Zuschauer ist jeder gern. Beim Omloop, bei der Ronde und natürlich bei Paris-Roubaix. Aber selbst fahren? Da verzichten dann sogar selbst Profis gern. „Das war nicht ganz mein Metier. Für das Kopfsteinpflaster braucht man ein anderes Gefühl, einen anderen Motor“ , sagt der frühere Deutsche Meister Fabian Wegmann einst in unserem Podcast. „Man sieht den Jungs an, dass sie das Pflaster lieben. Diese Liebe ist bei mir nie ganz übergesprungen.“
Die gute Nachricht: Man muss das Kopfsteinpflaster nicht lieben, um schnell über die holprigen Wege zu kommen. Zwar lässt sich ein Jedermann-Rennen wie Paris-Roubaix aufgrund der Einzigartigkeit der Straßen nirgends simulieren. Doch das Rüstzeug kann man sich mit dem richtigen Training vor der eigenen Haustür holen.
Einfach ist das allerdings nicht. Und man braucht gewisse physiologische Grundvoraussetzungen. Björn Geesmann, Geschäftsführer der Leistungsdiagnostiker von STAPS : „Man muss relativ kurze Zeiträume, wir reden hier bei Jedermännern von einer bis fünf Minuten, mit hoher Intensität fahren können und sich zwischendrin gut erholen können.“ Und das Ganze dann bei über 20 Pavé-Sektoren.
Dazu braucht man zum einen den berühmten großen Motor. Doch was heißt das eigentlich? Geesmann: „Das man grundsätzlich über eine hohe Sauerstoffaufnahme verfügt. Einerseits ist man dann in der Lage, hohe Belastungen zu fahren und sich andererseits danach zügig zu erholen.“
Wie wird nun der Motor größer? Es gibt im Prinzip zwei Varianten. Da der Sauerstoff-Verbrauch linear zur Belastungsintensität verläuft, ist es sinnvoll, die Trainingsumfänge entsprechend zu erhöhen. Hier werden allerdings viele Hobby-Fahrer zeitlich an ihre Grenzen stoßen.
Der zweite Weg führt über die Intensität, Stichwort intensive Intervalle. Ein Training mit einem gewissen Anteil an Belastungen jenseits der Komfortzone ist zum einen sehr intensiv und effektiv, lässt sich zum anderen auch mit wenig Trainingszeit umsetzen. Geesmann: „Letztlich ist es aber die goldene Mitte – ganz ohne Umfänge geht es nicht, ganz ohne Intensitäten auch nicht. Das macht die Vorbereitung auf das Kopfsteinpflaster zu so einer besonderen Herausforderung. Es ist nicht Fisch, nicht Fleisch.“
Letztlich spielt auch das Gewicht eine Rolle. Es ist kein Zufall, dass sich vergleichsweise schwere Fahrer auf dem Pflaster wohler fühlen. Denn hier geht es eher um die absolute Leistung, die ein Fahrer treten kann und nicht wie beim Bergfahren um die Watt pro Kilogramm Körpergewicht.
Die Fahrt übers Pflaster kann man übrigens auch außerhalb des Trainings deutlich angenehmer gestalten. Hier spielt die Anpassung des Rades eine große Rolle – und dafür muss man nicht viel investieren. Unabdingbar ist der geringere Luftdruck, Profis fahren bei Roubaix nur mit 4 bar. Dann sollte man schauen, dass man vernünftige Flaschenhalter am Rad hat. Wer schon einmal ein Rennen auf Pflaster gefahren ist, kennt die Bilder von wild durch die Gegend fliegenden Trinkflaschen.
Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich für ein Stahl- oder Carbon-Rad entscheiden. Diese Materialien sind nachgiebiger als Aluminium und damit komfortabler auf dem Pflaster. Zuletzt sollte man immer mal ein wenig an seiner Fahrtechnik feilen, mal eine Einheit auf dem Mountainbike, Crosser oder Gravel-Bike einschieben. Spätestens wenn man auf dem Kopfsteinpflaster eine 90-Grad-Kurve fahren muss, weiß man, warum.