Es ist Samstagnachmittag, der Tag zwischen E3 BinckBank Classic und Gent-Wevelgem. Gut zwei Wochen bis Paris-Roubaix, John Degenkolbs wichtigstem Renntag der Saison. Degenkolb sitzt in einem Campingstuhl auf dem Parkplatz des Teamhotels und scherzt mit den Mechanikern, die gerade seine Rennmaschine fertig machen.

“Muss ich jetzt etwa aufstehen?”, schießt Degenkolb mit einem Grinsen in meine Richtung und macht sich auf den Weg zur Segafredo-Maschine. Er ist entspannt, auch wenn es am Tag zuvor nicht perfekt lief. Degenkolb liebt die Klassiker und wenn man mit ihm über diese Rennen spricht, ist das in jeder Sekunden zu merken.

Wir sind verabredet um über seine Crowdfunding-Aktion zur Rettung vom Junioren-Rennen des Pflasterklassikers Paris-Roubaix zu sprechen. Denn durch die Aktion, die Degenkolb ins Leben gerufen hatte, wurde es möglich, dass am Tag “seines” Paris-Roubaix auch die U19 auf dem legendären Pflaster ein hartes Rennen erleben kann.

John Degenkolb, mit “seinem Stein” – Paris-Roubaix-Sieger 2015

Feedback und Anerkennung im Peloton

“Es war schon krass, was ich im Peloton für ein Feedback bekommen habe”, sagt Degenkolb und blinzelt gegen die Sonne. “Das hat mich echt gefreut. Auch wenn man sieht, ein Fahrer wie Heinrich Haussler war einer der Ersten die gespendet haben. Uns Profis ist bewusst, wo wir herkommen, dass wir vielen Leuten etwas zu verdanken haben und da kann man auch etwas zurückgeben”, sagt Degenkolb ruhig. Es ist ihm ernst, das merkt man. Er schiebt fast entschuldigend nach: “Ich bin das Rennen ja selbst nie gefahren, aber wenn du schaust, wer da gewonnen hat, das sind heute alles gute Rennfahrer” . 

Es ist Degenkolbs Liebe zu Paris-Roubaix und der Respekt vor der Arbeit des Vereins Les Amis de Paris-Roubaix, die das historische Pflaster pflegen. “Hast du gesehen,  die haben den ersten Teil des Arenbergs fast komplett ausgebuddelt und wieder eingesetzt, irre!”, schießt es aus Degenkolb heraus.

Keine Sekunde habe er gezögert, als er von den Problemen des Junioren-Rennens erfährt. “Ich habe das bei Twitter gelesen und gedacht: das kann doch nicht sein” , sagt Degenkolb. Das Junioren-Rennen wird nicht vom Veranstalter-Riesen ASO organisiert, sondern vom kleinen Vélo-Club de Roubaix Lille Métropole.

“Es fehlten 10.000 €. Klar, das ist viel Geld, aber das kann doch nicht sein, dass deswegen dieses Rennen nicht stattfindet”. Degenkolb bespricht sich mit seinen Freunden und Florian Jöckel von der Agentur Pantera Rosa. “Wir wollten was machen und die Crowdfunding-Aktion fand ich eine gute Idee”, sagt Degenkolb. Sie nehmen gleich Kontakt mit den Veranstaltern, dem Vélo-Club de Roubaix Lille Métropole, auf.

“Die waren voll von den Socken”, sagt Degenkolb und muss grinsen, “Als Florian angerufen hat, er kann gut Französisch, da sind die quasi in Tränen ausgebrochen. Die konnten das gar nicht glauben”, sagt Degenkolb. Er hatte ihnen direkt zugesagt, dass sie fehlenden 10.000 € definitiv kommen werden und das Rennen gesichert ist, auch wenn aus der Cowdfunding-Aktion nichts geworden wäre. 

“Das Ziel waren die 10.000 € und über Nacht war die Summe zusammen, das war Wahnsinn”, sagt Degenkolb. Nach ein paar Tagen wurde die Aktion beendet und es waren mehr als 17.000 € zusammengekommen. Der “Überschuss” geht an die Les Amis de Paris-Roubaix für die Pflege des Pflasters. 

Degenkolb & das Pflaster von Roubaix – sein Tour-Etappensieg 2018

Supporter-Shirts

Alle Spender, die sich mit mehr als 25 € beteiligt hatten, erhielten ein “Supporter-T-Shirt”. Der Veranstalter hat auch für die Starter des U19-Rennens T-Shirts geordert. 

“Ich hoffe, dass sich das Rennen langfristig halten kann und dass vielleicht noch mehr Sponsoren kommen”, sagt Degenkolb. “Ich weiß, dass es extrem schwer ist, für solch kleine Rennen die auch nicht im TV zu sehen sind, Unterstützer zu bekommen”, sagt Degenkolb und will auf jeden Fall Kontakt zu den Veranstaltern halten. “Doch im Moment konzentriere ich mich erstmal auf meine Klassiker-Saison”, sagt Degenkolb. Am Tag nach dem Gespräch wird er Zweiter bei Gent-Wevelgem. Ein gutes Zeichen, für die Form und das ganz große Ziel: Pflasterstein Nummer zwei.

 

 
 
 
 
 
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