Es ist die erste Etappe der Tour und es wird wohl ein hektischer Tag. Alle Fahrer sind frisch, gehen voll motiviert und mit großen Zielen ins Rennen. Das Finale wird schnell und wild. Alle Kapitäne wollen vorn fahren, die Sprinter natürlich auch. Doch 150 Fahrer können logischerweise nicht in den ersten 30 Positionen fahren. Vor allem mental sind die ersten Tage enorm anspruchsvoll. “Wenn du das Spiel nicht mitspielst, hast du keine Chance, am Ende vorn zu sein”, sagt Rick Zabel. “Während das bei anderen Rennen vielleicht die letzten 25 Kilometer krass ist, dann geht das bei der Tour schon 50 Kilometer vor dem Ziel los”, so Zabel über die Besonderheit der Tour.

Gedränge, Hektik – dazu könnte auch der Wind eine Rolle spielen. Es geht entlang der Küste und in der Vendeè bläst meist ein Lüftchen. Doch die Vorhersage für Samstag geht von nur ganz leichtem Wind aus. Auf den letzten Kilometern wird es bis zur 3-Kilometer-Marke immer hektischer, denn auch alle Klassementfahrer wollen weit vor sein, um nicht bei Stürzen aufgehalten zu werden. Die Anfahrt zum Ziel haben sich alle Sprinter angeschaut und der Veranstalter hat durch ein leicht ansteigendes Finale dafür gesorgt, dass es nicht ganz so schnell wird. In Sachen Sicherheit sicher eine gute Maßnahme. 

Dass es zum Massensprint kommen wird, ist mehr als wahrscheinlich. Die Sprinterteams sind frisch und top-motiviert, ein früher Erfolg ist für die Sprinter besonders wichtig. Es nimmt den Druck von Team und Fahrer – dann läuft es meist auch an den weiteren Tagen besser.


Podcast: Marco Haller vom Team Katusha-Alpecin erklärt den Sprintzug von Marcel Kittel 


Die Strecke

Die Etappe ist 201 Kilometer lang und führt von Noirmoutier-en-l’Île nach Fontenay-le-Comte. Es geht die meiste Zeit flach entlang der Küste. Nach 119,5 Kilometern wird die Sprintwertung ausgetragen und die neue Bonussprintwertung, bei der es 3, 2 und 1 Sekunde Zeitbonifikation gibt, wird bei Rennkilometer 187,5 abgenommen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ausreißer des Tages zu diesem Zeitpunkt bereits eigeholt sind und man darf gespannt sein, welcher Fahrer sich 13,5 km vor dem Ziel hier die Bonussekunden holen wird. 

Der erste Träger des Bergtrikots wird 28 Kilometer vor dem Ziel ermittelt. Man muss abwarten, ob sich bis zu dieser Wertung die Ausreißer vor dem Feld halten können. Sollte das Feld geschlossen in diesen 700 m kurzen Anstieg gehen, könnte es einen heftigen Sprint um den einzigen Punkt am Gipfel geben. Immerhin wird dieser mit einem Platz auf dem Podium und dem gepunkteten Trikot belohnt. 

Die Anfahrt zum Ziel der 1. Etappe der Tour de France 2018

In der Anfahrt zum Ziel müssen einige Kreisverkehre durchfahren werden, aber es geht auf breiter Straße ohne knifflige Stellen zum Ziel.  Die Zielgerade ist 6,5 Meter breit und die Fahrer haben ab der 500-Meter-Marke freie Sicht zum Ziel.Bis zur leichten Steigung geht es bergab, sodass die Fahrer mit Schwung auf die letzten 500 Meter gehen. Es geht leicht bergan, was dazu führt, dass das Tempo am Ende nicht ganz so hoch sein wird. Dennoch ist es eine Ankunft für die absoluten Sprint-Spezialisten. 

Profil der letzten Kilometer der 1. Etappe der Tour de France 2018

 

Die Favoriten

Es ist die erste Etappe, der erste Sprint. Alle Sprints die bis zu diesem Tag gefahren wurden, sind nahezu bedeutungslos. Es ist die Tour de France, das größte Rennen mit den besten Sprintern der Welt. Wer hier eine Etappe gewinnt, hat mit einem Tag die Saison gerettet. Druck, Starterfeld, Rennplanung – über all diese Dinge muss man nicht mehr diskutieren. Es zählt. Jetzt. Keiner der Sprinter hat sich während dieser Saison so präsentiert, als könne er die Sprints dominieren wie Marcel Kittel im vergangenen Jahr. Am ehesten vielleicht noch Dylan Groenewegen, der seit dem Frühjahr erfolgreich ist. Aber gilt das auch für die Tour?

Bei vielen Top-Sprintern lief es durchwachsen. Bei den schnellsten Männern der vergangenen Jahre mehr als holprig. Marcel Kittel, André Greipel, Mark Cavendish – werden sie abgelöst von Groenewegen und Gaviria? Vorsicht! Gerade die Tour ist speziell, vor allem mental. Erfahrung hilft enorm. Cool bleiben, konzentriert sein, abwarten können, dem Druck standhalten. Nur die Tour ist die Tour.

Die letzten Meter zum Ziel der 1. Etappe der Tour de France 2018

Fernando Gaviria hat sicher eine extrem starke Mannschaft die für ein super Leadout sorgen kann. Aber die Zeiten, in denen ein Zug das Rennen von vorn komplett kontrollierte sind vorbei. Marcel Kittel hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass er auf dem letzten Kilometer ganz gut allein zurecht kommt. Wenn er die Form hat. Doch das ist die große Frage, bezogen auf den weltbesten Sprinter der vergangenen Jahre. Auch bei Andrè Greipel muss man abwarten. Der Routinier scheint nicht mehr so schnell wie vor einigen Jahren, doch er zählt noch längst nicht zum alten Eisen. Mark Cavendish hatte ein Frühjahr zum Vergessen. Mehrere Stürze und nur ein Sieg. Doch es scheint fast so, als käme Cav zur Tour doch rechtzeitig in Schwung. Typen wie Cavendish, Kittel oder Greipel darf man nie abschreiben. Sehen sie die Chance auf einen Tour-Etappensieg, wachsen sie über sich hinaus. Erst recht wenn das Gelbe Trikot winkt.

Doch neben den klassischen Sprintern sind weitere endschnelle Männer dabei, die man auf jeden Fall auf dem Zettel haben sollte. Allen voran Peter Sagan. Je chaotischer, desto besser für Sagan. Auch Michael Matthews und Arnaud Demare sind endschnell. Das gilt auch für Christophe Laporte und Alexander Kristoff.

 

***** Dylan Groenewegen
**** Marcel Kittel, Peter Sagan, Fernando Gaviria, 
*** Andre Greipel, Christophe Laporte
** Arnaud Demare, Alexander Kristoff, Magnus Cort Nielsen
* Michael Matthews, John Degenkolb, Sonny Colbrelli

Start: 11:00 Uhr
Ziel: ~15:45 Uhr

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Die weiteren Etappen:

2. Etappe  | Sonntag, 8. Juli | Mouilleron-Saint Germain – La Roche-sur-Yon| 185 km
Profil der 2. Etappe der Tour de France 2018
Die Etappen zum Durchklicken/wischen: “Pfeiltaste rechts” = zur nächsten Etappe 

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