Es gibt nicht viele Radsport-Helden vom Format eines Bernard Hinault. “Der Dachs” ist in Frankreich Nationalheld, vollkommen zu Recht. Fünf Mal gewann der Bretone die Tour de France, drei Mal den Giro, zwei Mal die Vuelta. Er gewann 28 Etappen bei der Tour, siegte bei den Monumenten Lüttich-Bastogne-Lüttich und Il Lombardia je zwei Mal. Ein Ausnahmeathlet. Das Kopfsteinpflaster hat er gehasst. Doch sein Ehrgeiz trieb ihn dazu, es ein für alle Mal zu bezwingen. 
Getrieben
Bernard Hinault hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er das Kopfsteinpflaster nicht mag. Dass man bei der Tour de France solche Passagen in den frühen 80ern einbaute, hielt er für unnötig. Er hasste es. Hinault war ein Patron im Peloton. Fand er die Strecken zu gefährlich, wehrte er sich. “Geld ist nicht das Wichtigste im Leben, die Gesundheit geht vor”, hat er einst gesagt, als ihm die Ideen der Rennveranstalter zur verrückt wurden. Aber der Bretone war voller Ehrgeiz und Energie – getrieben stellte er sich den Herausforderungen.

Bernard Hinault – Scheibe, Unterlenker, Gesicht zur Faust geballt!

Sein Stein
Stark, stur und mit eisernem Willen – Bernard Hinault biss sich durch, durch alles und jeden! Im Jahr 1980 gewann er das verschneite und legendäre Lüttich-Bastogne-Lüttich – kein Zufall.
Dass Bernard Hinault unbedingt auch in der “Hölle des Nordens” gewinnen wollte, war nicht sein inneres Bedürfnis. Er wollte es allen zeigen, die Vielseitigkeit als Maßstab für Größe anlegten. Und wenn sich der dickköpfige Bretone etwas in den Kopf gesetzt hatte, wurden zur Not Berge versetzt.
Im Jahr 1981 war es nass uns schlammig. Kaum vorstellbar, wie er es gehasst haben muss, sich den Gefahren auszusetzen. Er stürzte, hatte Defekte und war zwischendurch abgehängt. Doch am Ende hat er mit seinem enormen Willen und seinen außerordentlichen Fähigkeiten im Velodrom vom Roubaix die Konkurrenz niedergerungen.
Im Sprint setzte er sich vor Roger De Vlaeminck und Francesco Moser durch – im Weltmeistertrikot – mehr geht nicht.

 
Angeblich soll Hinault nach dem Rennen den Stein wütend einem Betreuer gegeben haben, mit den Worten: “Da hast du deinen Stein”. Er mochte das Rennen nicht, hat es aber allen bewiesen, dass er auch dieses gewinnen kann. Ein echter Champion mit Ecken und Kanten. Nur ein weiteres Mal ist er bei Paris-Roubaix gestartet. Mit der Startnummer 1 am Rad wurde er 1982 Neunter. Danach machte er einen Bogen um das gehasste Pflaster, so gut es eben ging.


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