Maximilian, bislang war die Saison nahezu perfekt, das Frühjahr ein Traum, mit Etappensiegen im Baskenland und Top-Platzierungen in den Ardennen – was war das schönste Erlebnis, gibt es vielleicht einen Moment, der dir stark in Erinnerung geblieben ist? 

Schwer zu sagen, eigentlich nicht, es ging halt gut (lacht). Vielleicht am ehesten der Moment, wo Tadey Pogacar bei der Baskenland-Rundfahrt eine Abfahrt runter ist und man die ganze Zeit am Limit des Reifens unterwegs war. Da hab ich zuletzt im Trainingslager öfter dran gedacht. Das war krass.

Am Schönsten waren sicher die drei Etappensiege im Baskenland, und das fast hintereinander. Wenn es immer wieder klappt, dass fühlt sich dann schon absurd an. Aber auch die Ardennen-Klassiker, mit deren Geschichte und der Aufmerksam die sie hervorrufen. Das war schon besonders. Gerade Lüttich – als überhaupt erst fünfter Deutscher aufs Podium gefahren zu sein ist etwas Cooles und das bleibt auch erstmal ne Weile so.

 

Als nächstes steht die Deutsche Meisterschaft an – mit welchen Ambitionen gehst du ins Rennen?

Ich habe gehört, der Kurs könnte mir liegen. Aber wir gehen da als Team mit mehreren Optionen rein und wollen das Trikot in unseren Reihen behalten. Das ist das oberste Ziel. Wenn es einen Sprint gibt, haben wir Pascal (Ackermann) und sollte es schwer werden, versuche auch ich dabei zu sein. Wir haben einige Fahrer im Rennen und dadurch mehrere Optionen, man muss schauen, wie das Rennen läuft.

Max Schachmann folgt der Abfahrt Tadey Pogacar & holt sich seinen dritten Sieg im Baskenland.
Danach steht die Tour de France an – bist du voller Vorfreude, ungeduldig oder gar nervös?

Naja, ungeduldig bin ich nicht, aber schon gespannt, ob es anders ist, als andere Rennen. Ich will natürlich mit guter Form an den Start gehen und versuchen auch im Rennen Spaß zu haben. 

 

Ihr habt euch die wichtigsten Etappen angeschaut – was ist Dein Eindruck?

Ich kannte ja schon einige Abschnitte von anderen Rennen. In den Alpen ist die Auswahl für die Veranstalter ja auch nicht so riesig. Was heraussticht ist die letzte Etappe. Der letzte Anstieg ist sehr hart, muss ich sagen. Der ist nicht mit so extremer Steigung angegeben, aber ich habe mich echt gefragt, ob das stimmt, denn er kam mir steiler vor. Da sind mehrere Abfahrten drin und er ist extrem unrhythmisch. Es gibt schwere Stücke, dann wird es deutlich leichter und dann wieder steil. Ich denke, dass dies schon ein entscheidender Anstieg sein kann, weil es sehr weit hoch geht, auf 2300 Meter und der Anstieg echt lang ist. 

 

Eure Bora-hansgrohe-Mannschaft ist sehr gut aufgestellt – Peter Sagan für die Sprints und den Kampf um Grün, Emanuel Buchmann für das Gesamtklassement – mit welcher Rolle und Erwartungen gehst du ins Rennen?

Ich habe ganz klar Helferaufgaben. Große Erwartungen, was Platzierungen oder so betrifft, gibt es für mich nicht. Natürlich will ich gute Leistungen zeigen, aber es ist meine erste Tour und meine Rolle ist klar.

Aber nach deinen bisherigen Leistungen schauen jetzt natürlich schon mehr Leute auf dich.

Ja, gerade bei den Medien hatte ich schon das Gefühl, dass sich was verändert hat (lacht). Ich lasse mich davon aber nicht verrückt machen und sehe das gelassen.

 

Auch wenn du klar Helfer bist, könntest du beim Zeitfahren auf eigene Rechnung fahren – könnte das vielleicht für dich persönlich ein Ziel sein?

Ich hab da schon dran gedacht, aber das ist so weit weg und man muss gucken, wie man sich fühlt. Damit beschäftige ich mich frühestens zwei Tage vorher. 

 

Hast du dir ein paar Tour-Tipps geholt, oder willst du einfach deine eigenen Erfahrungen machen?

Ich bin unterdessen an einem Punkt, wo ich doch einige Erfahrungen gesammelt habe und mehr als die Basics weiß – da muss ich dann schon meine eigenen Erfahrungen machen. Die erste Woche wird extrem stressig, das ist klar. Da muss man versuchen sturzfrei durchzukommen und die Leader aus dem Gröbsten rauszuhalten.

Ich bin schon gespannt, wie es sich anfühlt. Ob es wirklich so krass ist. Ich habe bei keinem der großen Radrennen das Gefühl, dass sich da irgendwo Platz gelassen wird. Da erlebt man schon bei den Klassikern krasse Sachen. Wenn es noch schlimmer wird, dann Halleluja.

 

Nach dem Giro 2018, wo du sogar eine Etappe gewinnen konntest, wird die Frankreichrundfahrt deine zweite Grand Tour sein. In der U23-Klasse hast du Rundfahrten gewonnen, fandest den Kampf um das Klassement immer spannend und wolltest auch bei den Profis perspektivisch die Rundfahrerfähigkeiten weiter ausbauen – hat sich das nun durch die Erfolge in den Ardennen geändert? Willst du dich nun noch mehr auf die Klassiker konzentrieren?

Nein, das hat sich eigentlich nicht verändert. Ich will mich da nicht einschränken und man muss schauen wo es hingeht. Die Klassiker waren in diesem Jahr ein großes Ziel und das wird sich in Zukunft wohl auch nicht ändern. Auch als Profi war ich bei kürzeren Rundfahrten vorn dabei. Bei der BinckBanck-Tour oder auch der Deutschland Tour. Was Grand Tours anbetrifft, ist das noch weit weg. Ich versuche mich weiterzuentwickeln und man sieht ja auch, dass sowohl Klassiker, als auch Rundfahrten gut vereinbar sind. Jakob Fuglsang ist ein gutes Beispiel. 

 

Spätestens seit diesem Frühjahr kennt dich jeder – wie schaffst du es, dass der Hype spurlos an dir vorbeigeht?

Naja, es fühlte sich nicht an wie ein Hype. Das hält sich alles noch in Grenzen.

 

Wirklich?

Ja, schon. Es ist jetzt nicht so, dass irgendwas passiert, wenn ich aus einem Flugzeug steige, oder so. Oder dass ich ständig irgendwo eingeladen werde. 

 

Eine gemeine Frage: Du bist einer der ersten Fahrer, der das Team Quick-Step verlassen hat und stärker geworden ist. Hast du eine Erklärung, warum das bei den anderen nicht klappte?

Das kann ich schwer beantworten, ich könnte jetzt nicht mal sofort Fahrer nennen, die nicht stärker geworden sind.

 

Namen sind auch egal, aber deine Entwicklung war schon auffällig. Du bist vom erfolgreichsten Team weggegangen und hast dennoch den nächsten Schritt gemacht.

Mmmh, die Frage ist natürlich auch, wie hätten sich andere Fahrer entwickelt, wenn sie in ein Team wie Bora-hansgrohe gewechselt wären. Vielleicht habe ich einfach nur die richtige Teamwahl getroffen. Ich muss schon ehrlich zugeben, dass ich im Winter schon gedacht habe: es wäre peinlich, wenn ich langsamer fahren würde. Das war eine Mini-Zusatzmotivation. Aber eher, weil ich beim Team QuickStep schon auf meine Chancen gepocht hatte und meine Position einnehmen wollte.

Bei Bora-hansgrohe habe ich die Chance bei großen Rennen Leader zu sein, aber natürlich hat man dann auch den Druck. Ich habe mich aus gutem Grund für das Team entschieden und natürlich bin ich froh, dass ich mit dem Frühjahr das Vertrauen zurückzahlen konnte. Und natürlich ist es dann auch schön zu sehen, wenn man sich nun bei QuickStep ärgert (lacht).

 

Vielleicht haben sie dich unterschätzt?

Keine Ahnung. Es war auch im vergangenen Jahr so, dass ich Helferdienste leisten konnte, die durchaus zeigten, was ich drauf habe. Das sieht man halt im TV auch nicht so. Ich bekomme jetzt bei Bora-hansgrohe einfach auch mehr Chancen mich zu zeigen, aber ich habe auch einen Sprung gemacht. 

 

Was steckt hinter diesem “Sprung”?

Ich habe hier ein sehr gutes Umfeld und einen guten Trainer, aber ich glaube, es war einfach der nächste Entwicklungsschritt. Ich hab einfach weiter mein Ding gemacht. 

 

Zumal du ja auch im vergangenen Jahr bereits erfolgreich warst – Giro-Etappensieg, Bronze bei der Zeitfahr-EM, D-Tour, …

Ja, und man muss sich auch anschauen, dass es nur wenige Prozent sind, die darüber entscheiden, ob du Mittelfeld oder Podium bist. Da sind wir wieder bei der Frage nach Fahrern die ein Team verlassen und besser oder schlechter werden. Da spielt bei Zeitfahrern auch das Material eine Rolle und bei Sprintern die Anfahrer – der Radsport ist sehr komplex, die Leistungsdichte enorm. Da sind es fast Kleinigkeiten, die entscheiden.

Starkes Duo – Emanuel Buchmann und “Helfer” Maximilian Schachmann
Du sagst, du hast einfach weiter dein Ding gemacht – nehmen andere deine Entwicklung vielleicht sogar eher wahr, als du selbst?

Schwer zu sagen.

 

Gab es vielleicht mal eine Situation, wo du gemerkt hast, dass du anders wahrgenommen wirst? Wo vielleicht ein Trainer oder Ex-Teamkollege außerhalb des Rennens auf dich zu kam?

Alaphilippe hat mich angesprochen.

 

Was hat er gesagt?

“Du bist ja ein anderer Radfahrer, das ist ja nicht normal, wie du fährst” – sowas in die Richtung. Aber es gab da nicht viele, die mich angesprochen haben. Im Rennen ist es dann aber schon spürbar.

 

Wie äußert sich das?

Bei der Baskenland-Rundfahrt habe ich Adam Yates nach der letzten Etappe gratuliert und sagt, dass es beeindruckend war, wie sie gefahren sind. Er sagte dann nur trocken zu mir, dass er es nicht war, der drei Etappen nacheinander gewonnen hat.

 

Danke, Maximilian, für das Gespräch.