Lotto-Soudal – ein wichtiger Sieg

Hinter dem Team Lotto-Soudal liegen schwierige Jahre mit reichlich Veränderung, auch wenn man stets große Erfolge vorzuweisen hatte. “Auch 2021 werden die etablierten Fahrer die Verantwortung tragen – Ewan, Wellens, Gilbert, Degenkolb und De Gendt müssen für die Ergebnisse sorgen”, hieß es in unserer Saisonbilanz. Denn man hatte zuletzt einen Umbruch vollzogen, das Team stark verändert, auch wenn die Kapitäne blieben. Wellens lieferte nun direkt zu Saisonbeginn ab, holte eine Etappe und den Gesamtsieg. Für die Mannschaft vielleicht ein Erfolg mit Signalwirkung.

Denn Grundlage für den Sieg war eine super Teamleistung. Auf der für die Gesamtwertung entscheidenden Etappe hatte man mit Tim Wellens, Philippe Gilbert und Stefano Oldani gleich drei Fahrer in der Gruppe und spielte es taktisch perfekt. Klar, ohne die Top-Leistung von Wellens wäre das so nicht gelungen, aber ohne Gilberts Hilfe ganz sicher auch nicht so einfach.

Ein solcher Erfolg früh in der Saison kann Druck nehmen und Selbstvertrauen stärken. Für ein Team im Umbruch besonders wichtig.


Jake Stewart kommt auf die Talente-Liste

Jake Stewart im Trikot des besten Jungprofis

Ich gebe es zu, ich hatte ihn nicht auf dem Schirm, als ich vor dem Abschluss-TT das Endergebnis “ausrechnete”. Politt würde aufs Podium kommen, so die Analyse. Rang drei hinter Wellens und Kwiatkowski. So kam es, aber eben nur ganz knapp. Denn Jake Stewart war nur drei Sekündchen langsamer als Politt. Beide lagen vor dem TT im GC gleichauf, denn sie gehörten zur Fluchtgruppe am dritten Renntag.

Insgesamt ein starkes Rennen des 21-jährigen Briten, aber die Leistung beim TT überraschte mich doch. Da gingen anerkennend die Augenbrauen noch oben und Mundwinkel nach unten, als er über die Linie rollte und die Zeit stehen blieb. Respekt!

Natürlich, wenn ein saujunger Brite nach einem Jahr im Devo-Team in die WorldTour-Mannschaft bei Groupama-FDJ aufsteigt, dann kann der sicher mehr, als nur seine Landesfarben für potenzielle Sponsoren repräsentieren.

Man könnte nun ProcyclingStats durchscrollen und dann die durchaus ansprechenden Ergebnisse abnicken, mir war er aber bislang nicht so aufgefallen, dass ich ihn auf Augenhöhe mit Politt gesehen hätte – schon gar nicht im TT! Deshalb kommt er jetzt definitiv auf die Beobachtungsliste mit dem Vermerk, dass er in der U23 sowohl bei der Ronde, als auch in Roubaix in den Top10 landete!


Nils, befreit & beflügelt

Das Podium des Etoile de Bessèges 2021 | Sieger Wellens, Kwiatkowski (links) & Politt

Besser hätte es kaum laufen können. Nils Politt beendet das erste Rennen im Trikot von Bora-hansgrohe auf dem Podium. Gesamtrang drei beim gut besetzen Etoile de Bessèges 2021. Nach einem schwachen Jahr bei Israel Start-Up Nation, wo er kein einziges Mal unter den Top3 landete, nun also ein Super-Start.

Es scheint fast so, als sei er befreit, von einer Last, von einem Team, wo er eigentlich gar nicht sein wollte. Er hat sich direkt wohl gefühlt, in der neuen Mannschaft, heißt es von den Bora-hansgrohe Kollegen.

Nun kommt nach dem Saisonauftakt zum “Spaß am Beruf” gleich noch die Bestätigung der Arbeit – ein Wunschszenario. Der Weg zu den Klassikern ist weit und steinig, in Sachen Motivation wird dieser Etoile de Bessèges ganz sicher kein Bremsklotz sein. Eher im Gegenteil.


Richtig Radrennen

Rigoberto Uran vor Vincenzo Nibali & Egan Bernal

Ob es an Corona liegt, wissen wir nicht, aber eines zeigte der Etoile de Bessèges 2021: Auch in dieser Saison wird nicht rumgerollt, sondern richtig Radrennen gefahren! Für die Zuschauer höchst unterhaltsam nahmen sich die Profis auseinander, kämpften verbissen um jede Etappe, jede Sekunde. Beim 2.1. Rennen in Frankreich.

So darf es gern weitergehen, in diesem Jahr, das hoffentlich das letzte unter dem Einfluss des Virus ist. Denn so wie die Jungs auf dem Rad größte Radsportunterhaltung bieten, haben sie es auch verdient, bald wieder die entsprechende Atmosphäre genießen zu dürfen. Dieses Rennen machte Bock auf mehr!


#TopGanna

Filippo Ganna

Sucht man im Jahr 2021 den Favoriten für ein Einzelzeitfahren, schaut man erst ob Filippo Ganna dabei ist. Dieser Typ, mit der Statur eines Athleten, den man im alten Rom tausendfach in Stein verewigte, ist so stark, dass er im Kampf gegen die Uhr unbezwingbar scheint. Gut, ein TT hinauf nach L’Alpe d’Huez würde er nicht gewinnen, aber ist es halbwegs flach, geht der Sieg nur über ihn.

Beeindruckender als sein TT-Sieg war allerdings der Etappensieg aus der Ausreißergruppe einen Tag vor dem Abschlusszeitfahren. Einfach brutal, was der Kerl für eine Power aufs Pedal bringt!
Wir sind schon jetzt extrem gespannt, wie er sich bei Paris-Roubaix schlägt!