Dritte-Woche-Simon

Die Geschichte, wie Simon Yates 2018 in der Schlusswoche des Giro d’Italia einbrach und er das Rosa Trikot verlor, wird während des Giro immer wieder erzählt. Yates machte es 2018 bei der Vuelta besser und gewann die Spanien-Rundfahrt. In diesem Jahr hatte Simon Yates offenbar zu Beginn der Italien-Rundfahrt Probleme und baut in der dritten Woche scheinbar weniger ab, als seine Konkurrenten.

Bei den zwei letzten Bergankünften war er deutlich besser als Leader Egan Bernal. Er nahm dem Kolumbianer seit dem zweiten Ruhetag 1:31 Sekunden ab und liegt nun nur noch 2:49 min zurück. “Ich werde mein Bestes geben”, sagte Yates. Er dürfte nun Selbstbewusstsein getankt haben und sieht sicher noch eine kleine Chance auf den Gesamtsieg. Man darf erwarten, dass er am Samstag erneut in die Offensive geht. Was man in diesem Giro sieht, läuft konträr zu 2018 – in diesem Jahr ist der “Dritte-Woche-Simon” bärenstark, und der Stärkste im Rennen. Zieht er Egan noch das Trikot aus?


Die gleichen Beine

Egan Bernal betonte im Ziel, dass er glücklich mit dem Ausgang der 19. Etappe sei. “Ich hoffe auf die gleichen Beine wie heute.”, sagte er vorausblickend, auf die letzte schwere Bergetappe am Samstag. Die wird er brauchen, will er nicht doch noch mit großer Angst in das abschließende Zeitfahren gehen.

Bernal sagte im Interview nach der Etappe etwas Bemerkenswertes. Er will noch ‘Beine übrig haben’ für das Zeitfahren. Was er meint, dürfte klar sein – bloß nicht überziehen, lieber 30 Sekunden herschenken, als Gefahr laufen, einzubrechen und dann wohlmöglich ohne Kraftreserven im Zeitfahren das Trikot verlieren.

Bernal ist auf einer Mission und folgt dem Team-Plan. Bleibt er von einem Einbruch verschont, wird er in Mailand in Rosa in das Zeitfahren gehen. Aber hat er nicht “die Beine von heute“, könnte es bei diesem Giro im Kampf um Rosa doch noch einmal spannend werden!


Kontrolle

Das Team Ineos ließ sich von der frühen Attacke von Joao Almeida und Simon Yates nicht aus der Ruhe bringen. Sie kontrollierten das Tempo und am Ende verlor Bernal auf Yates nur rund 30 Sekunden.

Sie agierten anders, als zuletzt, als Bernal erst die Attacke mitging, dann aber dafür büßte. Ein Lernprozess für den Kolumbianer. Er muss nicht alle Attacken mitgehen, denn er hat einen komfortablen Vorsprung. Bloß nichts riskieren, sondern auf die eigene Leistung schauen – das ist ein durchaus bekanntes taktisches Mittel beim Team Ineos. Und zudem ein sehr erfolgreiches.

Sie haben ein sensationelles Team, einen bärenstarken Daniel Martinez, der am Mittwoch der Rettungsanker war und am Samstag vielleicht der Abschleppwagen wird. Was sich auf dem Weg zur Alpe di Mera zeigte, war, wie abgeklärt, fokussiert und stark die Ineos-Mannschaft ist. Kein Risiko, keine Panik. Mit diesem Auftritt haben sie ihrem Leader Egan Bernal sehr viel Selbstvertrauen für den Samstag geben. “Er muss nur bei Martinez mitfahren, dann wird alles gut” – so die Message. Beeindruckend.


Das Podium steht?

Mehr als dreieinhalb Minuten hat Damiano Caruso Vorsprung auf Rang vier. Er müsste schon zwei sehr schlechte Abschlusstage beim Giro erleben, um noch vom Treppchen zu stürzen. Allerdings hat er nur noch vier Teamkollegen im Rennen. Sollte sich tatsächlich am Samstag ein verrücktes Rennen entwickeln, muss er wachsam bleiben. Um am Ende vor Simon Yates auf dem zweithöchsten Platz auf dem Podest zu stehen, braucht er jedoch mehr als zwei gute Tage. Denn Simon Yates ist aktuell deutlich stärker.

Bernal – Caruso – Yates – für sie scheint das Podium recht sicher, aber in welcher Reihenfolge diese drei Herren dann in Mailand geehrt werden, bleibt abzuwarten. Oder gibt es doch noch die große Überraschung?

Die Gesamtwertung nach Etappe 19:

1 BERNAL EganINEOS Grenadiers81:13:37
2 CARUSO DamianoBahrain – Victorious2:29
3 YATES SimonTeam BikeExchange2:49
4 VLASOV AleksandrAstana – Premier Tech6:11
5 CARTHY HughEF Education – Nippo7:10
6 BARDET RomainTeam DSM7:32
7 MARTÍNEZ Daniel FelipeINEOS Grenadiers7:42
8 ALMEIDA JoãoDeceuninck – Quick Step8:26
9 FOSS TobiasTeam Jumbo-Visma10:19
10 MARTIN DanIsrael Start-Up Nation13:55

Teamwertung = Ineos

Für einen Tag war das DSM-Team die beste Mannschaft dieses Giro – zumindest führten sie die Teamwertung an. Doch obwohl Romain Bardet, Michael Storer und Chris Hamilton ein gutes Rennen lieferten – gegen die Ineos-Jungs ist man bergauf eben nicht in der Lage mitzuhalten. Nun hat Ineos die Führung in der Teamwertung wieder inne und sie werden sie wohl nicht mehr abgeben.