Vierzehn Etappen haben die Fahrer in den Beinen und sie werden Spuren hinterlassen haben. Vor allem in den vergangenen Tagen wurde hart und schnell gefahren. Zudem gab es zwei Bergankünfte in Folge. Doch bevor die Profis am Montag durchschnaufen können, gibt am Sonntag noch einmal eine knüppelharte Etappe. Mit fast 4000 Höhenmeter und 178 Kilometern ist es die Königsetappe dieser 73. Spanien-Rundfahrt.

Schon der Name des Schlussanstiegs lässt die Herzen der Fans höher schlagen. Es geht zu den berühmten Lagos de Covadonga. Ein echter Vuelta-Klassiker, an dem bereits große Schlachten geschlagen wurden. Wer hier triumphiert, bleibt in Erinnerung. So wie der Trierer Reimund Dietzen, der bislang als einziger Deutscher diesen prestigeträchtigen Sieg einfahren konnte. Bereits 20 Mal war dieser Anstieg im Programm der Vuelta und er wird auch in diesem Jahr Ort eines Spektakels sein.

Im Kampf um den Gesamtsieg kann diese Etappe von großer Bedeutung sein. Die Favoriten haben harte Tage in den Knochen und dann diese lange und schwere Etappe. Dieser Schlussanstieg ist etwas anderes, als die kurzen, sehr steilen Rampen der Tage zuvor.

In den vergangenen Jahren war die Anfahrt zum Schlussanstieg zu den Lagos de Covadonga meist flach. In diesem Jahr gibt es schon vor dem finalen Anstieg mehrere Berge. Ein harter Tag, der keine Schwäche verzeiht. Spätestens nach dieser Etappe wissen wir, wer die Top-Favoriten auf den Gesamtsieg sind. 

 

Die Strecke

Karte der 15. Etappe der Vuelta 2018

Nach dem Start geht es zunächst gen Westen und anschließend nach Norden. Die erste Bergwertung (3. Kategorie) ist nach 20 Kilometern erreicht und auch nach der kurzen Abfahrt geht es wellig weiter. Nach etwa 90 Kilometern ist der Fuß des nächsten kategorisierten Anstiegs erreicht. Dieser Irador del Fito wird gleich zwei Mal erklommen. Denn nach der Abfahrt geht es in einer Schleife zurück zum Irador del Fito und erneut hinauf. Der Anstieg ist 7,1 km lang und im Schnitt 7,7% steil. Bei der zweiten Auffahrt sind es ein paar hundert Meter weniger bis zum Gipfel, weil man von Osten etwas oberhalb des Beginns des Anstiegs auf die Straße zum Gipfel kommt. 

Profile der beiden Anstiege zum Mirador del Fito

Vom Gipfel des Mirador del Fito, bei der zweiten Überfahrt, sind es noch rund 40 Kilometer bis zum Ziel. Nach der Abfahrt kommt eine kurze Steigung und erneut eine steile Abfahrt. Nach einigen leicht ansteigenden Metern beginnt 11,7 Kilometer vor dem Ziel der Schlussanstieg.

Gleich im unteren Teil ist es sehr steil. Insgesamt ist die Steigung mit durchschnittlich 7,2 % angegeben, aber die ersten sechs Kilometer sind happig und nur selten sind die Steigungsprozente einstellig. Nach sechs Kilometern gibt es ein kurzes Flachstück und dann wird es erneut steil. Dieser Anstieg ist sehr ungleichmäßig, in einigen Passagen geht es treppenförmig bergan. Die steilste Stelle ist etwa drei Kilometer vor dem Ziel. Nach einer sehr kurzen Abfahrt geht es kurz 20% bergan. Nach einigen flachen Metern folgt noch einmal ein Steilstück mit 17%. Zur letzten kurzen Steigung zum Ziel geht es rund 1500 Meter bergab.

Anstieg zu den Lagos de Covadonga

Die Favoriten

Es ist der Großkampf der Favoriten zu erwarten. Aber das bedeutet nicht, dass Ausreißer chancenlos sind. Setzt sich früh eine starke Gruppe ab, kann diese durchaus durchkommen. Doch zieht man im Feld frühzeitig das Tempo an, wird es für die Ausreißer natürlich schwerer. Nairo Quintana liegt dieser Anstieg. Der Kolumbianer wird sicher etwas versuchen, denn im Zeitfahren am Dienstag wird er einige Sekunden einbüßen. Vor zwei Jahren holte sich Quintana den Etappensieg und holte dabei Ausreißer Robert Gesink erst auf den letzten Metern ein. Damals holte sich Quintana das Rote Trikot und gab es bis Madrid nicht mehr ab. Gelingt ihm das erneut?

Auch Simon Yates und Angel Miguel Lopez machen einen starken Eindruck. Vor allem Lopez scheint in herausragender Form zu sein. Für einen Erfolg aus einer Ausreißergruppe gibt es einige Kandidaten. Pierre Rolland, Thomas de Gendt oder Ben King wären keine Überraschung in der Gruppe. 

Es ist die erste richtig lange Bergankunft und man muss abwarten, wie viel Sprit die Fahrer nach zwei harten Wochen noch im Tank haben. Emanuel Buchmann scheint zwar lieber die etwas gleichmäßigeren Anstiege zu mögen, doch hier muss er die Karten auf den Tisch legen. Mit aktuell Rang 10 liegt er im Soll und die kurzen, sehr steilen Rampen der vergangenen Tage waren auch nicht ideal für ihn. Man darf gespannt sein, wie lange er hier mit den Allerbesten mithalten kann.

 

***** Nairo Quintana
****  Simon Yates, Miguel Angel Lopez
*** Simon Clarke, Sergio Pardilla, Thibaut Pinot, 
** Wilco Kelderman, Alejandro Valverde, Pierre Rolland, 
*  George Bennett, Emanuel Buchmann, Fabio Aru, George Bennett, Omar Fraile, Ben King

Start: 12:25 Uhr
Ziel: ~17:50 Uhr

 

 

Weitere Artikel zur Vuelta 2018:
Podcast-Vorschau mit Johannes Fröhlinger
Die Favoriten mit ihren Stärken & Schwächen

Die weiteren Etappen mit Profil zum durchklicken:
Ruhetag     | 10. September
16. Etappe | 11. September | Santillana del Mar – Torrelavega | 32 km
17. Etappe | 12. September | Getxo – Balcón de Bizkaia | 157 km (Bergankunft)
18. Etappe | 13.September | Ejea de los Caballeros – Lleida | 186,1 km
19. Etappe | 14. September | Lleida – Andorra. Naturlandia | 154,4 km (Bergankunft)
20. Etappe | 15. September | Andorra. Escaldes-Engordany – Coll de la Gallina. Santuario de Canolich | 97,3 km (Bergankunft)
21. Etappe | 16. September | Alcorcón – Madrid | 100,9 km