Bernal & Ineos – erneut sehr souverän

Erneut hat Ineos-Grenadiers das Rennen in die Hand genommen und auf den Schotter-Sektoren angegriffen. Das war ein starker Auftritt der Mannschaft, und erst recht von Leader Egan Bernal. Wobei man Gianni Moscon hervorheben darf, der im Finale viel für seinen Kapitän gearbeitet hat.

Der Mann in Rosa war auf dem Schotter erneut souverän und sprang dann über die letzte Bergwertung vor zu Emanuel Buchmann. Egan Bernal ist der große Gewinner dieser Etappe. Sein Vorsprung in der Gesamtwertung ist beträchtlich gewachsen. Er wirkt unschlagbar. Im Moment!


Remco – Schotter ist nicht sein Ding

Remco Evenepoel wirkte auf den Schotter-Abschnitten unsicher. Er fuhr hinten, ließ ein Loch zu den Fahrern voraus. Auf den Asphalt-Abschnitten zwischen den Gravel-Sektoren hingegen wirkte er gewohnt stark. Er kassierte am Ende „nur“ rund zwei Minuten, obwohl er nur wenig Hilfe auf den letzten Kilometern bekam, während die anderen GC-Fahrer voll durchzogen.

Das war nicht das Ergebnis, was sich Evenepoel erhofft hatte, aber es scheint fast so, als hätte er den Rückstand eher wegen der Schwierigkeiten auf dem losen Untergrund kassiert, als dass er körperlich einfach nicht stark genug war. Er hat sicher schon auf den ersten Sektoren viel Kraft investieren müssen, um seine verhaltene Fahrweise auszugleichen – musste oft antreten, Löcher schließen. Man darf gespannt sein, wie er sich in den nächsten Tagen schlägt. Abschreiben sollte man den jungen Belgier nicht zu schnell.


Emanuel Buchmann – mutig & stark

Neben Egan Bernal ist Emanuel Buchmann der zweite Gewinner dieser Etappe. Er macht nicht nur Zeit auf die Konkurrenz gut, sondern er lieferte ein tolles Rennen ab. Nach dem schwachen Auftakt-Zeitfahren war die Kritik in den Massenmedien laut. Das durchaus sehr ambitionierte Ziel, um das Podium mitfahren zu wollen, deuteten viele bereits außer Sichtweite, selbst die Top5 wurden ihm nicht zugetraut. Doch bislang läuft es genau so, wie es Trainer Dan Lorang im Podcast vor dem Giro ankündigte – Buchmann kam frisch in den Giro, was auf den ersten Etappen noch keine Bestleistungen möglich macht. Doch man hofft, dass er so bis nach Mailand sein Leistungsniveau halten kann.

Nach dieser 11. Etappe dürfte die Kritik leiser werden. Denn Buchmann fuhr stark, agierte mutig und wusste sich auch ohne Helfer im Finale zu behaupten. Es gibt nach diesem Tag freilich keinen Grund dafür, euphorisch den Giro-Sieg zu fordern, aber er hat ganz deutlich gezeigt, dass seine Einschätzung vor dem Start, dass er nach guter Vorbereitung in guter Form am Start steht, nicht einfach so dahingesagt waren.


Der Überraschungs-Sieger

Im Siegerinterview erklärte der 21-jährige Mauro Schmid, dass er erst vor wenigen Wochen von seinem Giro-Start erfahren hatte. Er litt nach eigener Aussage in den ersten 10 Etappen heftig. Doch dann erwischte der Schweizer Neo-Profi auf den Schotter-Straßen der Toskana den perfekten Tag und holte sich den Tagessieg. So ist Radsport. Sein Teamkollege Giacomo Nizzolo bestreitet seinen achten Giro. War als Sprinter so sehr oft Zweiter oder Dritter – allein in diesem Giro zwei Mal Zweiter – aber er rennt dem ersten Etappensieg bei seiner Heimat-Rundfahrt noch immer hinterher.

Für Schmid ist es ein toller Tag, für sein Team zudem ein ganz wichtiger Erfolg!


Die Gesamtwertung verändert sich

Diese Schotter-Etappe hat die Gesamtwertung kräftig durcheinander gewirbelt. Daniel Martin und Davide Formolo kassierten mehr als sechs Minuten Rückstand auf Egan Bernal. Sie sind die großen Verlierer des Tages und wohl raus, aus dem Kampf um Rosa.

Aber auch Evenpoel, Bardet, Nibali und Soler verloren rund zwei Minuten auf Bernal. Nibali ist nun bereits mehr als vier Minuten hinter Bernal zurück – selbst für den „Hai“wohl zu viel.

Alexandr Vlasov, Simon Yates, Hugh Carthy und Tobias Foss konnten den Rückstand hingegen recht klein halten. Vor allem Vlasov wirkte wieder stark. Die große Überraschung ist mehr und mehr Tobias Foss!
Auch Damiano Caruso bleibt neben Vlasov, Carthy und Yates in Schlagdistanz zu Bernal, auch wenn dieser im Moment ganz klar der Stärkste ist.

Gewinner neben Bernal ist Emanuel Buchmann. Er ist nun fest in den Top10 und keine 40 Sekunden vom Podium entfernt.

Aber: Der Giro ist noch lang!

Die Gesamtwertung:

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