Rosa-Jubel

Auf den letzten Metern zog Egan Bernal die Regenjacke aus, stopfte sie sich am Rücken unter das Trikot und breitete zum Jubel die Arme aus. Es sei ein wichtiger Sieg und etwas ganz Besonderes, in Rosa zu gewinnen, sagte er nach dem Rennen. Es war ihm wichtig. Er ehrte das Trikot und siegte absolut verdient. Er ist weiter der stärkste Fahrer im Rennen und hat nun bereits einen komfortablen Vorsprung. Es ist noch weit bis Mailand, aber vielleicht war das bereits eine Vorentscheidung.


Strecke verkürzt & kein TV-Bild

Man hatte Schneefall befürchtet, doch dieser blieb am Ende aus. Die Etappe wurde verkürzt, von drei 2000’ern blieb nur der Giau. Vermutlich wären viele der Fahrer auch ohne Widerspruch die ursprünglich geplante Strecke gefahren. Am Ergebnis hätte sich sicher wenig geändert. Vielleicht wäre der Abstand von Bernal nur noch größer geworden und auch zwischen den Verfolgern die Lücken gewaltiger.

Die Freude der Fans daheim wurde sowieso weniger von den fehlenden Anstiegen getrübt. Denn das TV-Bild war, vorsichtig formuliert, sehr lückenhaft. Nicht wenige werden sagen, dass sie über die Verkürzung froh sind – denn das Spektakel hätten sie im TV ohne Übertragung eh nicht sehen können, und so bleibt der Giro immerhin ein wenig spannender.

Hochgebirgsetappen im Mai sind immer schwierig. Wird dann wegen der Corona bedingen Kalender-Umplanung (auch wegen Olympia-Verschiebung) der Giro noch eine Woche vorgezogen, macht es das nicht besser.

Man hätte sich 20 Grad und ein großes Spektakel in den Dolomiten mit großartigen TV-Bildern gewünscht. In der aktuellen Situation aber ganz sicher auch noch viele andere Sachen ein bisschen mehr.


EF – mutig & erfolgreich

Sie wollten etwas probieren und haben durch ihre hohes Tempo das Feld der Favoriten früh komplett zerlegt. Hugh Carthy liegen die schwierigen Wetterbedingungen und er war bergauf bislang einer der Stärksten. Dass sie in die Offensive gehen war also durchaus erwartbar und nachvollziehbar.

Carthy hatte am Ende nicht die besten Beine, aber die Aktion lohnte sich dennoch – Carthy kletterte auf einen Podiums-Platz. Dass er auf Romain Bardet und Damiano Caruso etwas Zeit verlor, wird er verkraften können. Gegen Bernal scheint im Moment eh kein Kraut gewachsen.

Klar, Carthy hätte gern die Etappe gewonnen und den Rückstand auf Bernal verkürzt – im Kampf ums Podium hat er gegenüber einigen Konkurrenten Zeit gutgemacht. Das Team darf durchaus zufrieden sein.


Kampf ums Podium

Der Kampf ums Podium ist weiterhin komplett offen. Caruso, Vlasov, Carthy, Bardet, Yates, Ciccone – sechs Fahrer streiten um zwei Plätze. Die Abstände sind gering, die kommenden Etappen anspruchsvoll. Mal macht ein Fahrer Zeit gut, mal können die anderen etwas gut machen. Absolut unvorhersehbar, wer am Ende auf dem Podium stehen wird. Muss man neben Bernal einen Sieger der Etappe benennen, ist das sicher Romain Bardet.

Remco Evenepoel hingegen verabschiedete sich aus den Top10 – kassierte mehr als 20 Minuten.

Geoffrey Bouchard – ab in die Gruppen

Vor Geoffrey Bouchard liegen anstrengende Etappen! Zumindest wenn er sein Bergtrikot verteidigen will. Die 40 Punkte heute am ersten Berg des Tages, waren Gold wert. Denn Egan Bernal liegt nach dieser 16. Etappe keine 30 Punkte mehr zurück. Vermutlich wird Bernal in der nächsten Woche bei den drei Bergankünften noch einige Zähler einsacken. So sollte Bouchard jede Chance auf Bergpunkte nutzen und nach Möglichkeit bei mehreren Bergetappen in der Gruppe des Tages sein. Aber die Chance, nach der Bergwertung bei der Vuelta auch Blau beim Giro zu gewinnen, ist für Bouchard durchaus da.


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