Am Samstag erwartet die Fahrer erneut ein langer Tag im Sattel. Inklusive der neutralisierten Strecke zum scharfen Start sind es fast 245 Kilometer bis zum Zielstrich in Pesaro. Die Fahrer werden die Anstrengungen der vergangenen Tage spüren und nicht wenige fiebern bereits dem ersten Ruhetag am Montag entgegen. Die Favoriten auf den Gesamtsieg werden versuchen möglichst kraftschonend durchzukommen, denn sie sind am Sonntag beim Einzelzeitfahren voll gefordert.

Der erste Teil der Etappe ist größtenteils flach, doch die zweite Etappenhälfte ist durchaus wellig. Insgesamt müssen mehr als 1700 Höhenmeter überwunden werden. Möglicherweise macht erneut eine Ausreißergruppe den Tagessieg unter sich aus, doch vielleicht kommt es auch zum Massensprint, sollten sich die Sprinterteams in der Verfolgung einig sein. Denn auch wenn es im zweiten Teil der Etappe durchaus wellig ist, bleibt für die Sprinter die Chance zu gewinnen. “Ich werde es versuchen, das ist eine Etappe für mich”, sagte Pascal Ackermann nach Etappe sieben. Dem Deutschen Meister liegen die Sprints nach anspruchsvollen Etappen besonders.

Bora-hansgrohe würde sich also sicher an der Nachführarbeit beteiligen. Mit Unterstützung darf man wohl vom Team Lotto-Soudal rechnen, denn Sprinter Caleb Ewan würde zu gern seinen ersten Etappensieg bei diesem Giro holen. Ob das Team Deceuninck-QuickStep um Elia Viviani auch bei der Nachführarbeit hilft, hängt vom Befinden Vivianis ab. Zuletzt machte der Italienische Meister keinen allzu starken Eindruck. 

Das UAE-Team hat zwar das Rosa Trikot in den eigenen Reihen, aber Sprinter Fernando Gaviria hat den Giro bereits aufgeben müssen. Sollte eine Gruppe wegfahren, die dem Rosa Trikot nicht gefährlich werden kann, würde man sicher lieber die Kräfte schonen. So bliebe wohl nur noch die Groupama-FDJ-Mannschaft, die mit Arnaud Démare im Team ein Interesse an einem Sprint hätte. Sind die drei Teams sich einig, und ist die Gruppe des Tages nicht übermäßig groß, wird es wohl zum Sprint kommen.

Doch man sollte das Finale der langen Etappe nicht unterschätzen. Möglicherweise könnte sogar eine späte Attacke erfolgreich sein, wenn die Helfer der Sprinter ihre Kräfte aufgebraucht haben.

 

Die Strecke

Karte der 8. Etappe des Giro 2019

Der erste Teil der Etappe führt flach entlang der Küste gen Norden. Erst rund 80 Kilometer vor dem Ziel steht der erste echte Anstieg des Tages an. Dann geht es rund 9 Kilometer mit durchschnittlich 4% bergan. Es folgen zwei weitere kategorisierte Anstiege und einige kurze Wellen ohne Bergwertung. Das  Profil im Roadbook sieht einfacher aus, als es tatsächlich ist. Das ist bei Rennen in dieser Region typisch.

Die letzten Kilometer der 8. Etappe des Giro 2019

Das Finale der Etappe ist durchaus knifflig. Zunächst geht es bis etwa 2,5 Kilometer vor dem Ziel bergab. Dabei sind einige Haarnadelkurven zu meistern. Doch die Straße ist breit, nicht sonderlich steil und die Kurven sind gleichmäßig. Etwa 800 Meter vor dem Ziel erreicht man die Straße am Strand und die Fahrer biegen in einer 90-Grad-Kurve auf die Viale Trieste ein. Doch rund 250 Meter vor dem Ziel geht es erneut nach rechts auf die kurze Zielgerade. So wird die Position vor der letzten Kurve besonders wichtig sein. Hier sind starke Helfer und gute Nerven gefragt. 

Das Finale der 8. Etappe des Giro 2019

 

Die Favoriten

Die Etappe scheint perfekt für Pascal Ackermann. Der Deutsche Meister hat zwei Siege auf dem Konto und kann ohne Druck ins Rennen gehen. Ihm liegen die Sprints nach einem schweren Rennen und das dürfte wohl gegeben sein. Zudem hat er starke Helfer und scheut auch keine Lücke, um vor der letzten Kurve in Position zu kommen. Doch auch Caleb Ewan ist gut in Form und sicher top motiviert. Das gilt auch für Elia Viviani. 

Für eine Fluchtgruppe gibt es viele Kandidaten, und wie immer die halben Teams der Wild-Card-Mannschaften. Andrea Vendrame, Mirco Maestri, Manuel Senni oder Juan José Lobato wären Kandidaten. Für eine späte Attacke aus dem Feld kämen Fahrer wie Mattia Cattaneo, Marco Canola oder auch Ion Izagirre in Frage. Tempohart, furchtlos bergab und viel Power nach fast 240 Kilometern, das wäre das Anforderungsprofil für eine späte Attacke. Doch betrachtet man die vergangenen Tage und blickt voraus auf den Rest des Giro, erscheint ein Sprint am wahrscheinlichsten. 

***** Pascal Ackermann
**** Caleb Ewan, Arnaud Demare
*** Elia Viviani, Simone Consonni
** Marco Canola, Enrico Battaglin, Matteo Moschetti, Davide Cimolai
* Marco Frapporti, Mirco Maestri, Matteo Montaguti, Giacomo Nizzolo

Start: 11:15 Uhr
Ziel: ~17:15 Uhr


Die weiteren Etappen mit Profil

9. Etappe | 19. Mai | RICCIONE – SAN MARINO | 34,7 km **** ITT
Ruhetag 20. Mai 
10. Etappe | 21. Mai | RAVENNA – MODENA | 147 km *
11. Etappe | 22. Mai | CARPI – NOVI LIGURE | 206 km *
12. Etappe | 23. Mai | CUNEO – PINEROLO | 146 km ***
13. Etappe | 24. Mai | PINEROLO – CERESOLE REALE (Lago Serrù) | 188 km  ****
14. Etappe | 25. Mai | SAINT-VINCENT- COURMAYEUR | 131 km *****
15. Etappe | 26. Mai | IVREA – COMO | 237 km ****
Ruhetag 27. Mai
16. Etappe | 28. Mai | LOVERE – PONTE DI LEGNO | 226 km *****
17. Etappe | 29. Mai |  COMMEZZADURA (Val di Sole) – ANTERSELVA/ANTHOLZ | 180 km ***
18. Etappe | 30. Mai |  VALDAORA/OLANG – SANTA MARIA DI SALA | 220 km *
19. Etappe 31. Mai |  TREVISO – SAN MARTINO DI CASTROZZA | 151 km ***
20. Etappe | 1. Juni | FELTRE – CROCE D’AUNE-MONTE AVENA | 193 km *****
21. Etappe | 2. Juni | VERONA – VERONA | 15,6 km ITT ***

9. Etappe | 19. Mai | RICCIONE – SAN MARINO | 34,7 km **** ITT
Profil der 9. Etappe des Giro d’Italia 2019

 

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