Das Amstel Gold Race ist der Auftakt der Ardennen-Woche, denn nach dem niederländischen World-Tour-Rennen folgt am Mittwoch der Fleche Wallonne (24. April) und am Sonntag (28. April) Lüttich-Bastogne-Lüttich. Alle drei Rennen werden als die “hügeligen Klassiker” zusammengefasst, haben aber durchaus unterschiedliche Charaktere. Auch wenn es ähnliche Fahrertypen sind, die zu den Top-Favoriten zählen.

Gespickt mit unzähligen kurzen Anstiegen ist das Amstel Gold Race etwas für die bergfesten Klassikerfahrer. “Es ist ein Rennen für explosive und endschnelle Fahrer, weniger für reine Kletterer”, erklärt José Azevedo, Sportdirektor bei Katusha-Alpecin. “Es ist ein nervöses Rennen, über schmale Straßen”, so Azevedo über die Besonderheiten des Rennens.



 Das “Rennen der Windmühlen” führt durch die Region Limburg im Dreiländereck von Niederlande, Belgien und Deutschland. Fest verbunden ist das “Bier-Rennen”, benannt nach der Sorte Amstel, mit dem berühmten Cauberg in Valkenburg. Bei der 54. Austragung wird der giftige Anstieg drei Mal erklommen. In den vergangenen Jahren hatte man den Parcours immer wieder verändert, um das Rennen spannender zu machen. Dieser Plan ging 2018 perfekt auf und so hat man die Strecke in diesem Jahr nur geringfügig verändert. Mit 265 Kilometern Länge und 35 Anstiegen ist es ein sehr schweres Eintagesrennen.

 

Die Strecke

Gestartet wird das Rennen nicht mehr auf dem Markt in Maastricht, sondern am “Vrijthof”, wenige Meter entfernt. Der neue neutralisierte Startort ist auch die größte Veränderung im Parcours. Zielort bleibt im Rijksweg in Berg en Terblijt rund 1800 Meter hinter dem Cauberg.

Profil des Amstel Gold Race 2019

Auch die drei großen Schleifen durch Süd-Limburg bleiben gleich. Insgesamt müssen die Fahrer mehr als 4000 Höhenmeter bewältigen. Nach 55 Kilometern wird der Cauberg zum ersten Mal erklommen und es geht danach durchs Ziel. Anschließend führt die Strecke in einer großen Schleife nach Südosten an die deutsche Grenze und dann ein kleines Stück durch Belgien. 84,5 Kilometer vor Ende wird das Ziel erneut passiert und es geht weiter zum Geulhemmerberg, Bemelerberg und anschließend gen Osten. Wenig später beginnt das Finale des Rennens.

Das Finale

Etwa 55 Kilometer vor dem Ziel wird die Finale Phase eingeläutet. Nach Loorberg und Gulpenberg geht es ab dem Kruisberg mit Anstiegen Schlag auf Schlag. Innerhalb von 10 Kilometern warten mit Kruisberg, Eijserbosweg, Fromberg und dem gefürchtete Keutenberg gleich vier steile Anstiege. Gut möglich, dass bereits hier eine Vorentscheidung fällt.

Nach dem Keutenberg führt die Strecke auf einem windanfälligen Höhenzug entlang in Richtung Cauberg. Dieser wird dann zum letzten Mal, 17,5 Kilometer vor dem Ziel, passiert. 

Die “neue” Finale Runde

Es folgt die 2018 neu eingeführte Finale Runde. Auf der rund 16 Kilometer langen Schlussrunde hatte man gezielt nach kleineren, schmaleren Straßen gesucht, die es dem Feld schwerer machen, das Rennen zu kontrollieren. Zunächst geht es zum Geulhemmerberg, und dann nicht mehr auf der breiten Rasbergstraße in Richtung Maastricht, sondern entlang des parallel zum Rasberg verlaufenden Kuitenbergweges in Richtung Amby (Maastricht). Anschließend geht es über Molenweg und den Peutgensweg über den Rasberg nach Bemelen. 

Nach dem Bemelerberg fahren die Fahrer nicht geradeaus, an der berühmten Windmühle von Wolfshuis vorbei, sondern biegen links in das Dorf Gasthuis in Richtung Terblijt ab. In Terblijt geht es weiter über den Rijnsbergerweg bis zum letzten Kilometer auf dem Sibberweg.

Die letzten Kilometer des Amstel Gold Race 2019

 

Große Veränderung bereits 2017

Bereits 2017 hatten man die Strecke des Rennens stark verändert. Der letzte Aufstieg zum Cauberg wurde gestrichen, um das Rennen zu animieren. Man habe gesehen, dass diese einfache Veränderung das Rennen viel attraktiver gemacht habe, hatte sich Rennchef Leo van Vliet anschließend geäußert. “Mit der neuen Änderung müssen die Anwärter auf den Sieg nun eine gute Position finden, bevor sie ins Finale kommen oder sich bereits vom Feld abgesetzt haben”, so van Vliet vor dem Rennen 2018. Der spannende Rennverlauf gab den Planern recht. 

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Die Favoriten

Die neue Streckenführung hat das Amstel Gold Race offener gemacht. Während früher für den Sieg am Cauberg maximal ein Dutzend Fahrer in Frage kam, bietet der neue Parcours vielen Fahrern die Chance auf einen Erfolg. Kommt es zum Sprint einer größeren Gruppe, sind Fahrer wie Michael Matthews, Matteo Trentin, Peter Sagan, Sonny Colbrelli oder auch Alejandro Valverde die Favoriten. Aber es gibt eine ganze Reihe von Profis, die einem Sprint aus dem Weg gehen wollen. Beispielsweise Oliver Naesen, Michael Valgren, Dylan Teuns, Jakob Fuglsang, Alexey Lutsenko, Greg van Avermaet, Julian Alaphilippe oder Wout van Aert. 

Ein Mann, der beeindruckend sprinten kann, stark bergauf ist und in herausragender Form am Start stehen wird, ist Cross-Weltmeister Mathieu van der Poel. Der Niederländer hat am Mittwoch auf beeindruckende Weise den Pfeil von Brabant gewonnen und ist einer der absoluten Top-Favoriten für das Amstel. Natürlich weiß auch die Konkurrenz um die Stärke des Niederländers und so wird man versuchen, ihn möglichst abzuhängen. Das Corendon-Circus-Team von “MvdP” zählt nicht zu den stärksten Mannschaften, sodass Van der Poel im Finale vielleicht selbst viel Energie aufwenden muss, um an den wichtigen stellen in guter Position zu sein.

Michael Matthews zählt seit Jahren zu den Top-Favoriten, stand 2015 bereits auf dem Podium. Dass seine Form sehr gut ist, lässt sich an seinen Resultaten ablesen: Etappensieg in Katalonien, Sechster bei der Ronde, Vierter bei Pfeil von Brabant. Julian Alaphilippe hat ebenso ein tolle Form, ein starkes Team und zählt auch zu den Top-Favoriten. Alejandro Valverde hat nach der Ronde eine Pause eingelegt und will nun in den Ardennen wieder angreifen. Beim Amstel stand er bereits drei Mal auf dem Podium, hat das Rennen aber noch nie gewonnen. 

Mit Roubaix-Sieger Philippe Gilbert ist beim Amstel immer zu rechnen. Er könnte neben Alaphilippe die zweite taktische Option sein. Er ist auf diesem Terrain Weltmeister geworden und hat das Rennen bereits vier Mal gewonnen. Die Bora-hansgrohe-Mannschaft hat neben Peter Sagan auch Maximilian Schachmann und Patrick Konrad dabei. Beide sind gut in Form und können die taktische Option für eine frühe Attacke sein.

Bei Dylan Teuns wartet man schon länger auf einen ganz großen Sieg, und  so stark wie Jakob Fuglsang bei der Baskenland-Rundfahrt war, muss man auch mit ihm rechnen. Katusha-Alpecin geht mit Enrico Battaglin und Nathan Haas in Rennen. Haas war 2017 Siebter beim Amstel Gold Rennen, ist in dieser Saison aber bislang noch nicht so richtig in Schwung gekommen. 

Zwei Fahrer, die bei diesem Rennen stets gute Leistungen zeigten, sind Greg van Avermaet, Enrico Gasparotto und Roman Kreuziger. Sie starten im Team des Titelverteidigers Michael Valgren (Dimension Data). Man darf gespannt sein, was sich das Trio taktisch ausdenkt. Ein heißer Kandidat für einen Platz auf dem Treppchen ist auch Michal Kwiatkowski.

 

***** Mathieu van der Poel
**** Julian Alaphilippe, Michael Matthews
*** Alejandro Valverde, Tim Wellens, Jakob Fuglsang
** Peter Sagan, Matteo Trentin, Alexey Lutsenko, Dylan Teuns, Michal Kwiatkowski
* Max Schachmann, Wout van Aert, Michael Valgren, Enrico Gasparotto, Sonny Colbrelli, Oliver Naesen, Alberto Bettiol

 

Die offizielle Startliste gibt es hier | bei PCS

Start: 10:30 Uhr 
Ziel:  ~17:00 Uhr

TV: Eurosport ab 15.15 Uhr, im Eurosport Player bereits ab 14:45 Uhr

 

Die Anstiege

1. Slingerberg
2. Adsteeg
3. Lange Raarberg
4. Bergseweg
5. Sibbergrubbe
6. Cauberg
7. Geulhemmerberg
8. Heiweg
9. Kallenberg
10. Wolfsberg
11. Loorberg
12. Schweibergerweg
13. Camerig
14. Drielandenpunt
15. Gemmenich
16. Vijlenerbos
17. Eperheide
18. Gulpenerberg
19. Plettenberg
20. Eyserweg
21. St. Remigiusstraat: Huls
22. Vrakelberg
23. Sibbergrubbe
24. Cauberg
25. Geulhemmerberg
26. Bemelerberg
27. Loorberg
28. Gulpenerberg
29. Kruisberg
30. Eyserbosweg
31. Fromberg
32. Keutenberg
33. Cauberg
34. Geulhemmerberg
35. Bemelerberg

Die letzten 12 Sieger
2018 | Michael Valgren
2017 | Philippe Gilbert
2016 | Enrico Gasparotto
2015 | Michal Kwiatkowski
2014 | Philippe Gilbert
2013 | Roman Kreuziger
2012 | Enrico Gasparotto
2011 | Philippe Gilbert
2010 | Philippe Gilbert
2009 | Serguei Ivanov
2008 | Damiano Cunego
2007 | Stefan Schumacher