Marcel Kittel, der Chef der Sprints

Vier Sprints, drei Etappensiege, einmal durch einen Sturz aufgehalten. Die Ausbeute von Top-Sprinter Marcel Kittel bei dieser Tour ist beeindruckend und völlig zurecht trägt er das Grüne Trikot. Der 29-Jährige ist der stärkste Sprinter im Feld, das gesteht auch die Konkurrenz ein. Kittel ist in absoluter Topform zur Tour angereist, was man bereits durch seine Lockerheit und dem starken Auftritt beim Auftaktzeitfahren erahnen konnte.

Wie stark er wirklich ist, zeigte sich dann auf der zweiten Etappe. Das Leadout klappte bei seinem Quick-Step-Team nicht nach Wunsch, Kittel war zu weit hinten und ohne Helfer. Um in eine gute Position zu kommen, musste er im Wind außen nach vorn fahren. Dennoch reichte es am Ende zum Sieg. Nach dem Start in Deutschland und den vielen Fans an der Strecke löste sich der Druck und er wurde von den Emotionen überwältigt.
Kittels Stärke zeigt die interessante Grafik der sechsten Etappe. Arnaud Demare erreicht zwar eine höhere Maximalgeschwindigkeit, doch Kittel, der von Position 9 in den Sprint geht, kann die 70 km/h fast über 500 Meter halten. Dazu ist im Peloton wohl derzeit kein anderer Sprinter in der Lage.


 

 

Ein interessanter Streckenplan

Man muss nicht weit zurückgehen, um sich an langweilige Auftaktwochen bei der Tour de France zu erinnern. Klar, Sprinteretappen gehören zur ersten Woche der Tour, wie die Alpenpässe, doch meist bieten die Flachetappen nur für wenige Minuten Spannung, während in den Bergen über Stunden kaum Zeit bleibt, mal auf die Toilette zu gehen. Die Organisation hat bei dieser 104. Tour de France eine gute Mischung in der ersten Woche hinbekommen. Zeitfahren zum Auftakt, Sprinteretappe, Puncheure-Ankunft, Sprint und dann schon die erste Bergankunft – so die ersten Tage der Tour. Für die Zuschauer war es interessant, auch weil es Abwechslung bei den Hauptprotagonisten gab. 
Dass nun bereits die erste Woche der Tour de France mit der Königsetappe beendet wurde, hat die Fans gefesselt, aber dem Rennen die Spannung nicht genommen. Es war eine gute Mischung und die Idee der Streckenplaner dürfte voll aufgegangen sein. Auch wenn einige der Flachetappen vielleicht 40-50 Kilometer hätten kürzer sein können.

 

 

Eine lange Streichliste, mit bekannten Namen

Nach seinem schweren Sturz zum Auftakt in Düsseldorf musste Mitfavorit Alejandro Valverde die Tour bereits nach wenigen Rennkilometern aufgeben. Auch Ion Izagirre erwischte es schon am ersten Tag. Es waren die ersten prominenten Sturzopfer der Tour, weitere sollten folgen.
Der Ausschluss von Peter Sagan war wohl das am heißesten diskutierte Thema der ersten Tourwoche. Und mit Sagan verließ nicht nur einer der wenigen Superstars, sondern auch der vielseitigste Rennfahrer der Welt das Rennen. Nachdem auch Mark Cavendish nach dem “Sagan-Sturz” ausschied, verließ mit Arnaud Demare, der auf der neunten Etappe das Zeitlimit verpasste, der nächste heiße Anwärter auf Grün das Rennen. 
Nach dem bösen Sturz von Richie Porte hat es nun den nächsten Favoriten erwischt. Auch Geraint Thomas musste nach Schlüsselbeinbruch das Rennen aufgeben. So sind nur noch 181 der ursprünglich 198 Starter im Rennen. Das sind, verglichen mit den vergangenen Jahren, nicht ungewöhnlich viele Ausfälle, denn in der ersten Tourwoche geht es meist hektisch zu und es kommt zu Stürzen. Doch dass darunter so viele prominente Fahrer sind, ist ungewöhnlich. 

 

 

Viel Spannung im Kampf um Gelb

Auch wenn bereits einige Favoriten das Rennen verlassen mussten, bleibt der Kampf um Gelb spannend. Klar, schaut man in die Ergebnislisten der vergangenen Austragungen, dann sind die Abstände nach neun Etappen meist noch kleiner. Bedenkt man jedoch, dass bereits eine Bergankunft, ein Zeitfahren und die Königsetappe absolviert sind, erscheinen die Abstände in einem anderen Licht. Nur 18 Sekunden hat Froome Vorsprung auf Aru. Auch Romain Bardet und Rigoberto Uran sind weniger als eine Minute zurück. Klar, Froome bleibt der große Favorit, auch wegen des Zeitfahrens am vorletzten Tag, aber es scheint so, als sei er nicht so dominant wie in den vergangenen Jahren. Wenn man nun noch Daniel Martin zum Favoritenkreis hinzuzählt, der nur durch den Sturz von Porte Zeit einbüßte, kämpfen fünf Fahrer um den Gesamtsieg. Da nur noch zwei Bergankünfte anstehen, könnte es zur Abwechslung mal einen sehr spannenden Kampf um Gelb geben.

 

 

Der Kreis der Favoriten ist kleiner geworden, ein Fahrer überrascht

Leider muss man Rafal Majka, der nach einem Sturz auf der neunten Etappe mehr als 35 Minuten verlor, von der Favoritenliste ebenso streichen, wie Alejandro Valverde, Richie Porte und Ion Izagirre. Auch Alberto Contador scheint nicht in der Lage zu sein, um den Sieg mitzufahren. Es ehrt Contador, dass er nicht die beiden Stürze, sondern die schwachen Beine als Grund für den großen Rückstand auf der neunten Etappe angab. Mit nun mehr als fünf Minuten Rückstand dürfte sich das Thema Gelb erledigt haben. Auch Nairo Quintana musste am Mont du Chat reißen lassen und hat nun schon mehr als zwei Minuten Rückstand. Der Kolumbianer hat den Giro in den Beinen und ist derzeit nicht so stark, wie in der Vergangenheit. Es bleibt nur eine Handvoll Favoriten übrig. 

Der Top-Favorit & fünf Herausforderer

Chris Froome: starkes Team, aber am Berg nicht so überlegen | Prognose -> bleibt Topfavorit

Fabio Aru: stark und angriffslustig, aber am Mont du Chat mit Problemen | Prognose: Er braucht viel Vorsprung vor dem Zeitfahren -> Rang 4

Romain Bardet: starkes Team, gut am Berg, war am Mont du Chat kurz abgehängt | Prognose: Wird weiter angreifen -> Podium in Paris

Daniel Martin: am Berg neben Froome der Stärkste, leider mit Pech | Prognose: Im Zeitfahren wird er noch mal Zeit verlieren, Top5, aber Podium ist nicht außer Reichweite

Rigoberto Uran: beim ITT in Düsseldorf weit zurück, am Berg überraschend stark | Prognose: Bislang etwas unterm Radar, könnte Uran die große Überraschung werden -> Podium ist möglich

Nairo Quintana: am Berg nicht bei den Besten | Prognose: Dass er mit dem Giro in den Beinen nicht mit 100% Form in die Tour ging, war fast zu erwarten -> Top 5 sind dennoch drin 

 

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