Keine 130 Kilometer ist das 15. Teilstück der 72. Vuelta lang. Aber dennoch sind gut 3300 Höhenmeter zu bewältigen. Es ist eine dieser kurzen Etappen, die ein Spektakel versprechen. Nur rund dreienhalb Stunden werden die Fahrer im Sattel sein. Vollgas, spätestens ab dem ersten Anstieg. Taktieren oder abwarten sind auf den kurzen Teilstücken nicht der richtige Plan, wenn die Konkurrenz die Chance zum Angriff sieht. Es ist eine dieser Etappen, in denen auch einem extrem starken Team die Kontrolle entgleiten kann.

Wenn am ersten Anstieg des Tages bereits die Kapitäne das Rennen sprengen, kämpfen die Favoriten auf den Gesamtsieg Mann gegen Mann. Kein Wunder, dass viele Fahrer großen Respekt vor diesem Teilstück haben. Zudem geht es im Finale sehr hoch hinaus – bis auf 2500 Meter üNN. Nicht alle Fahrer vertragen solche Höhen. Diese Etappe kann die Gesamtwertung mächtig durcheinander wirbeln. Wer hier die Attacke verpasst oder einen schlechten Tag erwischt, verliert schnell Minuten.

Dass diese Etappe ausgerechnet vor dem zweiten Ruhetag ausgetragen wird, dürfte ein offensives Rennen noch unterstützen. Wer am Gesamtklassement noch einmal mächtig schrauben will, der geht früh All In.

 

Die Strecke

Karte de 15. Etappe der Vuelta 2017

Nach dem Start in Alcala La Real geht es gen Südosten. Die ersten 20 Kilometer sind leicht wellig, dann folgt eine kurze Abfahrt und es geht rund 25 Kilometer zum Fuße des ersten Anstiegs. So wird nach knapp 58 Rennkilometern das 72 Kilometer lange Finale eingeläutet.

Profil des Alto de Hazallanas

Schon der erste Anstieg ist ein fieses Ding. Zwar ist der 16,3 Kilometer lange Aufstieg zum Alto de Hazallanas nur mit 5,5 % Steigung angegeben, da es aber flachere Stücke und sogar eine Abfahrt gibt, sind die Rampen durchaus fies. Der erste Teil ist noch moderat, doch ab Mitte der Steigung wird es richtig hart. Es gibt Passagen mit mehr als 20 % Steigung und die letzten sechs Kilometer zum Gipfel sind durchgehend steil.

Vom Gipfel sind es auf direktem Weg zum Ziel zwar keine 20 Kilometer mehr, doch es geht nicht sofort links weg in Richtung Etappenziel, sondern noch einmal hinab. So sind vom Gipfel des Alto de Hazallanas noch rund 54 Kilometer zu fahren.

Nach einer fast 20 Kilometer langen Abfahrt nach Granada beginnt die Kletterei erneut. Es geht zum Alto del Purche rund 8,5 Kilometer mit durchschnittlich 8 % bergan. Gleich zu Beginn wird es giftig steil. Erst auf den letzten Kilometern wird es flach und es gibt sogar eine kurze Abfahrt.

Profil des Alto del Purche

Nach der Bergwertung folgt keine Abfahrt, sondern es geht entgegengesetzt der zuvor gefahrenen Strecke zum Einstieg in die Schlusssteigung. Der Weg zum Gipfel des Alto Hoya de la Mora ist mit 19,3 Kilometern bei 5,6 % Steigung angegeben. Es ist ein sehr langer, aber nicht sehr steiler Anstieg auf breiter Straße. Hier wird es schwer, die Konkurrenz abzuhängen. Sollte jedoch ein Fahrer den Anschluss verloren haben, wird es hier sehr schwer allein den Konkurrenten hinterher zu jagen. Auch wenn dieser Anstieg kein Monsterberg ist, nach zwei harten Vuelta-Wochen, den schweren Anstiegen zuvor und in großer Höhe, kann es hier zu größeren Abständen kommen.

Das Profil des Alto Hoya de la Mora

 

Die Favoriten

Auch wenn es auf den ersten 50 Kilometern für eine Ausreißergruppe die Chance gibt, einen größeren Vorsprung herauszufahren, wird es wohl schwer, sich bis zum Ziel vorn zu halten. Denn wenn die Favoriten diese Etappe für einen Angriff auf Chris Froome und das Rote Trikot nutzen wollen, müssen sie an einem der ersten beiden Anstiege attackieren. Die Schlusssteigung ist zwar lang, aber nicht steil genug um Froome und seine bärenstarken Sky-Helfer in Bedrängnis zu bringen.

Es ist gut möglich, dass einige Teams einen Helfer mit in die Gruppe schicken, damit dieser dem Kapitän später helfen kann. Die Favoriten auf den Tagessieg sind die üblichen Verdächtigen. Contador, Froome, Nibali, Kelderman, Chaves, Zakarin und auch wieder “Superman” Lopez

Die letzte Steigung ist nicht superschwer, so kann es auch sein, dass kleine Gruppen das Ziel erreichen. Vielleicht schmiegen Froomes Konkurrenten auch Allianzen, sollte der Leader in Schwierigkeiten geraten. Miguel Ángel López machte in den vergangenen Etappen einen sehr starken Eindruck. Da er in der Gesamtwertung fast vier Minuten Rückstand hat, könnte er profitieren, wenn die Favoriten sich im Finale belauern sollten. Nibali, Contador und Kelderman wird Froome keinen Meter weglassen, aber Lopez muss er nicht sofort hinterhergehen. 

 

***** Chris Froome, Alberto Contador, Vincenzo Nibali
**** Miguel Ángel López, Wilco Kelderman
*** Esteban Chaves, Fabio Aru, Michael Woods
** David de la Cruz, Ilnur Zakarin, Darwin Atapuma
*  Jan Polanc, Pawel Poljanski

 

Start: 13:39 Uhr
Ziel: ~17:40 Uhr

 

Die weiteren Etappen

16. Etappe (5.9.) | 40,3 km | Circuito de Navarra – Logroño | Einzelzeitfahren
17. Etappe (6.9.) | 180,5 km | Villadiego – Los Machucos. Monumento Vaca Pasiega (Bergankunft)
18. Etappe (7.9.) | 169 km | Suances – Santo Toribio de Liébana (Bergankunft)
19. Etappe (8.9.) | 149,7 km | Caso. Parque Natural de Redes – Gijón
20. Etappe (9.9.) | 117,5 | Corvera de Asturias – Alto de l’Angliru | Bergankunft
21. Etappe (10.9.) | 117,6 km | Arroyomolinos – Madrid

 

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