Insgesamt 26 Saisonerfolge, Etappensiege bei allen drei Grand Tours, Gesamtsieg bei Paris-Nizza, Top-5 bei Giro & Vuelta, dazu Gesamtrang sieben bei der Vuelta – die Saison 2018 kann mit diesen Ergebnissen kein schlechtes Jahr sein. Doch für eine Mannschaft wie Movistar liegt die Messlatte enorm hoch. Mit Nairo Quintana, Mikel Landa und Alejandro Valverde im Team, ist eine Saison ohne Podestplatz bei den Grand Tours eher enttäuschend. Doch bei Vuelta und Giro verpasste man das Podium nur knapp und bei der Tour schwächelte Leader Nairo Quintana. Zudem stürzte Co-Kapitän Mikel Landa früh im Rennen und schien erst in der Schlusswoche wieder im Vollbesitz seiner Kräfte.

 

Starker Nachwuchs

Immer wieder wurde diskutiert, wie grün sich die drei Kapitäne denn nun wirklich sind und ob sie bei der Tour wirklich füreinander und nicht gegeneinander fahren. Doch das Thema hatte sich schnell erledigt, als abzusehen war, dass weder Quintana, noch Landa oder Valverde um den Sieg fahren können. Während sich die Aufmerksamkeit meist auf die “großen drei” konzentrierte, nutzen die Talente konsequent ihre Chancen. So holte sich der 24-jährige Marc Soler im März den Sieg bei Paris-Nizza und leistete dann bei der Tour enorm wichtige Helferdienste.  

Auch Richard Carapaz setzte sich in Szene. Beim Giro verpasste er das Weiße Trikot knapp, wurde mit 24 Jahren Gesamtvierter und holte sich einen Etappensieg. Der Kolumbianer hat gezeigt, dass er bereit ist, das Team bei einer Grand Tour zu führen. 

 

Valverde stark wie immer 

Seit Jahren ist Verlass auf Oldie Alejandro Valverde. Der 38-Jährige hatte seine Saison so aufgebaut, dass er in Top-Form zur WM reist. Der erste Form-Peak war im Frühjahr. So gewann er erst die Valencia-Rundfahrt, dann die Abu Dhabi Tour und anschließend souverän die Katalonien-Rundfahrt. Doch bei Valverde von Form-Peak zu sprechen ist schwierig, denn der Spanier fährt während der gesamten Saison auf einem sehr, sehr hohen Niveau. Bei der Tour war er in der Helferrolle, aber bei der Vuelta holte er zwei Etappensiege und sprang als GC-Mann für den erneut schwächelnden Quintana ein. Em Ende verpasste er das Podium nur knapp. Doch sein großes Saisonhighlight war ohnehin die WM und dort holte er souverän seinen so lange erhofften Titel.

 

Wo gehts hin?

Sowohl Giro, als auch Vuelta hat Nairo Quintana in seiner Karriere bereits gewonnen und bis vor wenigen Jahren sah es so aus, als wäre auch der erste Toursieg nur eine Frage der Zeit. Doch Quintana scheint sich aktuell eher vom großen Triumph in Frankreich zu entfernen, als diesem schrittweise näher zu kommen. Mikel Landa hat großes Potenzial, konnte das aber bislang noch nicht für sich selbst nutzen. Und selbst Alejandro Valverde wird irgendwann altern und der seeehr lange Herbst seiner Karriere zu Ende gehen. So stellt sich die Frage nach der Zukunft. Teammanager Eusebio Unzué ist ein Radsportfuchs und weiß um die Situation. Marc Soler und Richard Carapaz werden Druck erzeugen und das kann von Vorteil sein. Doch er muss den jungen Talenten Perspektiven bieten. Einen großen Umbruch wird es zur neuen Saison erwartungsgemäß nicht geben, doch man darf gespannt sein, wie Unzué seine Kapitäne auf die Rennen verteilt.

Der Kader ist auch 2019 stark besetzt und es wird einige große Erfolge zu feiern geben. Doch beim Team von Eusebio Unzué, der in seiner Manager-Karriere bereits 14 Grand-Tour-Siege gefeiert hat, will man Podestplätze bei den großen Landesrundfahrten. Mindestens. Die Konkurrenz ist nicht kleiner geworden und man muss bei der spanischen Ausnahmemannschaft aufpassen, beim Kampf um Grand-Tour-Siege nicht gänzlich den Anschluss zu verlieren.


Saisonbilanz der Teams 2018 – alle Folgen:

Folge 1 – Die Bilanz der WorldTour-Teams | Das beste Team der Welt

Folge 2 – Team Sky im Soll

Folge 3 – Bora-hansgrohe – mehr als Sagan

Folge 4 – BMC auf Abschiedstour

Folge 5 – Mitchelton-Scott – Yates & Yates + X

Folge 6 – Astana – konstant erfolgreich

Folge 7 – Bahrain-Merida – trotz Pech erfolgreich

Folge 8 – Movistar – fast zu wenig für ein Top-Team

Folge 9 – Sunweb – wenig Siege, aber starke Grand Tours

Folge 10 – LottoNL-Jumbo – Roglic & Groenewegen als Erfolgsgaranten

Folge 11 – AG2R – da geht viel mehr

Folge 12 – mäßiges Jahr für UAE Team Emirates  

Folge 13 – Trek-Segafredo – Degenkolb sorgt für Highlight

Folge 14 – Groupama-FDJ – gutes Frühjahr, solider Sommer, starker Herbst

Folge 15 – Lotto-Soudal – Greipel-Zoff & solide Ergebnisse 

Folge 16 – EF-Drapac – zu wenig Siege

Folge 17 – ein katastrophales Jahr für Katusha-Alpecin

Folge 18 – Dimension-Data – ein verkorkstes Jahr