Die letzte Bergetappe dieser Tour führt über 175 Kilometer von Méribel nach La Roche-sur-Foron. Den Verlauf dieser Etappe vorherzusehen ist schwer. Klar, das Rennen könnte grob den üblichen Verlauf nehmen: eine Gruppe mit starken Fahrern setzt sich ab und kämpft um den Etappensieg, während im Feld das Team des Gelben Trikots kontrolliert und am letzten schweren Anstieg Primoz Roglic die letzten Angriffe abwehren muss. Doch vielleicht kommt es ganz anders. Denn das Terrain dieser Etappe macht das Rennen schwer kontrollierbar.
Es ist eine wirklich schwere Etappe, mit rund 5000 Höhenmetern. Nach den Anstrengungen vom Vortag und mit nun bereits 17 Renntagen in den Beinen ist das ein Brett. Vermutlich wird sich eine große Ausreißergruppe mit vielen starken Fahrern bilden. Denn es ist die letzten Chance in den Bergen etwas zu bewegen. Eine ganze Reihe von Teams ist mit der Tour nicht zufrieden und wird alle Reserven investieren. Versuchen dann Fahrer aus den Top-10 der Gesamtwertung davon zu profitieren und gehen in die Offensive, muss die Konkurrenz reagieren. Wenn sie denn kann.

Mit dem superschweren Anstieg zum Plateau des Glières bietet sich zudem auch den direkten Verfolgern von Primoz Roglic die Chance für einen letzten Angriff auf Gelb. Fünf Fahrer liegen in Reichweite des Podiums, auch sie werden keine Chance liegen lassen, sollte sie sich ergeben. Es stellen sich viele Fragen, vor dieser Etappe, auf die nur die Fahrer im Rennen Antworten geben können. Wie groß und gut besetzt wird die Gruppe sein und platzieren Kapitäne Helfer darin für eine späte Attacke auf Gelb? Traut sich eine Mannschaft wie beispielsweise Astana, mit einer wilden Attacke weit vor dem Ziel ins Risiko zu gehen? Gibt es doch noch einen Einbruch eines Top-Fahrers? Es könnte ein interessantes Rennen werden.
 

Die Strecke

Karte der 18. Etappe der Tour de France 2020

Nach dem neutralisierten Start in Meribel rollt das Feld den Berg hinab zum scharfen Start. Ab dann geht es auf breiter Straße die ersten 25 Kilometer leicht bergan. Der Zwischensprint wird bei Rennkilometer 14 ausgetragen. Sicher schwierig für Peter Sagan dort Punkte gegenüber Sam Bennett gutzumachen. 
Der erste Anstieg ist nach rund 25 Kilometern erreicht und spätestens hier wird sich die Gruppe des Tages formieren. Es geht satte 18,6 Kilometer bergan zum Cormet de Roselend. Nach einer langen Abfahrt wartet bereits der nächste kurze Anstieg. 
Profil des Roselend

Über Col des Saisies und den ebenfalls schweren Aravis geht es zum Finale der Etappe. Dort wartet ein sehr, sehr schwerer Anstieg auf die Fahrer. Zur Montée du plateau des Glières geht es sechs Kilometer mit 11,2 & bergauf. Knüppelhart, ohne die Chance sich zu erholen. Und nach der Bergwertung geht es auf einem Plateau auf Schotter weiter. Einige Fahrer kennen diesen Anstieg von der Tour 2018. Ein wirklich fieses Ding.
Plateau des Glières

Zum Ziel sind es dann noch rund 30 Kilometer, mit einer kleinen unkategorisierten Steigung. Wer also am Plateau des Glières abgehängt wird und allein kämpfen muss, kann durchaus einen größeren Rückstand kassieren. Es ist auch für die Klassementfahrer ein gefährliches Finale. 
Die Anstiege:
Cormet de Roselend (18.6km, 6.1%)
Côte de la route des Villes (3.2km 6.6%)
Col des Saisies (14.6km, 6.4%)
Col des Aravis (6.7km, 7%)
Montée du plateau des Glières (6km,11.2%)
 

Die Favoriten

Vermutlich werden starke Ausreißer um den Tagessieg kämpfen. Ineos hat noch nichts gerissen und wird auf Angriff fahren. Michal Kwiatkowski, Pavel Sivakov und vielleicht auch Dylan van Baarle könnten in die Gruppe gehen. Richard Carapaz wird wohl die Anstrengungen der vergangenen Tage zu heftig spüren. Groupama-FDJ würde sich zu gern mit dieser Tour versöhnen und hat mit Sebastien Reichenbach, Valentin Madouas und Thibaut Pinot drei starke Fahrer. Maximilian Schachmann wird vielleicht sein Glück versuchen, Nans Peters, Dan Martin und die halbe Sunweb-Rambazamba-Truppe darf man wohl ebenfalls in der Gruppe erwarten. Dazu Daniel Martinez, Thomas de Gendt, Jesus Herrada, Pierre Rolland & Co. 
 
***** –
**** Marc Hirschi, Michal Kwiatkowski
*** Pavel Sivakov, Dan Martin, Daniel Martinez
** Nans Peters, Valentin Madouas, 
* Max Schachmann
Start: 12:05 Uhr
Ziel: ~17:30 Uhr


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