Andrij Grivko startet am Samstag in seine zehnte Tour de France.  Für den 33-jährigen Ukrainer, der ursprünglich aus Simferopol auf der Halbinsel Krim kommt, etwas ganz Besonderes. „Ich hätte nie gedacht, dass es so laufen wird“, erzählte der Astana-Profi nach der Teampräsentation am Donnerstag. „Als ich auf der Krim mit dem Radsport anfing, dachte ich überhaupt nicht daran, dass es mit der Radsport-Karriere klappen kann. Dann zog ich nach Mykolajiw in die Südukraine um, da sind die Hoffnungen größer geworden. Aber auch als ich bei verschiedenen Amateurteams in Italien fuhr, war ein Tour-Start wie ein ferner Traum.“

 

Aru und Fuglsang können die Tour gewinnen

Grivkos Tour-Debüt liegt bereits im Jahr 2005 zurück, seit sechs Jahren steht einer der wichtigsten Helfer von Astana fest im Tour-Aufgebot der kasachischen Mannschaft.  Und die Ziele, die Astana in diesem Jahr setzt, sind sehr groß. „Ich will nicht zu selbstbewusst klingen, aber wenn ich mir die Kommentare der meisten Favoriten angucke, lächele ich ein wenig, dass wir da nur selten vorkommen“, versichert Griwko. „Ich glaube, Aru und Fuglsang sind beide in der Verfassung, in der sie die Tour gewinnen können. Natürlich hängt es von vielen Faktoren ab, das muss ich nicht extra erklären. Fabio und Jacob haben sich jedoch seit der Dauphine noch verbessert. Das heißt wiederum, dass andere Favoriten richtig zulegen müssen.“

Doch ist der Italiener oder der Däne der „richtige“ Kapitän? „Wir sind bewusst mit zwei Kapitänen zur Tour gefahren. Es wird definitiv nicht so sein, dass Fabio oder Jacob vom Tag eins an die Nummer eins im Team ist. Wir wollen all diese Gespräche möglichst verhindern und die tatsächliche Rennform sprechen lassen“, betont Grivko. „Es ist für uns auf jeden Fall von Vorteil, dass wir in unserer Lage zwei gleichwertige Top-Leute haben. Wir wissen, dass die beiden super stark sind, die ganz großen Favoriten für Medien sind allerdings andere. Diese Karte würden wir gerne ausspielen.“

Grivkos Hauptaufgabe wird sein, mit Aru und Fuglsang vor allem bei flachen Etappen zu bleiben und sie immer in einer guten Rennsituation halten. „Es ist kein Geheimnis, dass die Rennen jedes Jahr hektischer werden. Vor allem die Sprints sind zuletzt zur Hölle geworden“, sagt der 33-Jährige. „Ich werde also meine ganze Erfahrung einsetzen, um mögliche Probleme für Fabio und Jacob aufs Geringste zu reduzieren. Das Problem ist aber natürlich auch, dass die Teams wie Sky oder BMC immer vorne sein wollen. Ich verstehe, warum sie das machen, aber während sie ihre Kapitäne in Sicherheit bringen, wächst die Gefahr für alle anderen.“ Der Ukrainer relativiert aber gleich: „Im letzten Jahr ging es schon, wir haben die gemeinsame Sprache mit Sky und BMC gefunden. Hoffentlich wird es auch diesmal so sein.“

 

Der Vorfall mit Kittel ist “erledigt”

Über das Inzident mit Marcel Kittel im Februar, für das der Ukrainer ab Mai eine 45-tägige Sperre absitzen musste, will Grivko nicht mehr sprechen: „Es ist erledigt, da habe ich nichts mehr hinzuzufügen.“ Er glaubt jedoch nicht daran, dass sein Ansehen im Feld stark gelitten hat. „So oder so, es geht weiter. In den letzten Monaten ist Michele Scarponi ums Leben gekommen und mein zweites Kind geboren. Das sind deutlich wichtigere Sachen für mich als der ganze Konflikt.“ Bei seiner zehnten Tour will Grivko auch auf die Etappenjagd gehen, denn eine Etappe bei der Frankreich-Rundfahrt hat er noch nie gewonnen. Ob es aber angesichts der großen Ambitionen von Astana überhaupt klappen kann, ist fraglich.