens so stark zu sein, wie in den vergangenen Jahren und hat sich nach seinem sturzbedingten Ausscheiden beim Giro offenbar gut erholt. Die Distanz des Zeitfahrens beim Tourauftakt dürfte ihm im Vergleich zu Tony Martin sehr gefallen. Die rund 14 Kilometer durch Düsseldorf erinnern an den Tourstart in Utrecht vor zwei Jahren, als sich Dennis das Gelbe Trikot schnappte.

Während Martin in diesem Jahr noch keinen Zeitfahrsieg einfahren konnte und in Düsseldorf sicher jede Menge Druck verspürt, kann Dennis frei auffahren. Jedoch nur, wenn er von seinem Team nominiert wird. Denn ursprünglich sollte er beim Giro auf Gesamtwertung fahren, war dann nach dem Sturz ausgefallen und bestritt die Tour de Suisse als erstes Rennen. Das BMC-Team wird bald den Tourkader bekannt geben, mal sehen ob Rohan Dennis dabei ist.

 

Aha: TV-Bilder im Tunnel

Mittels Relaisstationen war es bei der schweren Bergankunft zum Tiefenbachferner möglich, auch aus dem Tunnel TV-Bilder zu liefern. So etwas ist selten und deshalb besonders, auch wenn das Wort Relaisstation bei jeder Rundfahrt-Etappe zum festen Vokabular der Radspot-Kommentatoren gehört 😉 . Gebraucht hätte es die Extra-Meter vom Rettenbachferner durch den Berg zum Tiefenbachferner aus sportlicher Sicht nicht unbedingt, aber die Stadt Sölden bemüht sich, auch finanziell, sehr um Aufmerksamkeit. Da ist der Wunsch nach etwas Neuem, als die übliche ultraharte Bergankunft nachvollziehbar. Wir sind jetzt schon gespannt, was im nächsten Jahr geboten wird.