Am vorletzten Tag geht es noch einmal über lange und schwere Anstiege. Satte 4000 Höhenmeter müssen auf den 164 Kilometern bewältigt werden. Zudem geht es hinauf, auf über 2000 Meter über dem Meeresspiegel. Diese letzte Bergetappe dieses 104. Giro ist sehr schwer und nach drei harten Wochen eine echte Herausforderung.

Wer noch Zeit gut machen will, muss angreifen! Simon Yates war zuletzt bergauf der Stärkste – er wird sich ganz sicher nicht zurückhalten, sollte er erneut gute Beine haben. Aber auch andere Fahrer werden alles was sie noch haben, in den Ring werfen.

Kletterstarke Ausreißer könnten durchaus den Etappensieg holen, sollten die großen Favoriten ums Podium zu Beginn ein eher moderates Tempo anschlagen. Schicken einige der Favoriten Helfer mit in die Gruppe, damit sie nach einer frühen Attacke dem Leader helfen können? Gut möglich.

Für viele Fahrer ist es die letzte Chance, entweder auf den Tagessieg, oder um noch Positionen in der Gesamtwertung gutzumachen. Es gibt keinen Grund mehr, sich zurückzuhalten – ein Tag, an dem sicher einige All In gehen.


Die Strecke

Karte der 20. Etappe des Giro 2021

Die ersten Kilometer nach dem Start in Verbania geht es flach entlang des Lago Maggiore. Der erste Sprint ist bereits nach 17 Kilometern erreicht – vielleicht formiert sich erst danach die Gruppe des Tages.

Es wird die Grenze zur Schweiz passiert und nach rund 80 Kilometern beginnt der erste Anstieg.

Mit fast 24 Kilometern Steigung ist es ein sehr langer Berg. Die Durchschnitts-Steigung liegt “nur” bei rund 6%, aber der San Bernardino hat auch steile Passagen. Der Gipfel liegt in über 2000 m Höhe und die Fahrer werden die dünne Luft spüren.

Es folgt eine rund 20 Kilometer lange Abfahrt und dann beginnt die nächste Steigung.

Zum Splügenpass geht es achteinhalb Kilometer mit rund 7,5 % im Schnitt bergauf. Es gibt zwar ein flachere Passage, aber die letzten vier Kilometer haben fast 8%. Zudem ist man nun auf 2215 Metern über Meeresspiegel.

Die Abfahrt zum Fuße der Schlusssteigung hat erneut rund 20 Kilometer Länge, ist im unteren Teil schnell und hat ein paar Kurven.

Die 7,3 km lange Schlusssteigung beginnt recht steil. Im mittleren Teil ist es fast einen Kilometer flach, ehe es die letzten zweieinhalb Kilometer noch einmal mit fast 9% im Schnitt recht steil wird.

Wem hier die Kräfte komplett schwinden, kann in diesem letzten Anstieg des Giro durchaus Minuten verlieren!

Die Sprintwertungen:
km 16.9 Cannobio
km 161.7 Madesimo

Die Bergwertungen:
km 106.2 – Passo San Bernardino – m 2065 (1a cat.)
km 134.9 – Splügenpass/Passo dello Spluga – m 2115 (1a cat.)
km 164 – Alpe Motta – m 1727 (1a cat.-arrivo)

Die Favoriten

Diese Etappe ist so schwer, dass wohl nur die besten Fahrer dieses Giro eine Chance auf den Etappensieg haben. Es wird der letzte große Berg-Kampf der Top-Favoriten auf das Podium erwartet. Vielleicht greifen auch Alexandr Vlasov und Joao Almeida früh an.

Es haben natürlich auch kletterstarke Ausreißer eine Chance durchzukommen, wenn sie vielleicht sogar mit starken Teamkollegen früh angreifen. Bauke Mollema und Vincenzo Nibali wären ein solches Gespann. Davide Formolo und Valerio Conti auch. Auch Movistar hat mit Antonio Pedrero und Dario Cataldo zwei starke Kletterer.

Sollte wirklich bereits früh im Rennen der Großkampf der Top-Fahrer entbrennen, bräuchten selbst gute Kletterer einen ordentlichen Vorsprung. Denn die Ineos-Mannschaft scheint dazu in der Lage, das Rennen zu kontrollieren und auch in den langen und schweren Anstiegen mit Daniel Martzinez und Jonathan Castroviejo über lange Zeit ein sehr hohes Tempo anschlagen zu können.

Es ist wohl eher zu erwarten, dass erneut die besten Fahrer dieses Giro am Ende um den Tagessieg kämpfen. Wie das ausgeht, ist nach drei harten Wochen und in der Höhenluft der Alpen kaum vorherzusehen. Überraschungen sind möglich! Auch große!

***** Simon Yates
**** Egan Bernal
*** João Almeida, Dan Martin, Damiano Caruso
** Bauke Mollema, Antonio Pedrero
* Alexandr Vlasov, Vincenzo Nibali, George Bennett

Start: 12:20 Uhr
Ziel: ~ 17:20 Uhr