Am Ende ist alles gut gegangen. Es gab keine größeren Unfälle und mit Maximilian Schachmann hat sich der aktuell wohl stärkste deutsche Fahrer auf hügeligem Terrain den Meistertitel geholt. Auch beim Frauenrennen lief es größtenteils reibungslos. Im Nachhinein kann man sich der These anschließen, dass es besser “solch eine DM gibt, als gar keine”, wie sich etwa Bora-hansgrohe-Sportchef Enrico Poitschke bei radsport-new.com äußerte. Vor dem Rennen waren längst nicht alle dieser Meinung, auch nicht alle Sportlichen Leiter teilnehmender Teams. Überall war zu spüren, dass dies eine improvisierte DM war. Es gab kritische Stellen im Parcours, es fehlte an Streckenposten, sodass Zuschauer auf der Strecke herumrannten und den Frauen ein Auto entgegen kam, es galt aus Sicherheitsgründen die STVO, der Technische Leitfaden war mangelhaft und während des Rennens wurde für das Moto-GP-Rennen bereits aufgebaut und die Boxengassenmauer lackiert, während die Radsportler 4 Meter daneben vorbeifuhren.

Richtige Entscheidungen 

Noch kurz vor dem Rennen wurde entschieden, dass man lieber in Kauf nimmt, viele Fahrer aus dem Rennen zu nehmen, als das Risiko des Gegenverkehrs zu nehmen. Denn der Parcours führte zunächst über die Rennstrecke des Sachsenrings und anschließend durch den Ort Hohenstein-Ernstthal. Von dort ging es auf einer Landstraße aus dem Ort hinaus und nach einer Wende durch ein Industriegebiet auf der gleichen Straße wieder zurück in den Ort und dann zurück auf die Rennstrecke. Eine Streckensperrung für die ursprünglich geplante Route war von den Behörden nicht genehmigt worden, so musste man die gleiche Straße wieder zurück fahren.

Damit sich die Fahrer auf der zweispurigen Straße nicht begegnen können, mussten alle Fahrer die mehr als zwei Minuten hinter den Spitze lagen, aus dem Rennen genommen werden. Bitter vor allem für die starken KT-Fahrer, die ein herausragendes Rennen zeigten, aber dann nicht einmal ins Ziel fahren durften. “Das ist sehr schade, für die Jungs”, sagte etwa Nils Politt. Am Ende kamen nur 15 Fahrer ins Ziel. Dass es dennoch die richtige Entscheidung war, um das Risiko zu minimieren, bekräftigten viele Fahrer und Sportliche Leiter.

Dort kam das Feld durch – Die Ausfahrt aus aus dem Sachsenring von hinten

Zwei kritische Stellen

Dass es nicht zu Stürzen kam, lag auch an der Vernunft der Fahrer. “Oft ist es so, dass es bei ganz offensichtlichen Gefahrenstellen nicht so schlimm wird, weil alle ihren Kopf einschalten“, sagte Sieger Maximilian Schachmann. Gemeint waren zwei Engstellen, durch die es zum einem aus der Rennstrecke in den Ort ging, und dann wieder zurück auf die Strecke. Gerade die Einfahrt auf die Rennstrecke war am Ende einer Abfahrt mit einer scharfen Kurve und einem Kiesbett geradeaus nicht ohne. Mit Tempo 80 ging es dort bergab. 

Das grundsätzliche Problem

Die Mängel bei dieser DM waren offensichtlich und dennoch darf man Respekt zollen, dass es dem Team um Dietmar Lohr in wenigen Wochen gelang überhaupt eine Meisterschaft auf die Beine zu stellen. Ohne die Hilfe des Sachsenrings, der normalerweise eine Woche vor dem Moto-GP Grand Prix extra für den Aufbau komplett gesperrt wird, und den ADAC wäre das nicht möglich gewesen.  Doch genau hier liegt das Problem dieser Meisterschaft. Es dürfe nicht der Anspruch sein, möglich zu machen, was in wenigen Wochen eben möglich ist, sondern die Maßstäbe sollten andere sein, so die Kritik. “Es ist kaum vorstellbar, dass ein Rennen mit all diesen Mängeln vor einigen Jahren durchgeführt worden wäre”, hieß es von einem ehemaligen Orga-Mitglied der DM in Klingenthal von 2006. 

Doch der BDR stand im Mai mit dem Rücken zur Wand. Es fand sich kein Ausrichter und die einzige Option wäre eine gemeinsame Meisterschaft mit Luxemburg gewesen. In Sachen Image des BDR wäre das der nächste Rückschlag gewesen. Schon vor einem Jahr stand man ohne Ausrichter da und es sprang Oleg Oleknavicius ein und stampfte mit Mini-Budget und viel Einsatz in Einhausen eine DM aus dem Boden. 

In diesem Jahr war man sich beim BDR lange sicher, dass Solingen die DM zu sich holen will. Doch dann kam doch die Absage. Die Idee nach Koblenz auszuweichen war schnell vom Tisch, weil dort eine andere Veranstaltung stattfand. 

Viel Arbeit, aber auch viel Zeit für 2021, weil 2020 steht

Die vergangenen zwei Wackel-Jahre waren ein deutliches Warnsignal. Klar, mit den zunehmenden Sicherheitsauflagen und behördlichen Regelungen ist es in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden, ein Radrennen wie die Deutsche Meisterschaft zu organisieren. Dennoch sollte man beim BDR mehr als bemüht sein, diese Veranstaltung zu sichern. Das Wichtigste ist die Organisation, aber auch die Wahrnehmung ist verbesserungswürdig. Die Zeiten, wo die Deutsche Meisterschaft Live im TV zu sehen waren, sind lange vorbei, so sind neue Wege und Ideen gefragt, wie man das Rennen für die Fans zugänglich machen kann. Daran zu arbeiten bleibt nun Zeit, denn für 2020 steht die Deutsche Meisterschaft. Dann wird Albrecht Röder in Stuttgart die Titelkämpfe organisieren. Doch Zeit zum Durchschnaufen bleibt nicht, denn es ist fraglich, ob man sich nach 2018 und 2019 auch in zwei Jahren wieder auf einen Retter in der Not verlassen kann.