Das zwölfte Teilstück ist die längste Etappe dieser 107. Tour de France. Zudem geht es über durchaus anspruchsvolles Terrain. Satte 3800 Höhenmeter müssen absolviert werden, vor allem das Finale hat es in sich. Es ist eine Etappe, vergleichbar mit einem Klassiker in den Ardennen. Für die Sprinter ist das Terrain viel zu anspruchsvoll. Aber für einen Angriff der Kletterer ist es wiederum nicht bergig genug. Das bedeutet – es ist ideales Terrain für starke Ausreißer.

Natürlich wissen alle Fahrer im Feld, dass hier eine Fluchtgruppe sehr gute Chancen hat. Nach den zwei Flachetappen nach dem Ruhetag scharren die Baroudeure schon mit den Hufen. Doch solch eine Konstellation bedeutet meist einen sehr hektischen Start in die Etappe. Denn viele Fahrer sehen ihre große Chance, wollen in die Gruppe des Tages. Da es zunächst aber wenig bergig ist, kann es einen langen Kampf um die Gruppe geben.

Für die Favoriten auf Gelb bedeutet diese Etappe vor allem eines: ohne Rückstand und unnötigen Kraftaufwand durchkommen. Das Finale ist knifflig und man sollte stets wachsam sein und versuchen, Gefahren aus dem Weg zu gehen. 

Die Strecke

Karte der 12. Etappe der Tour de France 2020

Der Parcours führt den ganzen Tag gen Südwesten. Die ersten Kilometer sind flach. Bei Rennkilometer 51 steht der Sprint des Tages an. Dass Deceuninck-QuickStep das Feld bis dahin zusammenhalten will, ist nicht zu erwarten. Sam Bennetts Vorsprung ist groß genug.

Ab Rennmitte wird das Terrain anspruchsvoller. Im Finale warten zwei beachtenswerte Anstiege auf die Fahrer. Zunächst die Côte de la Croix du Pey (4,8km 6%), dann 25,5 Kilometer vor dem Ziel die Suc au May (3,8km mit 7,7%). Keine Monsterberge, aber der ideale Ort für eine Vorentscheidung in der Fluchtgruppe. 

Zum Ziel geht es leicht bergab, sodass man seine Kräfte nicht zu früh einsetzen sollte. 

Finale der 12. Etappe der Tour de France 2020

 

Favoriten

Es ist eine Etappe für die Baroudeure und Klassiker-Spezialisten. Greg van Avermaet, Oli Naesen, Tiesj Benoot, Julian Alaphilippe, Matteo Trentin, Alberto Bettiol, Nils Politt, Sören Kragh-Andersen, Sonny Colbrelli, Alexey Lutsenko und natürlich auch Thomas de Gendt. Diese Liste könnte man mit weiteren Namen erweitern. Das Problem für viele dieser Fahrer ist, dass sie den Sprung in die Gruppe schaffen müssen. Wäre das Terrain zu Beginn schwerer, könnte man “auf Kraft” wegfahren, wie es die Radfahrer nennen. Doch es ist flach und jeder im Peloton bekommt seine Chance. Fahrer wie Thomas de Gendt warten dann gern im Feld ab, bis die Gruppe tatsächlich fast eine Minute Vorsprung hat und ballern das Loch dann zu. Diese Gabe haben aber nur wenige im Feld.

Auch möglich, dass einige Teams mit mehreren Fahrern sicherstellen, dass ihr Mann dabei ist. Also bereits 1-2 Helfer opfern, um den richtigen Fahrer in die Gruppe zu bringen. Es könnte eine schnelle und packende Startphase werden. Sunweb hat mit Benoot, Kragh Andersen und Hirschi gleich mehrere Optionen. Im Sprint lief es nicht so ganz, im GC spielt man keine Rolle und für die ganz schweren Bergetappen ist man auch nicht optimal aufgestellt – dieser Tag ist bei ihnen sicher dick angestrichen.

***** –
**** Greg van Avermaet, Thomas De Gendt
*** Oli Naesen, Sören Kragh-Andersen, Julian Alaphilippe
** Matteo Trentin, Alberto Bettiol, Michael Valgren, Marc Hirschi
* Tiesj Benoot, Nils Politt, Alexey Lutsenko, Bob Jungels, A. De Marchi

Start: 11:50 Uhr
Ziel: ~17:15 Uhr


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