Es war die große Chance in die WorldTour aufzusteigen, und man nutze sie. Als Katusha dicht machte, schnappte sich die israelische Equipe die WorldTour-Lizenz. An finanziellen Mitteln mangelte es dank Milliardär  Sylvan Adams ohnehin nicht. Sieben Fahrer von Katusha wurden übernommen, dazu Daniel Martin vom Team UAE verpflichtet.

Doch Fahrer allein machen ein Team nicht erfolgreich. Struktur, Trainer, Equipment, Organisation – dieses Puzzle bekam man 2020 nicht erfolgreich zusammen. An den Ambitionen mangelte es nicht, Sylvan Adams geht da selbst gern voran. Doch während im Fußball Geld vielleicht Tore schießt, lässt sich im Radsport Erfolg nur gepaart mit Geduld und Geschick bei Personalfragen erkaufen. Hier darf man dem Team noch 1-2 Jahre Zeit geben, doch bislang sieht es nicht nach einem Durchmarsch aus der zweiten Liga in die Champions League aus.

Martin liefert, Politt kaum zu sehen

Abgesehen von Nationalen Meisterschaften bleiben sechs Siege in diesem Jahr. Zwei in der WorldTour – der Etappensieg von Daniel Martin bei der Vuelta und Alex Dowsetts Etappenerfolg beim Giro, der ihm wohl die Vertragsverlängerung sicherte. Insgesamt war der Ire Dan Martin der Lichtblick im Team. Der 34-Jährige war in den Ardennen gut und fuhr eine exzellente Vuelta, die er ohne große Hilfe aus dem Team als Gesamtvierter beendete.

Der deutsche Klassikerspezialist Nils Politt hingegen wird lieber nach vorn schauen, als zurück auf das Jahr 2020. Früh war klar, dass er das Team nach einer Saison wieder verlassen wird und er möchte nun bei Bora-hansgrohe neu durchstarten. Für den 26-Jährigen war es sportlich wohl ein verlorenes Jahr, auch wenn es vor der Corona-Pause noch ordentlich lief. Man darf gespannt sein, ob man 2021 wieder den “alten Politt” sehen wird.

Groß denken

Bei Israel Start-Up Nation ist der Blick nach vorn gerichtet, hält man an der Vision fest, zu einem Top-Team aufsteigen zu wollen. Mit Chris Froome, Sep Vanmarcke, Daryl Impey, Michael Woods und Alessandro De Marchi wurden alternde Top-Fahrer verpflichtet. Ob man 2021 auch in Sachen Infrastruktur die dringend benötigten Fortschritte machen kann, bleibt abzuwarten.

Die Voraussetzungen sind da, auch die Kompetenz im Personal, wie etwa bei der sportlichen Leitung, doch der Weg von einer kleinen Mannschaft zu einem funktionierende Gebilde auf World-Tour-Niveau ist steinig und lang – hier gilt es von ganz oben (wo sich auch der Teamboss nicht ausnehmen sollte) bis nach unten die richtigen Werte und Professionalität zu leben. Vielleicht tragen dazu auch die Neuverpflichtungen bei. Gelingt dies, wird man auch die Rolle als “Schlusslicht der WorldTour” bald ablegen können.