Willkommen im Hochgebirge – die neunte Etappe durch Andorra ist vollgespickt mit fünf Bergwertungen, von denen drei auf knapp 2000 Metern liegen. Vor dem ersten Ruhetag haben die Organisatoren der Vuelta den Klassementfahrern eine Vollgasetappe eingebaut, auf der sich niemand verstecken kann. Während vorn der Kampf um den Tages- und Vueltasieg entbrennen wird, werden einige Sprinter im Gruppetto vor allem gegen das Zeitlimit kämpfen. Da für den Nachmittag in Andorra Regen vorhergesagt ist, könnte das Wetter auch die Abfahrten sehr gefährlich machen.

 

Die Strecke

Karte der 9. Etappe der Vuelta 19

Es geht entweder bergauf oder bergab – flache Kilometer sucht man an diesem Tag vergeblich. Vom Start weg in Andorra La Vella beginnt der 17 Kilometer lange Anstieg auf den Coll d’Ordino. Mit durchschnittlich fünf Prozent ist der Anstieg zwar nicht sehr steil, doch die Teams der Klassementfahrer werden den einen oder anderen Teamkollegen in die Gruppe schicken wollen, um später noch Unterstützung für ihre Kapitäne zu bieten. So dürfte das Tempo an diesem Berg der 1. Kategorie bereits horrend sein.

Profil des Ordino

Über eine lange Abfahrt durchqueren die Fahrer den Startort gen Südwesten in Richtung Coll de la Gallina. Der Anstieg der Ehrenkategorie ist 12,2 Kilometer lang und weist 8,3 Prozent auf. Vom Gipfel nach rund 56 Kilometern geht es erneut bergab nach Andorra La Vella, wo der lange Schlussanstieg nach Cortals d’Encamp beginnt. Der Aufstieg unterteilt sich in drei Bergwertungen am Alto de la Comella (2. Kategorie), am Alto de Engolasters (2. Kategorie) und schließlich am Ziel. (1. Kategorie). Die kurzen Abfahrten zwischendrin sind kaum der Rede wert.

Profil La Gallina

Als wäre die Etappe noch nicht schwer genug, müssen die Fahrer nach dem Alto de Engolasters ein gut vier Kilometer langes Stück Schotterstraße zurücklegen. Der Weg ist kaum breiter als drei Meter und flach bis leicht abfallend. Das Tempo wird dort also hoch sein und eine gute Radbeherrschung zahlt sich ebenfalls aus – vor allem wenn es nass sein sollte. Sollte ein Favorit sich hier einen Defekt zuziehen, könnte es lange dauern, bis ein Ersatzlaufrad zur Stelle ist.

die Schotterpassage

Nach der Schotterstraße weist der finale Anstieg nach Cortals d’Encamp auf 5,7 Kilometer 8,3 Prozent auf. Spätestens hier werden sich die Favoriten gegenseitig ans Limit bringen.

ProfilCortals d’Encamp

Die Favoriten

Aufgrund der Kürze der Etappe ist mit Vollgas ab dem ersten Berg zu rechnen. Für Ausreißer dürfte es sehr schwer werden, den Tagessieg davonzutragen. Fraglich ist, wann die Klassementfahrer in Erscheinung treten. Wagt sich jemand aus den Top Ten am ersten Anstieg zum Ordino schon aus dem Fenster, könnte der ein oder andere Favorit schon früh ins Hintertreffen geraten.

Topfavoriten auf den Etappensieg sind die bisher stärksten vier Bergfahrer: Miguel Angel Lopez, Primoz Roglic, Alejandro Valverde und Nairo Quintana. Lopez dürfte aus dem Quartett die besten Karten besitzen, liegen ihm die längeren Anstiege doch mehr als die kurzen Rampen wie am Mas de la Costa, als er sechs Sekunden einbüßte. Roglic muss nicht in die Offensive gehen und kann sich mit „Dranbleiben“ begnügen – er hat das Zeitfahren am Dienstag auf seiner Seite. Für Valverde wird es auf über 2000 Metern traditionell schwerer, bei Quintana bleibt abzuwarten, ob er wieder für Valverde arbeiten wird.

Das Rote Trikot von Nicolas Edet ist trotz 3:01 Minuten auf Lopez alles andere als sicher. Der Franzose zeigte sich zwar am Berg bislang sehr solide, hat aber in der Fluchtgruppe gestern mit Sicherheit Kraft gelassen. Gut möglich, dass aufgrund der fünf hochwertigen Bergwertungen auch das Bergtrikot seinen Besitzer wechselt.

 

***** Miguel Angel Lopez, Primoz Roglic
**** Alejandro Valverde, Nairo Quintana
*** Rafal Majka, Tadej Pogacar, Esteban Chaves
** George Bennett, Sergio Higuita, Fabio Aru
* Wilco Kelderman, Pierre Roger Latour, Wout Poels