Mitchelton-Scott – der Plan geht auf

Beim Giro dominierte Simon Yates während der ersten zwei Wochen, brach dann jedoch ein. Nun gelang bei der Vuelta die Revanche. Dabei ging die Taktik des Mitchelton-Scott-Teams perfekt auf. Yates nutze in der ersten Woche die Revalität der Konkurrenz und machte auf der vierten Etappe 30 Sekunden gut. Dabei schien es, als sei er noch nicht in Top-Form, denn bei der ersten langen Bergankunft büßte er hingegen etwas Zeit ein. Dafür war er in der Schlusswoche mit Abstand der Stärkste, fuhr clever und holte sich verdient den Sieg.

Sein Team zeigte erneut, dass es kompromisslos einem Plan folgt. Zwar “durfte” Matteo Trentin bei den Sprints reinhalten, aber auch er musste seine Helferaufgaben erfüllen. Das Team verfolgte nur ein Ziel und ordnete dem alles unter. Bruder Adam Yates war in der ersten Woche kaum zu sehen, hielt sich absichtlich zurück um in der letzten Woche voll da zu sein. Auch dieser Plan ging auf. Adam Yates war in den letzten Bergetappen der wichtigste Helfer für seinen Bruder und einer der stärksten Fahrer des gesamten Pelotons.

Mitchelton-Scott zeigt das, was man auch von Sky kennt und sicher bei vielen Teams mit Siegambition in den nächsten Grand Tours sehen wird: Es gibt nur ein Ziel, mit dem Kapitän am Ende ganz oben zu stehen. Der Rest ist egal. 

 

 

Enric Mas – die Entdeckung dieser Vuelta

Dass Enric Mas über großes Potenzial verfügt, war schon zuvor nicht wenigen aufgefallen. Bereits 2016, in seinem letzten Jahr in der U23-Klasse, war er bei vielen Rundfahrten einer der stärksten Fahrer, holte Siege und Podestplätze. Im Jahr 2017 wurde er Profi und fuhr wenige Tage nach seinem 22. Geburtstag sein erstes WorldTour-Rennen. Wer sehr früh Profi wird, braucht meist eine Zeit für die Anpassung, Mas nicht. Er war in seiner körperlichen Entwicklung schon recht weit und wurde im Mai 2017 bei der Burgos-Rundfahrt Gesamtzweiter. Ohne Frage beeindruckend, für einen Neo-Profi. Doch was Mas in seinem zweiten Profijahr zeigt, ist mehr als beeindruckend. Im Baskenland holte er einen Etappensieg, die Tour de Suisse beendete er als Vierter und nun steht er auf dem Podium der Vuelta.

Dabei ist weniger der Fakt, dass sich der starke Kletterer Mas ganz vorn behaupten konnte, so beeindruckend, sondern das wie. Quick-Step war mit einem Team für Elia Viviani zur Spanien-Rundfahrt gereist. Mas bekam freie Fahrt und sein stärkster Mann für die Berge war Dries Devenyns. Kletterer Laurens De Plus durfte sogar in die Ausreißergruppen gehen. Aber Mas brauchte keine starke Mannschaft. Er fuhr clever, und bis zur letzten Woche eher unauffällig. Dass er am Ende einer intensiven Vuelta neben Yates der stärkste Fahrer war, zeigt sein außergewöhnliches Talent. Man darf gespannt sein, wie er mit dem Druck umgeht, denn ab jetzt ist er bei den Rundfahrten einer der Top-Favoriten.

 

 

Emu Buchmann – nicht das gewünschte Ergebnis, aber ….

Mit Platz 12 am Ende der Vuelta ist Emanuel Buchmann sicher nicht ganz zufrieden. Es war seine erste Rundfahrt, die er als Kapitän bestritt und er wollte gern am Ende unter den Top-10 landen. Die Erwartungen von Fans und Medien waren vor dem Rennen groß. Und das auch zurecht. Denn Buchmann hat gezeigt, was er kann und er wollte den nächsten Schritt machen. Doch man sollte genauer hinschauen und Buchmann nicht vorschnell abschreiben. Es war seine erste Tour als Leader und er wird sicher einges gelernt haben. Auch, dass es manchmal eben einfach nicht läuft. Ein blöder Sturz, gleich zu Beginn, die größere Anspannung wegen des Drucks und eben auch die Besonderheiten der Vuelta. Buchmann war in der letzten Woche an den Anstiegen oft früh abgehängt, fightete aber verbissen um jede Sekunden. Er hat sein Ziel nicht erreicht, aber vielleicht motiviert ihn das noch mehr, als je zuvor. 

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Movistar – auf der Suche 

Zwei Etappensiege und zwei Fahrer in den Top-10 – man kann dem Movistar-Team keine schlechte Vuelta vorwerfen. Aber der Anspruch ist etwas anderes als Top-10 Plätze. Insgesamt 26 Siege hat das Team von Eusebio Unzué in diesem Jahr eingefahren – die meisten steuerte der 38-jährige Alejandro Valverde bei. WorldTour-Mittelfeld, mehr nicht. Seit dem Giro 2017 stand kein Fahrer des Teams mehr auf dem Podium einer Grand Tour.

Nairo Quintana fährt seit seinem Sieg bei der Vuelta 2016 nicht mehr auf dem Niveau, eine Grand Tour gewinnen zu können. Die Gründe mögen vielfältig und plausibel sein, doch einer Mannschaft, die vor 15 Jahren die großen Rundfahrten dominierte, droht ein nachhaltiger Imageverlust. Mit Richard Carapaz hat man einen Mann der Zukunft und Mikel Landa ist in Top-Form in der Lage bei großen Rundfahrten um den Sieg mitzufahren – aber es braucht scheinbar eine neue Hierarchie im Team. Die Zeiten, in denen man mit drei Kapitänen am Start eine Rundfahrt gewinnen kann, scheinen spätestens seit der Reduzierung der Mannschaftsstärke vorbei. Neben Carapaz hat man mit Marc Soler ein weiteres großes Rundfahrtalent im Team – vielleicht findet 2019 schon eine Wachablösung in der spanischen Mannschaft statt. Eusebio Unzué ist ein Mann, der genau weiß was er will, und wie man es erreicht.

 

Adam und Simon bereit für die WM

Das WM-Straßenrennen wird genau zwei Wochen nach der Schlussetappe der Vuelta ausgetragen. Das Profil ist ideal für explosive Kletterer und somit sicher ganz nach dem Geschmack der Yates Brüder. Simon ist nach dem Sieg bei der Vuelta sicher einer der Favoriten, aber sein Bruder ist vielleicht sogar noch stärker einzuschätzen. Denn während Simon die ganzen drei Wochen Anschlag fahren musste, hat sich Adam in den ersten zwei Wochen zurückgehalten und offenbar in eine beeindruckende Form gebracht. Bei der Tour lief es nicht nach Plan, doch danach legte er eine Pause ein und fuhr nun die Vuelta. Was er während der letzten schweren Bergetappen der Vuelta zeigte, war sehr, sehr beeindruckend. Man sollte Adam Yates ganz oben auf die Favoritenliste setzen, denn diesmal würde sich sein Bruder sicher ebenso für ihn ins Zeug legen, wie Adam es bei der Vuelta getan hat.