Es ist nicht die schwerste Etappe dieses Giro d’Italia, aber eine, die mit großer Spannung erwartet wird. Beim ersten langen und schweren Anstieg hinauf zum Ätna müssen die Favoriten auf den Gesamtsieg zeigen, wie stark sie bergauf sind. Es ist ein erster Test, der zeigt, wer zu den absoluten Favoriten gehört. Dementsprechend nervös werden einige der Stars sein. 

Die Etappe ist 164 Kilometer lang und schon das Profil der ersten Kilometer anspruchsvoll. Mit 2800 Höhenmeter, die es zu bewältigen gilt, hat der Veranstalter sie mit vier Sternen ausgewiesen. Die Favoriten auf den Gesamtsieg werden nur auf sich schauen, so könnten einige Ausreißer versuchen, früh einen größeren Vorsprung herauszufahren um sich bis ins Ziel vorn zu behaupten. Das gelang im vergangenen Jahr Jan Polanc, der sogar das Rosa Trikot eroberte. In diesem Jahr wird der Ätna auf einer anderen, etwas schwereren Route erklommen als 2017. 

 

Die Strecke

Nach dem Start geht es zunächst etwa 10 Kilometer bergab, doch dann beginnt die Kletterei. Auch wenn keine Bergwertung im Roadbook vermerkt ist, geht es reichlich auf und ab. Schon bis zum zum ersten Sprint in Enna, nach 28 Kilometern, sind es mehr als 400 Höhenmeter. Anschließend geht es wellig weiter. Nach dem zweiten Sprint und einer längeren Abfahrt hat das Peloton rund 40 Kilometer vor dem Ziel den tiefsten Punkt des Tages erreicht. In Ponte Barca liegt nur etwas mehr als 60 Meter üNN. 

Karte der 6. Etappe des Giro 2018

Der Schlussanstieg zum Ätna ist mit 15 km Länge angegeben. Doch bevor es zum eigentlichen Anstieg geht, müssen 500 Höhenmeter überwunden werden. Es folgt dann eine kurze Abfahrt, ehe die Schlussteigung beginnt.
Der Aufstieg zum Astrophysikalischen Observatorium ist im Schnitt nur 6,5% steil. Auch wenn es kurze Passagen mit mehr als 10% Steigung gibt, es ist kein Monsterberg an dem riesige Abstände zu erwarten sind. Doch sollte sich ein Fahrer nicht gut fühlen, kann er viel Zeit verlieren. Es gibt auch einige Passagen in der offenen Lava-Wüste, wo der Wind eine Rolle spielen könnte.

Schlussanstieg zum Ätna – 6. Etappe des Giro 2018

Auf den letzten Kilometern zum Ziel gibt es auch eine Passage mit nur 2 % Steigung, sollte hier eine größere Gruppe noch zusammen sein, könnten sich die Favoriten belauern und ein Fahrer aus der zweiten Reihe dies zum Angriff nutzen. 

Auch wenn es kein extrem steiler Berg ist, es wird die ersten echten Angriffe der Favoriten geben. Keiner weiß so genau, wie er im Vergleich zur Konkurrenz steht und so wird es sicher einen Fahrer geben, der die Konkurrenz mal testet. Einige Fahrer, wie etwas Chris Froome, machten in den ersten Tagen keinen souveränen Eindruck. Grund genug für die Konkurrenz, mal einen Angriff zu lancieren. Das Steilstück etwa fünf Kilometer vor dem Ziel bietet sich für eine Attacke an. Laut Wetterbericht soll der Wind aus Osten wehen, das würde bedeuten, dass er den Fahrern am Ende entgegen bläst – das macht es für Angriffe schwerer.

Karte des Schlussanstiegs zum Ätna – 6. Etappe Giro 2018

 

Die Favoriten

Es ist der erste schwere Berg des Giro und die großen Favoriten schauen nur auf sich. Gut möglich, dass eine frühe Ausreißergruppe fahren gelassen wird, denn ob das BMC-Team von Rohan Dennis sich in der Pflicht sieht, die Ausreißer in Schach zu halten, bei solch kleinem Vorsprung im Gesamtklassement, erscheint fraglich. Vielleicht wäre es ihnen recht, sollten die Bonussekunden im Ziel an Ausreißer gehen. Doch vielleicht gibt es auch eine Mannschaft, die den Druck auf die Konkurrenz erhöhen will und schon früh ein hohes Tempo anschlägt. Die Etappe ist relativ kurz und die Schlussteigung sehr lang – es spricht einiges dafür, dass die Favoriten auf den Gesamtsieg auch um den Etappensieg kämpfen. 

Vor dieser ersten Bergankunft ist nicht klar, wer von den Top-Leuten am stärksten einzuschätzen ist. Denn diese steilen kurzen Rampen der vergangenen Tage sind etwas ganz anderes, als solch ein langer Anstieg. Domenico Pozzovivo ist in herausragender Form, doch dieser Anstieg ist nicht nach seinem Geschmack. Er mag es lieber, wenn es richtig steil ist. Tom Dumoulin hingegen kann seine Power ausspielen. Doch ist er in der Lage die Konkurrenz abzuhängen? Simon Yates wäre auch aufgrund seiner Endschnelligkeit ein heißer Tipp. Das gilt auch für Thibaut Pinot. Tim Wellens, Fabio Aru oder Michael Woods könnte man am Ende ein paar Sekunden weglassen, denn sie liegen im Gesamtklassement schon einige Sekunden zurück.

Sollte es keinem der Favoriten gelingen, sich abzusetzen, könnte ein Pokerspiel beginnen. Dann würden auch Fahrer wie Felix Großschartner, Alexandre Geniez, Sergio Henao oder Louis Meintjes bei einer späten Attacke ihre Chance auf den Etappensieg bekommen. Es ist eine Ankunft, die schwer vorherzusagen ist. Vermutlich wird der Anstieg nicht schwer genug sein, damit die Favoriten einzeln ankommen. Doch bevor es zum Sprint einer Gruppe kommt, werden Fahrer aus der zweiten Reihe eine späte Attacke starten. Doch ein Team wie Mitchelton-Scott wäre auch auch stark genug, im Finale noch mit mehreren Fahrern vorn dabei zu sein. 

Ein Parcours der viele Szenarien möglich macht – so wünschen es sich die Radsportfans.

 

***** Simon Yates
**** Michael Woods, Domenico Pozzovivo, Tim Wellens, Thibaut Pinot
*** Tom Dumoulin, Miguel Angel Lopez, Richard Carapaz, Pello Bilbao
** Fabio Aru, Esteban Chaves, David de la Cruz, Sergio Henao, Darwin Atapuma
* Giulio Ciccone, Chris Froome, Rodolfo Torres, Carlos Betancur, George Bennett

 
 Start: 12:20 Uhr
Ziel: ~ 17:20 Uhr


Die weiteren Etappen in der Übersicht & mit Profil: 

7. Etappe | 11. Mai | PIZZO – PRAIA A MARE | 159km  *
8. Etappe | 12. Mai | PRAIA A MARE – MONTEVERGINE DI MERCOGLIANO | 208 km ***
9. Etappe | 13. Mai | PESCO SANNITA – GRAN SASSO D’ITALIA (Campo Imperatore) | 224 km ***
Ruhetag 14. Mai 
10. Etappe | 15. Mai | PENNE – GUALDO TADINO | 239 km ***
11. Etappe | 16. Mai | ASSISI – OSIMO | 156 km ***
12. Etappe | 17. Mai | OSIMO – IMOLA | 213 km **
13. Etappe | 18. Mai | FERRARA – NERVESA DELLA BATTAGLIA | 180 km  **
14. Etappe | 19. Mai | SAN VITO AL TAGLIAMENTO – MONTE ZONCOLAN | 181 km *****
15. Etappe | 20 Mai | TOLMEZZO – SAPPADA | 176 km ****
Ruhetag 21. Mai
16. Etappe | 22. Mai | TRENTO – ROVERETO | 34,5 km ITT ***
17. Etappe | 23. Mai |  FRANCIACORTA STAGE (Riva del Garda – Iseo) | 155 km **
18. Etappe | 24. Mai |  ABBIATEGRASSO – PRATO NEVOSO | 196 km ****
19. Etappe 25. Mai |  VENARIA REALE – BARDONECCHIA | 181 km *****
20. Etappe | 26. Mai | SUSA – CERVINIA | 214 km *****
21. Etappe | 27. Mai | ROMA – ROMA | 118 km *
  

6. Etappe | 10. Mai | CALTANISSETTA – ETNA | 163 km

Profil der 6. Etappe des Giro d’Italia 2018
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