Der Kampf um die Gelb wird in den Alpen entschieden. Drei schwere Etappen stehen an, ehe das Rennen am Sonntag mit der “Tour d’honneur” in Paris endet. Doch wer am am Samstag in Val Thorens das Gelbe Trikot überstreift und die Fahrt nach Paris als Gesamtsieger genießen kann, ist kaum vorherzusehen. Alles scheint möglich, bei dieser verrückten Tour. Noch trägt Julian Alaphilippe Gelb, doch ob er an den langen Alpenpässe in den kommenden Tagen mit Fahrern wie Geraint Thomas, Egan Bernal, Emanuel Buchmann, Steven Kruisjwijk und vor allem Thibaut Pinot mithalten kann, bleibt zweifelhaft. 

Diese erste schwere Alpenetappe am Donnerstag wird die Richtung vorgeben. Es ist die schwerste Bergetappe dieser Tour, mit mehr als 5200 Höhenmetern. Mit Col de Vars, Col d’Izoard und Col du Galibier stehen gleich drei Hammer-Berge an, bei denen der Gipfel jeweils über 2000 m üNN liegt. Dazu ist das Teilstück 208 km lange. Das Etappenziel ist in Valloire, 19 km nach der Gipfelpassage des Galibier (wo es 8,5 & 2 Sek Zeitbonifikation gibt) und mehr als 1200 hm unterhalb der Bergwertung. Es wird also eine rasende Abfahrt zum Ziel geben. Gute Abfahrer können noch einige Sekunden gutmachen, aber wer am Galibier früh den Anschluss verliert, kann sehr viel Zeit verlieren.

Für die Zuschauer ist die Konstellation in der Gesamtwertung vor dieser Etappe ideal. Denn die bislang besten Bergfahrer haben Rückstand auf Leader Alaphilippe. So werden Thibaut Pinot und Mikel Landa sicher versuchen, den Franzosen in Schwierigkeiten zu bringen. Das Team Ineos ist mit Egan Bernal und Geraint Thomas sehr gut aufgestellt und Steven Kruijswijk sollte man auch nicht unterschätzen. 

Es wird eine enorm wichtige im Kampf um Gelb und vermutlich wird am Galibier der Großkampf der großen Favoriten entbrennen. Dieser legendäre Alpenriese bietet die perfekte Kulisse für großartige Radsportunterhaltung. Für das Finale sind Gewitter angekündigt, es könnte ein epische Etappe werden.

Top10 der Gesamtwertung vor der 18 Etappe

 

Die Strecke

Karte der 18. Etappe der Tour de France 2019

Nach dem Start in Embrun geht es zunächst gen Süden, entlang des Lac de Serre-Ponçon. Die ersten 10 Kilometer sind flach und es wird einen harten Kampf um die Gruppe des Tages geben. Denn die Chance, dass eine starke Ausreißergruppe durchkommt, ist gegeben und die Teams der Favoriten wollen einen Helfer in der Gruppe platzieren, damit der Kapitän nach dem Izoard noch einen Helfer hat.

Die erste Bergwertung steht nach 13 km an. Die Steigung zur Côte des Demoiselles Coiffées ist wenig furchteinflößend, aber vielleicht formt sich hier die Gruppe des Tages. Anschließend folgt ein langer, leicht ansteigender Abschnitt. Nach 45 Kilometern wird die Sprintwertung ausgetragen, anschließend geht es zum Fuße des Col de Vars. Am Gipfel gibt es 10 Punkte, bei den HC-Wertungen am Izoard und Galibier gibt es doppelte Punkte.

Der Col de Vars ist mit 9,3km Länge und einer durchschnittlichen Steigung von 7,5% angegeben. Die ersten vier Kilometer geht es noch moderat bergauf, doch die letzten fünf bis zum Gipfel sind heftig. 

Nach einer langen Abfahrt geht es das wunderschöne Tal der Guil entlang zum Izoard. Direkt nachdem die Fahrer links aus von Straße entlang der Guil abbiegen, geht es bergauf. Zunächst ist es kaum steil. Man erreicht den Ort Arvieux. Erst nach der langgezogenen Ortschaft beginnen die legendären Serpentinen des Izoard.  Die Straße schraubt sich zunächst im Wald bergauf, dann geht es durch eine Geröllwüste, die “Casse Déserte”. Vorbei am Mémorial Bobet Coppi  geht es zum Gipfel in 2360 Metern Höhe. Es folgt eine rasende Abfahrt. 

Profil Col de Vars und Col de Izoard

Nach der Abfahrt geht es nach Briancon und dann in Richtung Galibier. Es geht auf breiter Straße immer steiler werdend bis zum Sattel des Col du Lautaret. Dort biegen die Fahrer rechts weg und der eigentliche Anstieg zum Col du Galibier beginnt. Dann sind es noch rund 8 Kilometer bis zum Gipfel und es wird immer steiler, je näher man dem Gipfel kommt. Nur etwa 2,5 Kilometer vor dem Ziel gibt es einen flacheren Abschnitt. Insgesamt ist es ein langer schwerer Aufstieg ohne ganz lange Rampen. Aber die Steigungen zuvor und die Höhe werden die Fahrer spüren.

Der Gipfel ist 2642 Meter üNN und neben der Bergwertung wird dort auch der Bonussprint ausgetragen. Anschließend geht es 19 Kilometer bergab nach Valloire. Im oberen Teil ist die Abfahrt durchaus anspruchsvoll, im unteren Teil vor allem schnell.

 

 

Profil des Col du Galibier

 

Die Favoriten

Es besteht natürlich die Chance, dass eine starke Ausreißergruppe den Tagessieg unter sich ausmacht. Simon Yates hat bereits gezeigt, wie das geht und er könnte nun den nächsten Anlauf nehmen und versuchen, seinen dritten Etappensieg einzufahren. Romain Bardet musste alle Ambitionen in der Gesamtwertung begraben und würde zu gern mit einem Etappensieg diese Tour doch noch positiv gestalten. Das gilt ebenso für Adam Yates.

Auch Giulio Ciccone, Ilnur Zakarin oder Michael Woods wäre heiße Kandidaten für einen Erfolg aus einer Fluchtgruppe. Simon Geschke ist ebenfalls in sehr guter Form und könnte etwas probieren. Wer ein Auge auf das Bergtrikot dieser Tour geworden hat, sollte auf jeden Fall in die Ausreißergruppe, denn es gibt reichlich Punkte zu holen. Vielleicht ein Ziel von Guillaume Martin.

Doch es bleibt die Frage, ob die Ausreißer wirklich durchkommen können. Im Kampf um den Gesamtsieg ist dies ein sehr wichtiger Tag und so wie sich die Gesamtwertung vor dieser Etappe darstellt, könnten Teams wie Ineos oder Groupama-FDJ früh ein hohes Tempo anschlagen lassen, um Julian Alaphilippe in Bedrängnis zu bringen. Das gilt natürlich auch für die Movistar Mannschaft. Allerdings muss man abwarten, ob die spanische Equipe bereits an diesem Tag All In geht. Vielleicht hebt man sich auch die Kräfte für eine Monster-Attacke am Freitag auf. Das Astana-Team ist nun ohne Leader Jakob Fuglsang – vielleicht probiert Pello Bilbao, die Etappe zu gewinnen und geht mit Teamkollegen in die Ausreißergruppe.

Für eine Attacke weit vor dem Ziel eignet sich das Terrain durch die lange Anfahrt zum steilen Stück des Galibier nicht. Sollten die Klassementfahrer an der Spitze in den Galibier gehen, wäre auch ein Fahrer wie Warren Barguil ein heißer Tipp für den Tagessieg. Der Franzose ist nicht nur bergauf sehr stark, er ist auch ein herausragender Abfahrer. 

 

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**** Thibaut Pinot, Warren Barguil
*** Simon Yates, Mikel Landa
** Egan Bernal, Geraint Thomas, Alejandro Valverde, Fabio Aru, Pello Bilbao
* Steven Kruijswijk, Rigoberto Uran, Guillaume Martin, Adam Yates, Daniel Martin

 
Start: 11:10 Uhr
Ziel: ~17:30 Uhr

 
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