Kurz nach dem späten Ende der Saison 2020 begann beim Team Bora-hansgrohe die Planung für die kommende Saison. Zunächst wurde gründlich die abgelaufene Saison analysiert und im Meeting der Teamleitung versucht, die Lehren aus der komischen Saison 2020 zu ziehen. Zu besprechen gab es einiges, denn durch teils unglückliche Umstände, Unfälle und Stürze lief es 2020 anders, als geplant.
Zwar wurden alle vor der Saison gesteckten Ziele verpasst, dennoch konnten auch positive Schlüsse gezogen werden.

Der Blick wurde dann schnell voraus gerichtet und da man die Strecke der Tour de France 2021 zeitig kannte, konnten die Gedankenspiele beginnen.

Keine Tour für Buchmann

Die Strecke der Tour de France ist nicht nach dem Geschmack von Kletterer Emanuel Buchmann. Zu viele Zeitfahrkilometer, zu wenig pure Kletterei. So dürften wohl direkt nach der Tour-Präsentation die Gedankenspiele um einen anderen Saisonplan für Kapitän Buchmann begonnen haben, als das übliche “Alles für die Tour”-Szenario.

Die Strecke des Giro d’Italia ist auch Ende 2020 nicht offiziell bekannt, aber ein Parcours mit wenig Bergen ist eher nicht zu erwarten. Ein Gedanke, Emanuel Buchmann vielleicht mal nicht zur Tour, sondern zum Giro zu schicken, war bereits Anfang November in den Köpfen der Bora-hansgrohe-Verantwortlichen. Dass die Olympischen Spiele auf einem Berg-Kurs ausgetragen werden und terminlich eng an der Tour liegen, spricht auch gegen einen Tour-Fokus.

Der Giro-Plan passt auch für Ackermann

Buchmann nicht mit 5 Berghelfern zur Tour zu schicken, passt auch zum Versprechen, Pascal Ackermann bei der Tour starten zu lassen. Denn der Sprinter ist, anders als Einzelkämpfer Sagan, vor allem in Kombination mit seinen vertrauten Anfahrern Andreas Schillinger, Rudi Selig, Michael Schwarzmann & Co. stark einzuschätzen. Die “Ackes-Gang” hat sich die Tour-Chance in den vergangenen Jahren mehr als verdient, der Parcours verspricht reichlich Sprints und so passt dies alles wunderbar zur Emu-Giro-Idee. Es bleiben allerdings einige Fragen offen.

Was wird mit Kämna, Kelderman, Großschartner, Schachmann, Konrad?

Kann sich auch Emanuel Buchmann mit der Giro-Idee anfreunden, bleiben für weitere Gedankenspiele mehrere Ideen. Man kann nun ausgehend von den Fahrern überlegen, wo man sie einsetzen möchte, oder eben von den anderen beiden Grand Tours starten und das ideale Szenario überlegen.

Dass beides nicht einfach ist, stellt man schnell fest. Denn legt man zunächst die starke Truppe für Buchmanns-Giro-Angriff fest, sind schnell Felix Großschartner, Matteo Fabbro, Patrick Konrad, Maximilian Schachmann und Wilco Kelderman verplant. Überlegt man allerdings, dass Giro und Tour nicht so leicht kombinierbar sind, bleibt die Frage: Wer wird dann GC-Kapitän bei der Tour de France? Mit der Anschlussfrage: Braucht man überhaupt einen?

Kann man nicht einfach mit der “Ackes-Gang” auf Etappenjagd gehen, dazu in den Bergen wieder offensiv agieren und Lennard Kämna einfach mal einen GC-Testballon starten lassen? Ohne Druck, versteht sich.

Die Antwort auf diese Frage darf man allerdings nicht nur rein sportlich geben. Denn die Tour ist der Hauptgrund für Sponsoren ihre dicken Budgets zu investieren. Geht man ohne GC-Mann nach Frankreich, ist der Druck auf Ackermann brutal groß. Dass auch dieser stürzen könnte, mag man gar nicht erst weiterdenken.

Also doch ein GC-Mann zur Tour? Wer soll/darf das sein? Ein Patrick Konrad vielleicht, der beim Giro 8. war und gut allein klar kommt, aber im Kampf gegen die Uhr Schwächen hat? Oder geht Kelderman, als sehr ordentlicher Zeitfahren, als Helfer zum Giro und dann als Kapitän zur Tour?

Vuelta und Herbstklassiker

Was macht man dann mit Felix Großschartner? Erst Emu-Helfer beim Giro und dann Rollentausch bei der Vuelta? Falls Buchmann überhaupt zwei Grand Tours fahren will und nicht lieber mit Max Schachmann und Matteo Fabbro bei den italienischen Herbstklassikern Rambazamba veranstalten möchte.

Es spricht einiges dafür, dass Buchmann den Giro fährt und Kämna zur Tour geht. Beim Rest muss man abwägen, in welcher Konstellation man die besten Chancen auf Erfolge hat, aber auch den Fahrern eine sehr gute Option bietet. Dabei geht es nicht nur um die aktuellen Kapitäne, sondern auch um die Entwicklung junger Fahrer.

In jedem Falle beeindruckend, welche Optionen sich dem Team von Ralph Denk bieten, den Plan für die Großen Rundfahrten aufzustellen. Bedenkt man zudem, welch Potenzial in der Mannschaft für die Klassiker mit Nils Politt und Peter Sagan steckt und dass man Fahrer wie Maximilian Schachmann für die Ardennen einplanen kann, wird es noch beeindruckender.


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