Diese 105. Tour de France hat zwei Gesichter. Die erste Woche, geprägt von Sprints, Hektik und dem epischen Ritt über das Pflaster von Roubaix. Der zweite Teil dieser Tour ist gemacht für die Kletterer. Nach den Strapazen am Sonntag und dem Ruhetag am Montag führt der Parcours der 10. Etappe das Feld in die Alpen. “Wir sind noch keinen einzigen Berg gefahren”, sagte Rigoberto Uran und verwies darauf, dass die Kräfteverhältnisse der Kapitäne unklar sind. Uran hat damit völlig Recht, auch wenn man an der Mur de Bretagne schon einen generellen Eindruck davon bekommen konnte, dass nahezu alle Favoriten in einer super Form sind. Einen ersten Eindruck bezüglich der Bergform der Favoriten wird man am Dienstag bekommen.

Mit Richie Porte musste einer der stärksten Kletterer das Rennen aufgeben. Andere, wie etwa Uran, Quintana und auch Froome haben einen kleinen Rückstand in der Gesamtwertung. Doch alle noch im Rennen verbliebenen Favoriten sind längst nicht chancenlos zurück. Das dürfte für ein spannendes Rennen in den kommenden Tagen sorgen, denn mit Zurückhaltung wird es in den Alpen vorbei sein. Während es für die Kletterer in den ersten neun Tagen nur darum ging, keine Zeit zu verlieren, heißt es ab nun – Attacke!

Nach der Pflaster-Etappe und dem Ruhetag ist es ein gefährlicher Tag. Nicht alle Fahrer finden nach dem Pausen-Tag gleich wieder in den Rennmodus. Gut möglich, dass einer der Favoriten einen schwachen Tag erwischt und alle Ambitionen im Kampf um den Gesamtsieg begraben muss.

 

Die Strecke

Karte der 10. Etappe der Tour de France 2018

Kaum eine andere Etappe wurde im Vorfeld so gehypt wie die 10. von Annecy nach Le Grand-Bornand. Denn auf 158,5 Kilometern geht es nicht nur über steile Berge, sondern auch das Plateau des Glières. Dies ist ein Schotterabschnitt am Ende des steilen Anstiegs. CMCC-Starter Yves ist diesen Abschnitt beim Jedermannrennen  L’Étape du Tour gefahren und sagt, dass diese Passage sehr gut zu fahren ist und wohl wenig Einfluss auf das Rennen haben wird.

Nach dem Start in Annecy geht es leicht wellig zum ersten kleinen Anstieg, dem Col de Bluffy (1,5km | 5.6% | 4. Kat). Nach einigen flachen Kilometern steht dann der erste echte Anstieg dieser 105. Tour an. Es ist der Col de la CroixFry (11,3km | 7%) – es ist ein Berg der 1. Kategorie. Der erste Fahrer am Gipfel erhält 10 Punkte. Zur Erinnerung, Toms Skujins trägt derzeit das Bergtrikot, er hat sechs auf dem Konto. 

Profil des Anstiegs zum Plateau des Glières

Nach mehr als 15 Kilometern Abfahrt geht es dann zum Montee Plateau des Glières. Ein giftig steiler Anstieg mit der angesprochenen Schotterpassage am Gipfel, theoretisch könnte man hier angreifen, aber der Weg ist noch sehr, sehr weit bis in Ziel.

Das Finale
Profil der beiden letzten Anstiege der 10. Etappe der Tour de France 2018

Nach einer langen Abfahrt und einem mehr als 25 km langen Flachstück geht es zum anspruchsvollen Finale der Etappe. Über den Col de Romme (8,8km | 8.9%) geht es zum Col de la Colombière (7,5km | 8,5%). Wer sich gut fühlt, könnte entweder bereits am Fuße des Col de Romme angreifen, denn dort ist es sehr steil, oder dann vor dem Gipfel des Colombiere, um dann mit Vorsprung in die Abfahrt zum Ziel zu gehen.

Vom Gipfel des Col de la Colombière sind es noch 14,5 Kilometer. Davon sind nur die letzten zwei flach.

Anfahrt zum Ziel de 10. Etappe der Tour de France 2018

 

Die Favoriten

Es ist die erste Bergetappe und man darf ein Feuerwerk erwarten. Die Fahrer wissen nicht, wie die Kräfteverhältnisse der Favoriten sind und sie brennen darauf, es zu erfahren. Vor allem die Jungs, die sich stark fühlen, werden attackieren. Doch es wird nicht schon früh zum großen Schlagabtausch der Kapitäne kommen. Die Gefahr, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen und in einen Konter zu laufen, ist zu groß. Dennoch wird es früh Attacken geben, von Fahrern die auch den Tagessieg holen könnten. Es könnte gut sein, dass es zwei Rennen in einem gibt. Eines im Kampf um den Gesamtsieg der Tour, das andere um den Etappensieg. Auch das Thema Bergwertung darf man auf dieser Etappe nicht vernachlässigen. Es gibt reichlich Punkte zu holen und das Trikot mit den Punkten ist sehr wertvoll.

Fahrer wie Julian Alaphilippe, Warren Barguil oder Guillaume Martin sind heiße Kandidaten für einen Erfolg aus einer starken Ausreißergruppe. Alle drei haben keinen Leader, den sie zu 100% unterstützen müssen, und könnten so freie Fahrt bekommen. Doch es wird sich ein Team finden, dass das Rennen kontrolliert. Ob das BMC sein wird, ist fraglich. Greg van Avermaet trägt zwar das Trikot, aber er wird nicht in Gelb die Alpen verlassen, so viel ist sicher. Übernimmt Sky die Kontrolle? Oder Movistar? Oder erleben wir einen echten Schlagabtausch mit offenem Visier?  

***** –
**** Julian Alaphilippe, Alejandro Valverde
*** Vincenzo Nibali, Warren Barguil, Rigoberto Uran, Dan Martin
** Geraint Thomas, Romain Bardet, Damiano Caruso
* Guillaume Martin,  Adam Yates, Ion Izagirre, Serge Pawels

 
Start: 12:30 Uhr
Ziel: ~17:45 Uhr

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Die weiteren Etappen der Tour de France 2018 mit Profil zum Durchklicken

11. Etappe | Mittwoch, 18. Juli | Albertville – La Rosière Espace San Bernardo | 108 km
12. Etappe | Donnerstag, 19. Juli | Bourg-Saint-Maurice Les Arcs – Alpe d’Huez | 175 km
13. Etappe | Freitag, 20. Juli | Bourg d’Oisans – Valence | 169 km
14. Etappe | Samstag, 21. Juli | Saint-Paul-Trois-Châteaux – Mende | 187 km
15. Etappe | Sonntag, 22. Juli | Millau – Carcassonne | 181 km
16. Etappe | Dienstag, 24. Juli | Carcassonne – Bagnères-de-Luchon | 218 km 
17. Etappe | Mittwoch, 25. Juli | Bagnères-de-Luchon – Saint-Lary-Soulan Col de Portet | 65 km
18. Etappe | Donnerstag, 26. Juli Trie-sur-Baïse – Pau | 172 km 
19. Etappe | Freitag, 27. Juli | Lourdes – Laruns | 200 km 
20. Etappe | Samstag, 28. Juli | Saint-Pée-sur-Nivelle – Espelette | 31 km Einzelzeitfahren
21. Etappe | Sonntag, 29. Juli | Houilles – Paris | 115 km

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