Für den größten Teil des Feldes ist diese Etappe wie ein zweiter Ruhetag. Denn während die Favoriten auf den Gesamtsieg um jede Sekunde hart kämpfen werden, geht es für die meisten im Peloton nur darum, im Zeitlimit zu bleiben. Neben den Klassementfahrern ist diese Etappe auch für die Zeitfahrspezialisten ein wichtiger Tag. Mit Ex-Weltmeister Rohan Dennis, dem Europameister Victor Campenaerts, aber auch Jonathan Castroviejo und Nelson Oliveira sind echte Top-Zeitfahrer dabei. Wenige Wochen vor der WM wäre ein Sieg bei einem Vuelta-Zeitfahren natürlich besonders gern genommen.

Für die Favoriten auf den Gesamtsieg ist dieser Tag natürlich enorm wichtig. In den ersten Positionen des Gesamtklassements findet sich kein ausgewiesener Zeitfahrer. Simon Yates trägt das Rote Trikot und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er es behalten kann. Denn der Brite hat sich im Kampf gegen die Uhr stark verbessert. Beim Giro konnte er den Rückstand zu Weltmeister Tom Dumoulin unter zwei Minuten halten und er ist derzeit in sehr guter Form.

Die Zeiten, in denen Rigoberto Uran in solchen Zeitfahren um den Sieg fuhr, scheinen vorbei. Einem Alejandro Valverde dürfte der hügeliger Kurs sehr entgegenkommen und auch für Steven Kruisjwijk ist es eine gute Chance, Boden gut zu machen und sich im Kampf ums Podium zurückzumelden. Miguel Angel Lopez ist in sehr guter Kletter-Form, doch das Zeitfahren ist nicht seine Paradedisziplin. Erwischt er einen guten Tag, wird er kaum Zeit verlieren. Läuft es nicht rund, kann er ordentlich einbüßen.

Leiden wird auch Nairo Quintana. Der Kolumbianer wurde dafür kritisiert, dass er keine Führungsarbeit in den Anstiegen machen wollte und dass er auch an den Lagos de Covadonga nicht attackierte. Doch es scheint so, als wäre Quintana einfach am Limit. Er hat offenbar nicht die Form, um den Rest am Berg abzuhängen. So wird das Zeitfahren für ihn sicher ein schwerer Tag. Er wird Zeit verlieren, sehr wahrscheinlich weiter hinter seinen Teamkollegen Alejandro Valverde zurückfallen. Vielleicht klärt sich auf diese Weise die Kapitänsfrage.

Gespannt darf man auf Ion Izagirre sein. Der Spanier ist ein guter Zeitfahrer und er ist in guter Form. Vielleicht kann er etwas Zeit gutmachen. Emanuel Buchmann ist auch kein ausgewiesener Zeitfahrspezialist. Aber er hat hart am Kampf gegen die Uhr gearbeitet und sich in diesem Jahr stark verbessert. Vielleicht wird er im Vergleich zu Yates und Kruijswijk gar nicht so viel Zeit verlieren.

Nach einem Ruhetag haben einige Fahrer Probleme wieder in den richtigen Rhythmus zu finden. Doch bei den Favoriten wird man nichts dem Zufall überlassen und auch am Ruhetag die optimale Balance zwischen Erholung und “im Rhythmus bleiben” gesucht haben. Dennoch wird vielleicht nicht jeder die optimale Tagesform erwischen.

Die Strecke

Karte der 16. Etappe der Vuelta 2018

Beim ersten Blick ins Roadbook sortiert man das Zeitfahren in die Kategorie “flach und schnell” ein. Doch wie so oft bei der Vuelta fördert der zweite Blick ein etwas anspruchsvolleres Gesicht der Etappe zutage. Es dürften mehr als 400 Höhenmeter sein, die auf den 32 Kilometern bewältigt werden müssen. Es ist ein hügeliger und durchaus anspruchsvoller Kurs.

Gleich nach dem Start geht es rund einen Kilometer bergan. Nach einer Passage, wo es gut rollt, beginnt bei etwa Halbzeit der Strecke der nächste längere Anstieg. Man muss sich die Kräfte gut einteilen und darf nicht zu schnell beginnen, aber auch nicht zu langsam starten. Denn das letzte Drittel der Strecke ist komplett flach und man kann hier wohl nicht mehr extrem viel Zeit gutmachen. Auf den letzten Kilometern gibt es noch einige Kurven und es wird eine kleine Schleife mit U-Turn gefahren, ehe es rechts weg auf die Zielgerade geht.

Die letzten Kilometer der 16. Etappe der Vuelta2018

 

Die Favoriten

Der absolute Top-Favorit ist Rohan Dennis. Der exzellente Zeitfahrer hat sich den Sieg zum Auftakt der Vuelta geholt und er wird auch hier zuschlagen wollen. Europameister Victor Campanearts braucht wohl einen Top-Tag um Dennis gefährlich werden zu können. Zu gern würde sich Jonathan Castroviejo für die EM-Niederlage bei Campenaerts revanchieren. Dem Spanier fehlte in Glasgow nur eine Sekunde und er ist auf heimischem Boden sicher besonders motiviert. Die Chance auf eine Top-Platzierung hat sicher auch Nelson Oliveira. Mit Michal Kwiatjowski wäre auf diesem Terrain wohl auch zu rechnen gewesen, doch nach seinem Sturz am Sonntag wird der Pole wohl nicht bei 100% sein.

 
***** Rohan Dennis
**** Victor Campanearts
*** Jonathan Castroviejo
** Nelson Oliveira
* Wilco Kelderman, Alejandro Valverde, Ion Izagirre

Start erster Fahrer: 14:06 Uhr
Ziel letzter Fahrer: ~17:40 Uhr

 

 

Weitere Artikel zur Vuelta 2018:
Podcast-Vorschau mit Johannes Fröhlinger
Die Favoriten mit ihren Stärken & Schwächen

Die weiteren Etappen mit Profil zum durchklicken:
17. Etappe | 12. September | Getxo – Balcón de Bizkaia | 157 km (Bergankunft)
18. Etappe | 13.September | Ejea de los Caballeros – Lleida | 186,1 km
19. Etappe | 14. September | Lleida – Andorra. Naturlandia | 154,4 km (Bergankunft)
20. Etappe | 15. September | Andorra. Escaldes-Engordany – Coll de la Gallina. Santuario de Canolich | 97,3 km (Bergankunft)
21. Etappe | 16. September | Alcorcón – Madrid | 100,9 km