Die 17. Etappe führt über 200 Kilometer vom Pont du Gard nach Gap. Eine lange Etappe, die durch die große Hitze zusätzlich schwer wird. Und auch wenn es noch nicht über große Pässe geht, müssen dennoch rund 2500 Höhenmeter bewältigt werden. Für die Sprinter ist das Terrain zu schwer und die Klassementfahrer werden vor den drei schweren Bergetappen ab Donnerstag keine unnötige Kraft verschwenden wollen. So dürfte die Stunde starker Ausreißer schlagen.

Kurz vor dem Ziel gilt es, einen Anstieg zu meistern, vielleicht fällt dort die Entscheidung um den Tagessieg. Doch wer im Kampf um den Tagessieg ein Wörtchen mitreden will, der muss vor allem zu Beginn der Etappe sehr aufmerksam sein. Natürlich wissen die Fahrer im Feld um die Chance auf einen Ausreißererfolg. Nach dem Ruhetag und der nicht zu schweren Etappe am Dienstag werden viele Fahrer versuchen, diese Chance zu nutzen. So könnte es zu Beginn der Etappe einen harten Kampf um die Gruppe des Tages geben. Da das Terrain zunächst wenig anspruchsvoll ist, könnte es sehr lange dauern, ehe die Ausreißergruppe steht. 

Für die Favoriten geht es nur darum, ohne Probleme das Ziel zu erreichen. Es gibt zwar einen kurzen Anstieg vor dem Ziel, doch es ist eher unwahrscheinlich, dass hier ein Fahrer wie Julian Alaphilippe viel Kraft investiert, um wenige Sekunden rauszuholen. Vor allem mit Blick auf die kommenden Tage wird man eher Kraft sparen wollen. Aber ausgeschlossen ist bei dieser Tour nichts!

 

Die Strecke

Karte der 17. Etappe der Tour de France 2019

 

Der Start am Pont du Gard wird für großartige TV-Bilder sorgen. Wieder einmal perfekte Werbung für das Urlaubsland Frankreich. Nach dem scharfen Start geht es nur kurz bergauf und anschließend bergab. Bis Rennkilometer 50 geht es über wenig anspruchsvolles Terrain, sodass es lange dauern kann, ehe die Gruppe steht. Die Sprintwertung wird nach 70 Kilometern ausgetragen, wenig später beginnt die Straße anzusteigen. Von 280m üNN geht es über 35 Kilometer bis auf knapp 900m üNN. An einer steileren Passage wird eine Bergwertung der 4. Kategorie ausgetragen. Es folgt ein rund 80 Kilometer langes Flachstück, ehe es ins Finale der Etappe geht.

Das Finale der 17. Etappe der Tour de France 2019

Die letzte Steigung vor dem Ziel ist als Bergwertung der 3. Kategorie vermerkt. Der Anstieg zum Col de la Sentinelle ist etwas mehr als 4 km lang, aber nur rund fünfeinhalb Prozent steil. Es geht auf schmaler Straße hinauf, aber immer wieder gibt es offene Stücke, wo man mögliche Ausreißer gut sehen kann. Im Kampf um den Etappensieg dürfte diese Steigung sehr wichtig sein, für eine Attacke aus dem Feld gibt es bessere Angriffsmöglichkeiten in den kommenden Tagen.

Der Gipfel der letzten Bergwertung

Am Gipfel gibt es eine lange, offene Passage – hier haben die Fahrer Rückenwind, was Ausreißer bevorteilt. Die Abfahrt ist im oberen Teil kurvenreich und die Straße schmal. Da für den Nachmittag sogar die Chance für Gewitter besteht, könnte es hier für einige Fahrer knifflig werden.

Schmale Straße, enge Kurven – in der Abfahrt ist Obacht geboten
Die letzten Kilometer der 17. Etappe der Tour

Die Favoriten

Die Favoriten auf den Tagessieg sind starke Ausreißer. Fahrer wie Simon Clarke, Matteo Trentin, Omar Fraile oder Alexey Lutsenko sind heiße Kandidaten. Nach dem Ausstieg von Jakob Fuglsang wird es wohl die komplette verbliebene Astana-Mannschaft versuchen, in die Gruppe zu kommen. Das gilt auch für das Team CCC um Simon Geschke. Thomas de Gendt ist immer ein Kandidat. Auch Fahrer wie Ben King oder Ivan Garcia Cortina könnten ihr Glück versuchen. Nils Politt wird es sicher auch versuchen, in die Gruppe zu gehen. Es ist wohl seine letzte Chance auf einen Etappensieg.

Gespannt sein darf man darauf, ob auch Fahrer wie Peter Sagan und Michael Matthews mit in die Gruppe gehen. Sie hätten auf diesem Terrain sehr gute Chancen auf einen Sieg aus einer kleinen Gruppe. Gerade Sunweb könnte versuchen, viele Fahrer in der Gruppe zu platzieren um dann das Rennen an der Spitze zu kontrollieren. Doch jeder kennt die Qualitäten von Michael Matthews, so wird niemand mit ihm gern auf die letzten 500 m zum Ziel fahren. Außer Peter Sagan. 

Für diese Etappe ist der Sieger sehr schwer vorherzusagen, weil die Startphase von großer Bedeutung ist und die Zusammensetzung der Gruppe entscheidend für den Rennverlauf im Finale. 

 

***** –
**** Alexey Lutsenko, Matteo Trentin 
*** Daryl Impey, Michael Matthews, Jasper Stuyven, Omar Fraile, Nils Politt
** Simon Clarke, Peter Sagan, Matej Mohoric, Serge Pauwels
* Alberto Bettiol, Thomas de Gendt, Edval Boasson Hagen, Simon Geschke

 
Start: 12:25 Uhr
Ziel: ~17:30 Uhr

 
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