Die Tour de France startet in der Bretagne. Gleich zum Auftakt gibt es eine für die Region typische Etappe – knifflig und anspruchsvoll. Es gibt zwar keine hohen Berge, aber viele Hügel, schmale Straßen und ein kniffliges Finale. Zum Ziel geht es rund zweieinhalb Kilometer mit fünfeinhalb Prozent bergan. Der erste Kilometer dieser Schlusssteigung ist fast 9% steil. Für die reinen Sprinter dürfte dieses Finale vielleicht zu schwer sein, sodass eher die Puncheure eine Chance auf das erste Gelbe Trikot der Tour haben.

Einer der Top-Favoriten auf den Tagessieg ist wohl Alleskönner Mathieu van der Poel. Sollte er tatsächlich gewinnen, würde er bei seinem ersten Tag bei der Tour de France das erreichen, was seinem Großvater Raymond Poulidor nie gelang. Obwohl “Poupou” sieben Etappen gewann und acht Mal das Rennen auf dem Podium beendete – er trug nie das Gelbe Trikot. Es sind solche Geschichten, die Journalisten lieben und aus der Tour eben doch viel mehr machen, als ein Radrennen.

Sportlich wird aber nicht nur der Kampf um den Tagessieg und das Gelbe Trikot sehr interessant. Das Terrain ist knifflig und alle Teams wollen beim stets hektischen Auftakt ihre Kapitäne möglichst aus allem Schlamassel raushalten. Das gelingt am besten ganz weit vorn im Feld, denn schnell wird man nach einem Sturz aufgehalten und muss viel Kraft investieren, wieder aufzuschließen. Dies ist bei den schmalen Straßen der Bertagne besonders wichtig. So werden wohl fast alle Teams versuchen, ganz weit vorn im Feld zu fahren – das bedeutet dann ein sehr hohes Temp und im Finale einen harten Kampf um die Positionen. Stress, Hektik, Positionskampf – hier sind Stürze fast vorprogrammiert. Es wäre nicht die erste Tour, bei der einer der Top-Favoriten schon nach wenigen Kilometern die Segel streichen muss.

Hierbei kann das Wetter eine große Rolle spielen. Bei Wind und Regen wird es zusätzlich hektisch und gefährlich. Aktuell sind für Samstagnachmittag kaum Wind und Regen vorhergesagt. Die Fahrer werden hoffen, dass es auch bis ins Ziel der Etappe trocken bleibt.


Die Strecke

Karte der 1. Etappe der Tour de France 2021

Diese Auftaktetappe ist 197,8 Kilometer lang und hat rund 3000 Höhenmeter – das ist kein Tag zum einrollen! Nach dem Start in Brest geht es zunächst einige Kilometer neutralisiert aus der Stadt. Dann wird das Rennen freigegeben und sicher direkt attackiert. Nach nur 8,6 Rennkilometern steht die erste Bergwertung an. Hier gibt es im Kampf um das gepunktete Trikot den ersten Zähler. Insgesamt sind an diesem Tag 8 Bergpunkte zu holen. Da es im Ziel für den Sieger “nur” zwei Zähler gibt, sollte wohl einer der Ausreißer des Tages am Ende das Bergtrikot bei der Siegerehrung bekommen. Darauf werden es einige Fahrer abgesehen haben.

Profil der 1. Etappe der Tour de France 2021

Die Sprintwertung des Tages ist 62,7 Kilometer vor dem Ziel erreicht. Anschließend geht es etwas mehr als 50 Kilometer auf eine kleinere Straße und ab hier ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Den es geht auf teilweise sehr schmalen Straßen (siehe Fotos unten) auf und ab und so wird es enorm schwierig, Positionen im Feld gutzumachen. Sollte es hier zu Stürzen kommen, könnte der hintere Teil des Felds schnell aufgehalten werden.

In der Anfahrt zum Ziel kommt man rund 10 Kilometer vor dem Ende der Ziellinie sehr nahe, doch man fährt zunächst in den Zielort Landerneau und dann hinauf zum ersten Etappenziel dieser Tour de France.

Von Süden geht es in den Zielort und etwas mehr als drei Kilometer über eine Brücke. Anschließen geht es rechts weg und dann in eine schmale Straße nach links. Hier geht es bereits bergauf.

Die Strecke kreuzt eine Bahnlinie und anschließend beginnt die Schlusssteigung. Zunächst geht es recht steil bergauf, oben wird es immer flacher.

Vor allem der erste Kilometer ist recht steil. Hier geht es knapp 1000 m mit fast 9% bergauf. Für einige Meter ist es sogar kurzen Abschnitt 14% steil. Die letzten Meter zum Ziel sind dann nahezu flach.

Die Bergwertungen:
Km 8.6 – Côte de Trébéolin
Climb of 900m at 5 .1%
Km 27,2 – Côte de Rosnoën (3km at 4%)
Km 61.5 – Côte de Locronan (900m at 9 .3%)
Km 115 Côte de Stang Ar Garront (2km at 3 .4%)
Km 150.7 Côte de Saint-Rivoal (2.5km at 3 .9%)
Km 197.8 Côte de la Fosse aux Loups (3km at 5 .7%)

Sprintwertung:
KM 135.1 – BRASPARTS

Die Favoriten

Es sind die Puncheure, oder bergfesten “endschnellen Männer” die hier zu den Favoriten zählen. Nach seinen Auftritten bei der Tour de Suisse ist Mathieu van der Poel der große Favorit auf den Tagessieg. Aber auch Julian Alaphilippe, Wout van Aert und Peter Sagan sollte man auf dem Zettel haben. Wie stark ist Christophe Laporte? Was macht Alex Aranburu? Ist es zu schwer für Bryan Coquard und Sonny Colbrelli? Man wird abwerten müssen, wie schwer das Rennen gestaltet wird.

Besonders wichtig dürfte die Positionierung vor der Steigung sein. Hier wird ein starkes Team gefragt sein. Ist man 3-4 Kilometer vor dem Ziel sehr weit hinten im Feld, wird man viel Energie aufwenden müssen, um vor zu kommen. Diese dürfte dann im Sprint fehlen. Dazu muss man den Antritt genau timen. Geht man zu früh ins Laktat, kann sich das auf den letzten Meter bitter rächen.

Aber wie groß ist das Feld überhaupt, das am Ende gemeinsam in den Schlussanstieg fährt? Die ersten Tage der Tour sind immer hektisch und meist kommt es zu stürzen – mit dem welligen Finale über schmale Straße ist es zudem noch unberechenbarer. Es ist eine Etappe, bei der sehr viel passieren kann. Spannung ist garantiert!

***** Mathieu van der Poel
**** Julian Alaphilippe
*** Wout van Aert, Sonny Colbrelli
** Christophe Laporte, Peter Sagan, Alex Aranburu
* Marc Hirschi, Primoz Roglic, Tadej Pogacar, Michael Woods

Start:12:10 Uhr
Ziel: 17:13 Uhr


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