Die Ronde van Vlaanderen ist das zweite Monument des Jahres und das wichtigste Rennen in Belgien. Für die radsportverrückten Flamen ist “ihre Ronde” Nationalheiligtum, Volksfest und einer der wichtigsten Tage des Jahres. Beeindruckende Massen säumen die Strecke und machen das Rennen für die Profis zu einem einzigartigen Erlebnis. 

“Schon als Jugendlicher und in der U23-Klasse bin ich gerne diese Wettkämpfe gefahren und habe Belgien seitdem in mein Herz geschlossen. Die Stimmung ist hier einzigartig. Das Publikum kann dich mitreißen und versteht auch sehr viel von den Rennen und weiß über die Fahrer Bescheid. Zum anderen liegt mir die Art, wie hier gefahren wird und der Charakter der Rennen. Abteilung Attacke – heißt hier das Motto”, schwärmt Nils Politt im Interview bei Alpecin-Cycling von den flämischen Rennen.

Mit 270 Kilometern und 17 Anstiegen ist es ein sehr schweres Rennen. Nur die allerbesten Klassikerfahrer der Welt kommen als Sieger in Frage. Überraschungssieger sind fast ausgeschlossen. Im Rennverlauf gibt es ein hartes Ausscheidungsrennen. Auf den schmalen Straßen ist die Position enorm wichtig und vor jedem Anstieg wird ein Sprint gefahren, um möglichst weit vorn zu sein.



 

“Ich liebe es einfach, auf den engen Straßen und dem Pflaster angriffslustig zu fahren. Ich mag es, ein hohes Tempo zu bolzen, zwei Stunden lang Anschlag zu fahren und an meine Leistungsgrenzen zu gehen”, so Politt, dem Paris-Roubaix etwas mehr liegt, als die Ronde. “Ich glaube, um bei der Ronde ganz vorne zu sein, brauche ich noch das eine oder andere Jahr für den nächsten Step. Ich merke aber von Jahr zu Jahr, dass ich besser werde” so Politt.

Profil Flandern-Rundfahrt 2019

Die Strecke

Die Strecke der 103. Flandern-Rundfahrt hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Das Rennen startet zum dritten Mal in Folge in Antwerpen, und hat Brügge als Startort abgelöst. Über 270,1 anspruchsvolle Kilometer geht es nach Oudenaarde. Insgesamt sind 17 Hellinge zu meistern und eine wichtige Passage bleibt das Kwaremont-Paterberg Doppel. Wie schon 2018 wird der Oude Kwaremont 3x und der Paterberg 2x erklommen. Auch die legendäre Muur von Geraardsbergen bleibt Teil des Parcours. Der Edelareberg wird 2019 nicht passiert, dafür kommt die Steigung Ladeuze hinzu. Auch der Pottelberg ist 2019 nicht im Programm.

Nach dem Start in Antwerpen führt die Strecke gen Südwesten und das Peloton passiert nach knapp 100 Kilometern den Zielort Oudenaarde, wo es vorbei am Ronde-Museum in Richtung flämische Ardennen geht.

Wenig später steht die erste von insgesamt drei Oude-Kwaremont-Passagen an und es beginnt die Kletterei. Über Teile des „alten“ Ronde-Kurses geht es über Leberg, Berendries und Tenbosse zur Muur von Geraardsbergen. Vom Gipfel der berühmten Kappelmuur sind es noch 99 Kilometer bis ins Ziel.

Über den Kanarieberg führt der Parcours zurück zum Oude Kwaremont. Nun beginnt das harte Finale des Rennens.

Das Finale

Zunächst geht es über das Oude Kwaremont–Paterberg–Doppel und dann in einer kleinen Schleife über KoppenbergSteenbeekdriesTaaienberg und Kruisberg wieder zurück zum Oude Kwaremont. Der Paterberg ist der letzte Anstieg des Tages. Vom Gipfel sind es noch 13,5 Kilometer bis zum Zielstrich in Oudenaarde.

 

Die Hellinge

1. Oude Kwaremont 2200m -Ø 4% – Max. 11,6%   
2. Kortekeer 1.000m -Ø 6,4% – Max. 17%,  
3. Eikenberg 1.500m – Ø 4,2% – Max. 7%  
4. Wolvenberg 645m – Ø 7,9% – Max. 17,3%  
5. Leberg 950m -Ø 4,2% – Max 13,8%  
6. Berendries 940m -Ø 7% – Max. 12,3%  
7. Tenbosse 450m -Ø 6,9% – Max. 8,7%  
8. Muur van Geraardsbergen 475m – Ø 9,3% – Max. 19,8%  
9. Kanarieberg 1000m -Ø 7,7% – Max. 14%  
10. Oude Kwaremont – 2200m -Ø 4% – Max. 11,6%   
11. Paterberg 360m – Ø 12,9% – Max. 20,3%   
12. Koppenberg 600m -Ø 11,6 % – Max. 22 %   
13. Steenbeekdries 700m -Ø 5,3% – Max. 6,7%  
14. Taaienberg 530m -Ø 6,6% – Max. 15,8%   
15. Kruisberg 2500m -Ø 5% – Max. 9% –  
16. Oude Kwaremont – 2200m -Ø 4% – Max. 11,6%   
17. Paterberg Ø 12,9% – Max. 20,3% 

 

Die Favoriten

Das Rennen ist sehr lang und extrem schwer, hier kommen nur die ganz großen Namen als Sieger in Frage. Zdenek Stybar, Greg van Averamert, Peter Sagan, Niki Terpstra, Bob Jungels, Philippe Gilbert – diese Namen tauchen in den Favoritenlisten ganz oben auf. Im Unterschied zu den vergangenen Jahren gibt es keinen absoluten Top-Favoriten. Die großen Stars scheinen auf Augenhöhe.
Zdenek Stybar hatte bislang ein herausragendes Frühjahr – siegte beim Omloop Het Nieuwsblad und beim E3-Harelbeke. Vielleicht ist er Kapitän beim Team Deceuninck-QuickStep, dass vor allem durch die Mannschaftsstärke die Rennen für sich entschied. Mit Bob Jungels, Sieger von Kuurne-Brüssel-Kuurne, hat man einen Fahrer, der früh angreifen und ein langes Solo durchziehen kann. Ähnliches gilt für Philippe Gilbert, auch wenn der Routinier nicht in der Verfassung vergangener Jahr scheint. Yves Lampaert ist die vierte Option im Team von Patrick Lefevere.

Niki Terpstra würde seinen Titel gern verteidigen, aber nach seinem Abschied von QuickStep hat er nicht mehr ein übermächtiges Team an seiner Seite, auch wenn seine Direct-Energie-Mannschaft in diesem Frühjahr bislang überraschend stark auftritt. 

Auch Greg van Avermaet hat kein übermächtiges Team an seiner Seite und muss es im Finale selbst richten. Zu gern würde er die Ronde endlich mal gewinnen, nachdem er bereits mehrfach auf dem Podium stand. Aber auch er scheint nicht so überlegen zu sein, dass er ohne Team locker zum Sieg rollen kann.

Bora-hansgrohe-Kapitän Peter Sagan ist sicher einer der Top-Favoriten. Doch vor einigen Wochen wurde er von einem heftigen Virus ausgebremst und scheint nicht so stark, wie in den vergangenen Jahren. Zudem hat er sein Frühjahr anders geplant, will bei Lüttich-Bastogne-Lüttich ebenfalls um den Sieg mitfahren.

 

Naesen und Vanmarcke mit Problemen, Benoot gut drauf

Oliver Naesen war in herausragender Form, hat sich dann aber eine Erkältung eingefangen und so muss man abwarten, wie fit er am Sonntag am Start steht. Das gilt auch für Sep Vanmarcke, der sich bei einem Sturz beim E3-Prijs das Knie verdreht hat. 

Möglicherweise schlägt auch die große Stunde von Tiesj Benoot. Beim Omloop gestürzt kam er anschließend immer besser in Schwung. Seine Lotto-Soudal-Equipe ist gut aufgestellt, Benoot ist nicht der ganz große Favorit und wird deshalb nicht ganz so beobachtet wie Sagan oder van Avermaet. Doch um zu gewinnen, müsste er wohl allein in Oudenaarde ankommen. Keine leichte Aufgabe.

 

Die Crosser 

Große Freude bereiten den Radsportfans in diesem Frühjahr die besten Crosser der Welt. Mathieu van der Poel und Wout van Aert fahren mutig, stark und erfolgreich. Ob sie bereit sind, auch bei der Ronde um den Sieg zu fahren, wird sich Sonntag zeigen. Nach den letzten Auftritten der beiden muss man sagen: vermutlich sind sie mehr als bereit, die ganz großen Jungs in echte Schwierigkeiten zu bringen. Sie sind top-motiviert und haben nichts zu verlieren – eine ideale Ausgangsposition.

 

Die Außenseiter

Gespannt darf man auf Michael Matthews sein. Der Sunweb-Kapitän ist in sehr guter Form, kommt gut die Berge hinauf und ist endschnell. Doch ob er die harten Positionskämpfe und die Sprints in die Hellinge auf Dauer verkraftet, muss man abwarten. Alexander Kristoff hat bei Gent-Wevelgem gezeigt, dass er in sehr guter Form ist. Doch für einen Ronde-Sieg bräuchte er schon die Über-Form von 2014.
Magnus Cort, Nils Politt, Michael Valgren, Edvald Boasson Hagen, Arnaud Démare, Matej Mohorič und auch das Trek-Segafredo-Trio John Degenkolb, Jasper Stuyven und Mads Pedersen gehören zum erweiterten Kreis der Favoriten.

***** Greg van Avermaet, Zdenek Stybar
**** Wout van Aert, Peter Sagan
*** Mathieu van der Poel, Tiesj Benoot, Bob Jungels, Niki Terpstra
** Oliver Naesen, Philippe Gilbert,  Yves Lampaert, Matteo Trentin,
* John Degenkolb, Nils Politt, Mas Pedersen, Jasper Stuyven, Alejandro Valverde, Luke Rowe

 

Start: 10:30 Uhr
Ziel: ~17:10 Uhr

Wettervorhersage: 14-18 Grad, Niederschlag ist möglich, leichter Wind von Nordost

Die (vorläufige) offizielle Startliste findest du hier oder bei PCS

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Frauen & Junioren

Auch 2019 gibt es ein Frauenrennen. Dieses startet, wie in den vergangenen Jahren auch, in Oudenaarde. Es geht über 157 Kilometer und einen etwas schwereren Parcours als 2018. Der Taaienberg wurde zur Strecke hinzugefügt und das Finale ist mit Oude Kwaremont und Paterberg mit dem Männer-Finale identisch. Auch die Rennen für die Junioren bleiben im Programm. Diese Rennen werden zwischen Herzele und Geraardsbergen ausgetragen. Alle Infos: rondevanvlaanderen.be