Am Donnerstag haben sich die Klassementfahrer auf der 12. Etappe noch zurückgehalten, aber am Freitag gibt es für sie nur ein Motto: Vollgas! Jeder kämpft für sich allein gegen die Uhr und am Ende des Tages verrät der Blick auf die Gesamtwertung, mit welchen Taktiken die Fahrer in die schweren Bergetappen in den Pyrenäen gehen. 

Vermutlich wird Geraint Thomas seinen Vorsprung auf die reinen Bergfahrer wie Nairo Quintana, Thibaut Pinot oder Romain Bardet ausbauen können. Aber mit exakt 27,2 Kilometern Länge ist es kein extrem langes Zeitfahren. Es ist jedoch ein anspruchsvoller und welliger Parcours und kurz vom dem Ziel geht es steil bergauf. Es gilt also, früh einen guten Rhythmus zu finden und sich die Kräfte gut einzuteilen. 

Nach dem Ausstieg von Rohan Dennis scheint der Kampf um den Tagessieg recht offen. Fahrer wie Tony Martin, Michal Kwiatkowski und Stefan Küng mussten in den vergangenen Tagen viel arbeiten. Maximilian Schachmann war in der Ausreißergruppe am Donnerstag dabei und auch Sören Kragh Andersen investierte zu Beginn der 12. Etappe viel Kraft. Ob Jonathan Castroviejo und Nelson Oliveira mit Blick auf die kommenden Bergetappen, wo sie viel für ihre Kapitäne arbeiten werden müssen, All In gehen, bleibt abzuwarten. Nils Politt hingegen wird sicher Vollgas geben und auch Giro-Zeitfahr-Sieger Chad Haga ist heiß auf diesen Tag. 

Bevor die Männer um 14 Uhr starten, wird das Frauenrennen La Course auf der Strecke ausgetragen.

Die Strecke

Karte der 13. Etappe der Tour de France 2019

Schon auf den ersten Kilometern gibt es einige enge Kurven und knifflige Abschnitte. Die Fahrer werden sich den Parcours vorher genau anschauen und wissen, um welche Ecken man langsam fahren muss. Es ist ein anspruchsvoller Parcours bei dem auch Steuerkünste gefragt sind. Nach den ersten winkligen Kilometern geht es aus Pau heraus, und das auf einer schmalen Straße. Nach rund fünf Kilometern geht es auf schmaler Straße direkt bergauf. Anschließend “ekelt” es sich kurvenreich wellig weiter. Dabei gibt es immer wieder auch steile Passagen, die es schwerer machen, einen guten Rhythmus zu fahren.

Leichter Anstieg beim ITT

Auch in der Abfahrt nach der ersten echten Steigung ist die Straße schmal und nach etwas mehr als 15 Kilometern gibt es eine scharfe Rechtskurve und dann geht es gen Westen. 

Enge Kurve ITT Tour 2019

Anschließend geht es wellig und kurvenreich weiter, mit Stellen wo man nur schwer den weiteren Verlauf einsehen kann.

Schmale Straße, enge, schnelle Kurven

Zur vorletzten Steigung an der zweiten Zwischenzeit geht es dann weniger technisch bergauf. Hier gibt es keine engen Kurven mehr und die Fahrer können mit viel Power den leichten Anstieg hinaufbolzen. Es folgt eine kurze Abfahrt und dann geht es auf breiter Straße geradeaus zurück nach Pau. Hier ist vor allem Speed gefragt.

Kurz vor dem Ziel gibt es noch einmal eine kurze, aber sehr steile Rampe. Wer hier bereits keine Power mehr in den Beinen hat, kann wertvolle Sekunden einbüßen.

Rampe kurz vor dem Ziel
Die letzten Kilometer der 13. Etappe

Die Favoriten

Der Top-Favorit auf den Tagessieg ist wohl Geraint Thomas. Der Titelverteidiger ist in herausragender Form und wird alles geben, um den Vorsprung auf die Konkurrenz um den Gesamtsieg weiter auszubauen. Eine Unbekannte ist Julian Alaphilippe, für dessen Geschmack der Parcours wohl noch etwas schwerer sein dürfte, aber der gerade auf der winkligen ersten Hälfte gut zurechtkommen dürfte. Nils Politt hat die nötige Power und wird nicht zögerlich agieren. Für die “Brummer” ist es kein idealer Parcours.

***** Geraint Thomas
**** Chad Haga, Julian Alaphilippe
*** Nils Politt, Wout van Aert, Steven Kruijswijk, 
** Egan Bernal, Yves Lampaert, Nelson Oliveira, Tony Martin, Michal Kwiatkowski
* Rigoberto Uran, Jonathan Castroviejo, Stefan Küng, Alex Dowsett, Thomas de Gendt

 
Start 1. Fahrer: 14:00 Uhr
Ziel: ~17:50 Uhr

Weitere Artikel zur Tour 2019:
8 Erkenntnisse nach 10 Etappen der Tour de France 2019
Peter Sagan – Das Positionsgenie
6 Erkenntnisse nach der ersten Bergankunft
Taktik beim Mannschaftszeitfahren – unterschiedliche Teams, unterschiedliche Strategien
Mathias Frank: „Für die Klassementfahrer ist nichts mit Einrollen“
Simon Geschke: „In den Bergen will ich etwas probieren“
Nils Politt, bitte vervollständigen Sie diesen Satz …
Tour de France 2019: Die Favoriten mit ihren Stärken & Schwächen

Startzeiten ITT Teil 1
Startzeiten ITT Teil2