Der Niederländer Nils Eekhoff hatte beim WM-Straßenrennen der U23 zwar als erster den Zielstrich überfahren, doch er wurde anschließend disqualifiziert. Somit ist der Italiener Samuele Battistella neuer Weltmeister. Silber ging nach 173 Kilometern von Doncaster nach Harrogate an den Schweizer Stefan Bissegger. Bronze gewann der Brite Thomas Pidcock.

“Es ist eine komische Situation, es tut mir leid für ihn. Ich war mit Platz zwei zufrieden, aber Weltmeister ist natürlich unglaublich”, sagte Samuele Battistella nach dem Rennen. “Es war ein hartes Rennen, mit dem Regen. Aber ich war darauf vorbereitet, war auch mental vorbereitet. Unglaublich. Ich werde im Trikot schlafen und morgen früh verstehen, was passiert ist”, so der neue Weltmeister.

Auch das deutsche Team zeigte bei dem packenden Rennen eine gute Leistung. Georg Zimmermann wurde 12., Jonas Rutsch landete auf Rang 15. Auch Leon Heinschke, Miguel Heidemann und Patrick Haller erreichten das Ziel. 

Auszug aus dem COMMUNIQUÉ

Eekhoff nach Sturz mit unerlaubter Hilfe zurück ins Peloton?

Nils Eekhoff war mehr als 120 km vor dem Ziel gestürzt und kam anschließend zurück ins Feld. Videos dokumentieren, dass er sich  eine Flasche hat reichen lassen und auch den Windschatten der Begleitfahrzeuge ausnutzte. Die Jury wertete das als Regelverstoß und disqualifizierte ihn. 

Update: Die UCI veröffentlichte ein Video, dass Eekhoff hinter dem Auto zeigt. Es ist hier abrufbar.

 

 

Im Interview mit Sporza erklärte UCI-Pressesprecher Louis Chenaille, dass es keine Beschwerde eines anderen Teams gab. Dass die Jury nach dem Rennen das Videomaterial sichtete und dort zu sehen sei, dass “Eekhoff mehr als 10-15 Sekunden hinter einem Auto hergefahren sei. Der Fahrer und auch das niederländische Team wurde von der Jury angehört und die Entscheidung wurde akzeptiert”, erklärte Louis Chenaille. Eine frühere Entscheidung sei nicht möglich gewesen, weil das Material erst nach dem Rennen gesichtet werden konnte. Es sei Video-Material verfügbar, dass im TV nicht live gesendet wurde. 

So lief das Rennen

Mit dem Start wurde attackiert und es setzten sich auch einzelne Fahrer ab, aber immer wieder wurde die Lücke geschlossen. Etwas mehr als 130 Kilometer vor dem Ziel griff der Norweger Jonas Iversby Hvideberg an und der Deutsche Patrick Haller ging mit. Wenig später schlossen weitere Fahrer auf. So formierte sich eine 13 Fahrer starke Gruppe. Doch dann hatte ausgerechnet Hvideberg Defektpech und fiel zurück. 

So lagen 12 Mann vorn:  Johan Jakobs (SUI), Ludvik Aspelund Holstad (NOR), Alessandro Covi (ITA), DEWULF Stan Dewulf (BEL), KRON Andreas Lorentz Kron (DEN), Patrick Haller (GER), Marijn Van den Berg (NED), Stuart Balfour (BGR), Fred Wright (GBR), Petr Klemen (CZE), Ben Healy (IRL), Stanislaw Aniolkowski (POL).

 

Rutsch geht auf der Windkante in die Offensive

Rund 70 km vor dem Ziel gab es einen Massensturz im Feld, aber viele Fahrer konnten wieder aufschließen. Die Spitzengruppe fiel im langen Anstieg rund 55 km vor dem Ziel auseinander. Auch Patrick Haller musste reißen lassen. Dewulf, Covi, Kron und Balfour lagen nach der Steigung noch gut 30 Sekunden vor dem Feld.

Direkt nach der Steigung blies der Wind von der Seite und Jonas Rutsch ging an die Spitze und machte Tempo. Das Feld riss auseinander und es formierten sich kleine Grüppchen. Wenig später holte die Gruppe mit Rutsch auch die verbliebenen Spitzenreiter um Dewulf ein. Neben Rutsch waren auch Zimmermann und Heinschke vorn vertreten. So gingen 23 Fahrer an der Spitze auf die Schlussrunden in Harrogate.

Der Norweger Andersen und der Pole Sajnok lösten sich, aber der Italiener Samuele Battistella und der Schweizer Stefan Bissegger sprangen rund 18 Kilometer vor Ziel aus der Verfolgergruppe vor zur Spitze. Auch Tobias Foss und Pidcock schafften den Anschluss. Andersen hatte Defektpech und fiel zurück, während sich in der Verfolgung eine Gruppe mit Eekhoff, Higuita, Kron und Zimmermann formiert hatte.

Fünf Kilometer vor dem Ziel attackierte Bisseger und Sajnok musste reißen lassen. So gingen Pidcock, Foss, Battistella und Bissegger auf die letzten Kilometer. Zimmermann hatte abreißen lassen, aber das Trio um Eekhoff, Higuita und Kron schaffte etwa 1 km vor dem Ziel den Anschluss. Im Sprint siegte  Eekhoff dann souverän und feierte den Titel. Doch es dauerte eine ganze Weile, ehe die Jury die Entscheidung fällte, den Niederländer zu disqualifizieren.