Die 16. Etappe ist mit 210 Kilometern ein langer Riemen. Auch wenn es in die Berge geht, werden die Sprinter keine Probleme mit dem Zeitlimit bekommen, da die ersten fast 150 Kilometer flach sind. Doch das Finale hat es durchaus in sich. Aufgrund des Profils könnte es wieder zwei Rennen geben. Eines um den Tagessieg aus der Ausreißergruppe und eines um die Gesamtwertung. Auf den ersten 150 Kilometern können die Ausreißer einen großen Vorsprung herausfahren und sich dann bis ins Ziel vorn behaupten.

Für die Favoriten bietet das Finale durchaus Gelegenheit für Angriffe. Gerade die Teams, die zwei Fahrer weit vorn in der Gesamtwertung haben, könnten auf den letzten Kilometern des Aspet oder am am Menté angreifen. Will man etwas bewegen, darf man nicht bis zum letzten Anstieg warten. Denn dieser ist gleichmäßig steil und wie gemacht für das Sky-Team, das konstant ein hohes Tempo anschlagen kann.

Auch der Kampf ums Bergtrikot wird noch einmal entbrennen. Auf den drei Pyrenäen-Etappen gibt es am letzten Anstieg die doppelte Punktezahl. Am Dienstag gibt es am Portillon somit 20 Punkte für den ersten Fahrer am Gipfel. Serge Pauwels (66 Punkte) musste das Rennen leider aufgeben, so könnte es zum Duell zwischen Warren Barguil (70 Punkte) und Julian Alaphilippe (92 Punkte) werden. Dass Rafal Majka (28 Punkte) noch einmal eingreifen kann, glaubt Bora-hansgrohe-Sportdirektor Enrico Poitschke nicht (sagt er in unserem Podcast).

Das Ziel der Etappe liegt im Tal, in Bagnères-de-Luchon. Die Abfahrt ist kurvenreich und ideal für gute Abfahrer. Spätestens hier darf man mit Attacken rechnen. Eine große Bedeutung könnte den drei schwierigen und durchaus geschichtsträchtigen Abfahrten des Tages zukommen. Sowohl am Aspet, als auch auch am Menté gab es schon folgenschwere Stürze.

 

Die Strecke

Karte der 16. Etappe der Tour de France 2018

Die Etappe führt das Peloton in die Pyrenäen. Es geht von Carcassonne den ganzen Tag gen Westen. Die erste Bergwertung (4. Kategorie) ist nach 25 Kilometern erreicht. Gut möglich, dass der Kampf um die Gruppe bis dorthin dauert. Denn die Ausreißer des Tages haben eine sehr gute Chance durchzukommen. Die zweite Bergwertung (4. Kategorie) ist nach 72 Kilometern erreicht und das Feld kann die Pyrenäen längst vor sich sehen. Die Sprintwertung wird 94 km vor dem Ziel abgenommen.

Profil Col de Portet-d’Aspet & Col de Menté

Das schwere Finale beginnt etwa 70 Kilometer vor dem Ziel. Zunächst geht es über den Col de Portet-d’Aspet (Kat 2). Mit 5,4 Kilometern Länge kein sehr langer Anstieg, aber er ist im Schnitt 7,1 % steil. Nach der kurzen, aber anspruchsvollen Abfahrt folgt der nächste Anstieg. In dieser Abfahrt verunglückte 1995 Fabio Casartelli bei einem Sturz. Ihm zu Ehren ist dort eine Ehrentafel angebracht. Anschließend geht es direkt hinauf zum Col de Menté (6,9km | 8.1%| Kat 1). Auch die folgende Abfahrt ist steil und anspruchsvoll. Vom Menté hinab stürzte 1971 Leader Luis Ocaña und musste das Rennen aufgeben. 

Nach der Abfahrt folgt ein rund 20 Kilometer langer flacher, bzw. leicht ansteigender Abschnitt der für einige Kilometer durch Spanien führt, ehe es von Westen hinauf zum Col du Portillon (Kat 1| 8,3km| 7.1%) geht. In einigen Kehren geht es mit rund 7 Prozent bergan. Die ersten Kilometer sind noch moderat steil, zwischendrin gibt es Passagen mit rund 10%. Es ist aber insgesamt kein extrem steiler Anstieg.

Die Abfahrt ist schnell, steil und durchaus anspruchsvoll. Vor allem im oberen Teil. Die letzten 1000 Meter zum Ziel sind flach.

Profil des Col du Portillon

 

Die Favoriten

Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Tagessieger aus einer Ausreißergruppe kommt. Die heißen Kandidaten für diese Gruppe haben sich in den vergangenen Tagen schon präsentiert. Warren Barguil, Julian Alaphilippe – beide wollen das Bergtrikot gewinnen. Dazu Lilian Calmejane, Omar Fraile, Arthur Vichot, Rafal Majka, die Izagirre Brüder, Bauke Mollema, Jesús Herrada, Daniel Martinez, Damiano Caruso oder auch Nicolas Edet. Thomas de Gendt darf natürlich bei keiner Ausreißergruppe fehlen. Auch David Gaudu wäre ein heißer Tipp. Wer sich dann den Etappensieg sichern kann, entscheidet die Tagesform und die Cleverness. Aber auch die Abfahrtkünste sind gefragt. Das rückt Alaphilippe und Barguil noch mehr in die Favoritenrolle.

Im Kampf um den Gesamtsieg liegt diese Etappe sicher auch Romain Bardet. Doch der Franzose hatte schon mehrfach nach einem Ruhetag Probleme in den richtigen Renn-Rhythmus zu finden. Das Team Movistar muss angreifen, wenn sie noch etwas bewegen wollen und auch Steven Kruijswijk könnte man eine frühe Attacke am ersten, oder zweiten Anstieg zutrauen. Vielleicht schicken einige Fahrer einen Helfer mit in die Gruppe, der bei einer Attacke auf dem Flachstück nach dem Menté noch helfen kann.

Sky wird versuchen, das Rennen zu kontrollieren und bei einigen der Favoriten wird der Mittwoch schon im Hinterkopf sein. Dann steht die sehr kurze, aber extrem harte Etappe zum Col de Portet an. Doch sollte einer der Favoriten angreifen, müssen auch die Konkurrenten nachziehen. Am gleichmäßig steilen Portillon wird Sky keine Probleme haben, das Rennen zu kontrollieren und kann alle Angriffe der Konkurrenz ersticken, wenn sie ein hohes Tempo anschlagen. Aber greift ein Fahrer schon am Gipfel des Aspet an und kann sich absetzten, könnte es interessant werden. Es geht auf dieser Etappe nicht um Minuten die man herausholen kann, aber der Kampf ums Podium ist weiter sehr eng.

***** Warren Barguil
**** Julian Alaphilippe, 
*** Lilian Calmejane, Romain Bardet, Damiano Caruso
**  Omar Fraile, David Gaudu, Thomas De Gendt, Adam Yates
*  Gregor Mühlberger, Arthur Vichot, Jesús Herrada, Robert Gesink

 
Start: 11:30 Uhr
Ziel: ~17:30 Uhr

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Die weiteren Etappen der Tour de France 2018 mit Profil zum Durchklicken
17. Etappe | Mittwoch, 25. Juli | Bagnères-de-Luchon – Saint-Lary-Soulan Col de Portet | 65 km
18. Etappe | Donnerstag, 26. Juli Trie-sur-Baïse – Pau | 172 km 
19. Etappe | Freitag, 27. Juli | Lourdes – Laruns | 200 km 
20. Etappe | Samstag, 28. Juli | Saint-Pée-sur-Nivelle – Espelette | 31 km Einzelzeitfahren
21. Etappe | Sonntag, 29. Juli | Houilles – Paris | 115 km

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