Nach zwei Sprinteretappen sind am Donnerstag nun wieder die Klassementfahrer gefragt. “Wir werden versuchen das Rennen zu kontrollieren“, sagte Chris Froome, der sein gelbes Trikot natürlich verteidigen will. Doch auf den rauen Straßen der Pyrenäen könnte auf sein Team viel Arbeit zu kommen. Die Abstände der verbliebenen Top-Favoriten sind klein und es wird im Finale sicher Angriffe geben. Greifen Aru oder Romain Bardet an, muss Froome selbst reagieren. Doch Fahrer wie Alberto Contador, die im Gesamtklassement schon recht weit zurückliegen, könnten früh in die Offensive gehen. Dann wird das Rennen nicht erst am Schlussaufstieg interessant.

Auch wenn sich Froome durch einen frühen Angriff Contadors sicher nicht so leicht aus der Reserve locken lässt, könnte die Konkurrenz versuchen sich Contador anzuschließen. Folgt etwa Nairo Quintana Contadors Attacke, wird es durchaus brenzlig. Dann würde auch Froome unter Druck geraten. 

Das Terrain der Etappe ist nicht superschwer, aber dennoch nicht zu unterschätzen. Mit seinen starken Helfern kann Froome das Rennen sicher schnell und hart gestalten. An das Finale hat der Brite gute Erinnerungen. Legendär, wie er 2012 seinen Kapitän Bradley Wiggins mit Handbewegungen zu mehr Tempo aufforderte. Läuft das Rennen normal, wird es im Ziel wohl nur kleine Abstände zwischen den Favoriten geben.

 

Die Strecke

Tour de France 2017: Die Karte der 12. Etappe (©GEOATLAS)

Die erste Hälfte der Etappe ist nur leicht wellig. Das nimmt den Sprintern den Druck und erhöht die Chance für eine Gruppe durchzukommen. So ist es durchaus möglich, dass es zwei Rennen in einem gibt – eines um den Etappensieg, das andere um den Gesamtsieg.

Nach dem Start in Pau geht es am Fuße der Pyrenäen gen Südosten. Es bleibt genügend Zeit für eine Ausreißergruppe bis zum schweren Finale einen größeren Vorsprung herauszufahren. Da sicher viele Fahrer gern in der Gruppe dabei wären, kann es durchaus einen harten Kampf geben. Beim Zwischensprint nach 94 Rennkilometern gibt es 20 Punkte im Kampf um Grün zu holen und so versuchen auch einige endschnelle Männer in der Gruppe dabei zu sein. 

 

Am Col de Menté beginnt die Kletterei

Etwa 80 Kilometer vor dem Ziel beginnt die Kletterei erst richtig. Es folgen mit dem Col de Menté, dem Port de Balès, dem Col de Peyresourde und dem kurzen Schlussanstieg nach Peyragudes vier Bergwertungen.

Der Anstieg zum Col de Menté (Kat 1) ist 6,9 Kilometer lang und im Schnitt 8,1% steil. Der Gipfel ist 75 Kilometer vor dem Ziel erreicht und es folgt eine gut 10 Kilometer lange Abfahrt nach Saint-Béat. Nach rund 15 flachen Kilometern beginnt der Anstieg zum Port de Balés. Es geht 11,7 Kilometer mit durchschnittlich 7,7%. Es ist kein gleichmäßiger und ein schwerer Anstieg. Laut Wetterprognose sollen die Fahrer leichten Rückenwind haben, das könnte eine Attacke unterstützen.

Vom Gipfel des Balés sind es nur noch 30 Kilometer bis ins Ziel, die ersten 15 bergab. Es folgt der Aufstieg zum Peyresourde – 9,7 km, durchschnittlich 7,8%. Es ist ein gleichmäßiger Anstieg, der es für Angreifer schwer macht. Es ist ein Terrain für ein Ausscheidungsfahren und ideal für den starken Sky-Kletter-Zug. So wäre entweder bereits der Balés oder später der kurze Schlussanstieg besser zum Angriff geeignet.

Nach einer Mini-Abfahrt geht es noch einmal kurz, aber knackig bergauf – 2,4 Kilometer mit durchschnittlich 8.4%. Nach zunächst flacheren Passagen wird es kurz vor dem Ziel mit 16% giftig steil. Die letzten Meter zum Ziel sind etwas anders als 2012, als die Ski-Station schon einmal Ziel einer Tour-Etappe war. Während es beim Sieg von Alejandro Valverde 2012 auf den letzten Metern flach zum Ziel ging, ist es nun eine echte Rampe zur Ziellinie.

Das Profil des Finales der 12. Etappe der Tour 2017

 

Die Favoriten

Mit der langen Anfahrt und dem schweren Finale ist die Etappe wie gemacht für eine starke Ausreißergruppe. Die Favoriten schauen nur auf sich und haben mit Sicherheit bereits die kurze und heftige Etappe am nächsten Tag im Hinterkopf. Kandidaten für die Ausreißergruppe gibt es viele, doch wer am Ende siegen will, muss richtig gut klettern können.

Warren Barguil, Pierre Rolland oder Brice Feillu wären heiße Kandidaten. Dazu gibt es reichlich Bergpunkte zu holen. Ob sich Steven Cummings diese Etappe für seinen großen Auftritt herausgesucht hat, muss man abwarten. Das Profil liegt ihm durchaus. Auch Serge Pauwels, Thibaut Pinot und Lilian Calmejane könnten erneut in die Offensive gehen.  

Nach dem Ausscheiden von Richie Porte wird man bei BMC nun ebenfalls anders agieren. Damiano Caruso und Nicolas Roche könnten ihr Glück in einer Fluchtgruppe suchen. Ob Alberto Contador bereits am Donnerstag “All In” geht, bliebt abzuwarten. Er müsste schon am Port de Balés angreifen und hat es in der Abfahrt allein sehr schwer. Ehe würde sich der Freitag zum Großangriff anbieten. Aber bei Contador weiß man nie.

Im Kampf der Favoriten liegt diese Etappe Chris Froome wohl am meisten. Mit seinem Team kann er am Peyresourde kontrollieren und die steile Rampe zum Ziel zur Attacke nutzen. Dan Martin wäre ebenfalls ein Kandidat auf den Etappensieg, falls man die Ausreißer doch wieder einholt. Sonst sind es die üblichen Verdächten, die man vorn erwarten darf: Fabio Aru, Romain Bardet, Rigoberto Uran, Simon Yates. Auf Nairo Quintana darf man gespannt sein. Im Jura war er nicht stark genug. Mit dem Giro in den Beinen zählt er nicht zu den absoluten Top-Favoriten, doch auch er wird sich zeigen wollen.

 

***** –
**** Chris Froome, Dan Martin
*** Rigoberto Uran, Fabio Aru, Nicolas Roche, Warren Barguil
** Damiano Caruso, Romain Bardet, Serge Pauwels, Steven Cummings, Tim Wellens
* Pierre Rolland, Nairo Quintana, Simon Yates, Lilian Calmejane

 
Start: 10:55 Uhr
Ziel: 17:00 Uhr

 

Die weiteren Etappen

12. Etappe (13. Juli) | 214 km | Pau – Peyragudes (Bergankunft)
13. Etappe (14. Juli) | 100 km | Saint-Girons – Foix
14. Etappe (15. Juli) | 181 km | Blagnac – Rodez
15. Etappe (16. Juli) | 189 km | VLaissac-Sévérac L’Église – Le Puy en Velay
16. Etappe (18. Juli) | 165 km | Le Puy en Velay– Romans-Sur-Isére
17. Etappe (19. Juli) | 183 km | La Mure – Serre-Chevalier
18. Etappe (20. Juli) | 178 km | Briancon – Izoard (Bergankunft)
19. Etappe (21. Juli) | 220 km | Embrun – Salon-de-Provence
20. Etappe (22. Juli) | 23 km | Marseille – Marseille (Einzelzeitfahren)
21. Etappe (23. Juli) | 165 km | Montgeron – Paris Champs-Èlyèes

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